Mass Effect

  • Plattform: PC
  • Release: 28.05.08 (US), 06.06.08 (EU)

Bioware ist mit Bethesda einer der wenigen Entwickler, die noch aus den goldenen Zeiten der PC-Rollenspiele stammen und die Flagge der komplexen West-RPGs hoch halten. Doch mittlerweile stützt sich Bioware auch auf den Markt der simpleren Konsolen-Rollenspiele, zuerst mit Jade Empire und dann mit dem als große Trilogie angelegten SciFi-Epos Mass Effect.

In einer nicht zu weit entfernten Zukunft, in einer nicht zu weit entfernten Galaxie ist dank der Entschlüsselung alter Artefakte der Mass Effect entdeckt worden, der intergalaktische Reisen ermöglicht. So hat es auch die Menschheit zur Zitadelle geschafft, einem Stützpunkt, auf dem sich diverse Rassen treffen und der von den drei dominanten Spezies geführte Rat die Entscheidungen der Föderation trifft. Nur lässt sich nicht immer alles mit diplomatisch korrekter Vorgehensweise lösen und so ernennen sie besonders herausragende Soldaten aus den verschiedenen Rassen zu Specter, die die heiklen Spezialaufträge bekommen und niemandem Rechenschaft schuldig sind, wie sie jene lösen.

Shepard ist derweil dabei, Probleme in einer Menschenkolonie zu lösen. Läuft nur nicht so gut, die Geth sind in der Übermacht, die Kolonie ist verloren, der Specter Saren entpuppt sich als Verräter und Shepard bekommt von einem Artefakt, hinter dem Saren her war, eine Vision eingebrannt. Letztendlich führt das dazu, dass Shepard zum ersten menschlichen Specter ernannt wird und mit der Crew der Normandy nun Saren durchs All jagen muss, um dessen Pläne, wie genau die auch immer aussehen mögen, zu vereiteln.

Und wer wirklich nur direkt hinter Saren her hechtet, somit nur der Haupthandlung folgt, wird recht schnell mit dem Spiel durch sein. In dem Falle ist es schon ein sehr kompaktes und fokussiertes Erlebnis. Was da natürlich mit rein spielt ist, dass Mass Effect eben als Trilogie angelegt ist und zwar die Schoße mit Saren zu einem Ende gebracht wird, was dazu führt, dass man sich als Spieler nicht abgezockt fühlt, da nur ein Drittelspiel vorliegt, dennoch gibt es natürlich wesentlich größere Verwicklungen und Gegner, die erst noch gestellt werden müssen – in den folgenden Spielen dann. Die Spielzeit gut verdoppelt werden kann hingegen, in dem die zahlreichen Nebenmissionen angegangen werden. Reichen tun diese wie üblich von einfachen Botengängen bis hin zum Ausschalten von Piratenunterschlüpfen auf fremden Planeten.

Das Besondere an Mass Effect ist dabei, das bei allen Gesprächen ständig zwischen diversen Reaktions-/Antwortmöglichkeiten gewählt werden kann. Gut, so besonders ist das wohl auch wieder nicht, WRPGs haben das schon ewig, doch es hilft dem Rollenspiel in Mass Effect einfach enorm, der Verbundenheit mit der Welt und der Förderung der Gesamtatmosphäre, wenn ich permanent so reagieren kann, wie ich es will, statt vom Spiel geradlinig auf einem Kurs gehalten zu werden. Damit die dichte Haupthandlung des Spieles noch funktioniert, haben die wenigsten davon natürlich wirklich große Auswirkungen, nur 2 oder 3 Entscheidungen im ganzen Spiel sind wirklich große, doch das ganze Universum muss sich für mich auch nicht permanent abändern, nur weil ich zu einem Alien unfreundlich war, mir reicht es meinen Shepard so handeln zu lassen, wie ich es für angebracht halte, meine Rolle zu spielen, in einem festgelegten Handlungsrahmen, der wenig umstößlich ist.

Auf jeden Fall sind die spannende Handlung, als würde man den Pilotfilm einer SciFi-Serie a la Star Trek oder Babylon 5 spielen, die vielen Antwort- und Reaktionsvariablen in der Herangehensweise an die Dinge und die gut und interessant geschriebenen Texte der Glanzstück an Mass Effect.

Das würde natürlich wenig helfen, wenn das Gameplay absoluter Mist wäre, doch auch hier ist Mass Effect weitestgehend kompetent umgesetzt. In der Zukunft geht sich natürlich keiner mehr mit Dolchen und Äxten an den Kragen, Mass Effect ist ein Cover Shooter. Für Leute, die bisher im Shooter-Genre sich die Füße nicht nass gemacht haben, helfen die verschiedenen Schwierigkeitsstufen allerdings, dennoch einen schnellen Einstieg zu finden. Zudem ist Mass Effect ja auch gleichzeitig noch ein RPG, es gibt also Erfahrungspunkte und daraus resultierend Level ups, die wiederum Punkte geben, um die je nach gewählter Jobklasse unterschiedlichen Fähigkeiten Shepards zu verbessern, um den Gegnern ordentlich was voraus zu haben. Die Angelegenheit geht auf jeden Fall überraschend leicht von der Hand, die richtige Skillung vorausgesetzt, wird ab Spielmitte kaum mehr jemand einem gefährlich werden können. Munitionsmanagment gibt es übrigens nicht, die Knarren können höchstens überhitzen, wenn das Dauerfeuer zu lang oben gehalten wird.

Leider wirft der Gameplay-/Design Bereich des Spieles auch die kleinen Mankos in Mass Effect auf. Zuvorderst wäre da die KI zu nennen, sowohl der Gegner wie auch der bis zu zwei Crewmitglieder, die Shepard in die Gefahrengebiete begleiten dürfen. Von fünf Gegnern ist vielleicht mal einer schlau genug, sich wirklich in Deckung zu begeben und die Gruppe von dort aus unter Beschuss zu nehmen, der Gros macht lieber was auf Kamikaze und läuft ihnen direkt vor die Flinte. Selbiges gilt auch für die Mitstreiter, die sich nicht zu schade sind, Meatshield zu spielen und einfach mitten im Raum stehen bleiben, um die herannahenden Gegner unter Feuer zu setzen, statt vielleicht vorher mal in den Schutz der nahen Box zu springen.

Der andere Schnitzer ist das eher uninspirierte Gebietsdesign. Mass Effect zeigt einem so einige echt hübsche Szenerien, doch sobald es in die Einsatzgebiete geht, herrschen ähnliche Korridore und Räume mit mehr oder weniger sinnig vielen Deckungsmöglichkeiten vor. In den längeren Missionen der Haupthandlung fällt dies noch nicht mal so auf, und besonders die beiden finalen Gebiete sind eigentlich sehr interessant anzusehen, dafür haben die sehr kurzen Nebenmissionen alle nur die Wahl aus den gleichen 2 oder 3 Gebieten. Und damit meine ich tatsächlich exakt gleich.

Zuletzt sei dann noch der Buggy genannte, das Vehikel, mit dem die fremden Planeten erobert werden können. Wobei davon in der Regel auch nur einer pro Galaxie betreten werden kann und nicht wirklich viel auf ihnen ist, als zwei oder drei Punkte für die Mineralien-/Artefaktsuche und vielleicht noch eine Station für ein Nebenquest. Auf jeden Fall ist die Steuerung des Fortbewegungsgeräts einfach schrecklich. Wenn dann noch die ganze leere Weite des Planeten damit überquert werden muss, kann man sich schon schnell die Frage stellen, ob die Nebenaufgaben das überhaupt wert sind.

An der Technik von Mass Effect gibt es hingegen nichts zu meckern, zumindest fast nichts. Das Spiel versucht zumindest sein Möglichstes, super auszusehen, wobei das bei der PC-Version natürlich auch davon abhängig ist, wie hoch oder niedrig die Settings geschraubt werden. Besonders hervorzuheben ist die Gesprächsmimik und die sehr gute Sprachausgabe, die den teilweise doch langen Gesprächen sehr zu Gute kommen. Weniger gelungen sind die Haare, die wie Helme aussehen, kein Wunder, dass alle nichtmenschlichen Rassen im Spiel lieber mal gleich gar keine haben. Zudem ist es echt schwer im Charakter Builder zu Beginn des Spieles ein optisch ansehnliches Exemplar zu gestalten, am besten direkt den Standardvorschlag annehmen, das erspart einem Zeit und Kopfschmerzen. Oben drauf kommt dann noch ein packender, Filmgerechter Score und et voila, das Packet Mass Effect ist geschnürt.

Fazit:
Mass Effect hat es wirklich geschafft, mich schnell dank der dichten Atmosphäre und der immer interessant rüber gebrachten SciFi-Handlung zu packen und fast nicht mehr los zu lassen. Da vergibt man die kleinen Schnitzer hier und da doch gerne, wenn das Spielerlebnis an sich so launig ist.

8 von 10 Punkten

Werbeanzeigen