The Granstream Saga

  • Plattform: PlayStation
  • Release: 06.11.97 (J), 30.06.98 (US), 26.02.99 (EU)

Der Name Shade wird bestimmt niemandem was sagen, aber wie wäre es denn mit Quintet? Die brachten uns auf dem SNES die beiden ActRaiser und mit Soul Blazer, Illusion of Time und Terranigma die lose Heaven & Earth Trilogie. Nur das es eigentlich gar keine Trilogie ist, denn zu den frühen PSX-Spielen von Quintet-Nachfahre Shade gehörte mit The Granstream Saga ein weiterer Eintrag in die Reihe.

Vor langer Zeit hat ein Krieg die Welt zugrunde gehen lassen. Die Kontinente sind im Ozean versunken und nur vier von der Magie der Weisen erhobene Inseln sind, was von ihr übrig bleibt. Doch die Macht der Weisen nimmt ab, die Inseln beginnen zu sinken, die einzige kurzzeitige Lösung dagegen ist das Abtrennen unbewohnter Teile, um sie leichter zu machen, wofür Eons Ziehvater verantwortlich ist. Bis der plötzlich verschwindet und Eon auf ein Mädchen trifft, das mit den Erhebungsversen die Balance der Inseln wieder herstellen kann.

Wie immer merkt man der Thematik in der Handlung die ähnliche Gesinnung der Heaven & Earth Teile an. Eine eigentlich schon untergegangene Welt muss revitalisiert werden, die Seelen toter sprechen zu Held Eon, diverse Charaktere werden das Ende des Abenteuers nicht mehr miterleben und nicht jeder ist, was er zu sein scheint. Da ist der Stoff für eine sehr packende Story drin, doch leider schafft es Granstream nicht so ganz, einen wirklich mitzureißen. Ein Problem ist die Kürze des Spieles. Denn es gibt eben nur jene 4 Inselchen mit jeweils einer Stadt und zwei Dungeons auf ihnen. Die Spielzeit ist daraus resultierend sehr kurz und muss auch noch das Rampenlicht mit der narrativen Seite des Abenteuers teilen, was dazu führt, dass immer wenn Eon nicht gerade durch ein Dungeon schnetzelt, der Rest randvoll mit Storysequenzen ist. Viele ingame, aber auch überraschend viele kurze Animesquenzen, die sogar vertont sind.

All das führt dazu, das Granstream übervoll wirkt, die Geschehnisse haben keine Zeit einzuwirken, weil direkt weiter gehetzt wird. Ich habe häufiger das Gefühl gehabt, dass mal wieder die böse Deadline zu nahe rückte und deswegen das Spiel ordentlich zusammenkomprimiert und zurechtgestutzt werden musste, irgendwie fühlt es sich an, als fehle da was. Es hilft natürlich nicht, dass die mäßige Lokalisation nicht unbedingt viel Flair in Text und Ton aufkommen lässt. Stellenweise dick aufgetragene Klischees und seltsame Einfälle wie die Insel, die im ständigen Gleichgewicht gehalten wird, in dem alle Besucher auf eine große Waage steigen und dann aufgeteilt werden, sorgen auch nicht unbedingt für viel Seriosität im dunklen Handlungsverlauf.

Doch nicht nur bei der Handlung hat sich jemand ordentlich Gedanken gemacht, sondern auch beim spielerischen Teil des RPGs. Wobei man bei „RPG“ wenn man es drauf anlegt wieder streiten kann, denn wie schon die vorigen Teile ist der Einschlag sehr gen Action gehend und macht häufiger mehr den Eindruck eines Zeldas aus einer Paralleldimension, in der die Serie mit dem Einstieg in 3D andere Wege ging. Die wenigen Dungeons wollen jedenfalls für Abwechslung sorgen und sind nicht nur Gebiete, um sich durch Monster zu schlagen, sondern bieten auch das eine oder andere einfache Puzzel oder anders geratene Design an, wie beispielsweise ein Schloss, dass komplett in Schieflage ist oder auch ein Tempel komplett ohne normale Gegner.

Das besondere an den Stati von Eon ist, dass er nicht stirbt, wenn seine HP zur Neige gehen, denn er hat noch weitere Lebenspunkte, von denen jeder für eine komplette HP-Leiste steht. Zudem levelt er nicht durch das Besiegen von Gegnern und damit einhergehende Sammeln von Erfahrungspunkten auf, sondern ganz festgelegt an vorgegebenen Stellen im Spiel, während neue Magien und Erhöhung von LP in Schatztruhen und Ähnlichem zu finden sind.

Die Kämpfe sind ebenfalls wesentlich tiefgreifender, als dies zunächst erscheinen mag. Sobald einer der sichtbaren Gegner berührt wird, wird ein Kampfareal abgesteckt, in dem sich nun Eon und er Einer-gegen-Einen die Waffen um die Ohren hauen. Dolche sind schnell, Äxte stark, Schwerter der Mittelweg. Geblockt werden kann, sowohl von Eon wie Gegnern, abgesehen von gewissen Spezialschlägen. Ein kurzer Sprint kann hingelegt werden, eher ein Sprung, um aus der Reichweite eines Angriffes zu kommen, und je nachdem, was beim Schlagen für Richtungstasten gedrückt werden, führt Eon unterschiedliche Schläge aus. Das soll eine starke taktische Note verleihen und jeden Kampf wie eine richtige, gewichtige Auseinandersetzung darstellen. Doch leider führt es hauptsächlich nur dazu, dass einem langweilig wird, da es sich so träge spielt. Denn das Kampfgeschehen ist ziemlich langsam und Eon schwingt seine Waffen häufig langsamer als der Gegner, was letztendlich dazu führt, dass sich beide mit Verteidigungsschild oben für eine gewisse Weile nutzlos umkreisen, bis es dem Gegner zu blöd wird, er Eon angreift und man endlich zum Gegenschlag ausholen kann. Wenn jetzt noch dazu gerechnet wird, dass auch die Gegner LP, also mehrere HP-Leisten haben, bevor ihnen der Gar ausgemacht ist, kann man sich ja denken, wie lange so ein Kampf dauern kann, bis Eon endlich siegreich aus der Sache heraus kommt. Der finale Endgegner des Spieles hat übrigens zudem noch die Möglichkeit, sich in die Lüfte zu erheben und weite Strecken der Auseinandersetzung somit gar nicht mal in Reichweite zu sein. Auch nicht spannend.

Optisch macht das Spiel nicht sonderlich viel her, erschien es doch Mitte 1997, als komplette 3D-Welten auf der PlayStation eher noch weniger überzeugend wirkten. Besonders die Entscheidung, den Modellen keine Gesichtstexturen zu geben, ist doch sehr merkwürdig. Viel des Spielgeschehens mag aus der Vogelperspektive sein, doch die reichlich gestreuten ingame Sequenzen zoomen dann doch heran. Die Animesequenzen sind hingegen sehr hübsch, wobei die deutsche Sprachausgabe in ihnen wiederum keine Glanzleistung ist. Zudem kommt es häufiger zu Slowdown, seltsamerweise aber nicht im Spielgeschehen an sich, sondern eben in den ingame Sequenzen. Merkwürdig. Dafür weis die musikalische Unterhaltung der Angelegenheit durch die Bank weg zu gefallen.

Fazit:
Ich werde das Gefühl nicht los, dass in The Granstream Saga ein wirklich gutes Spiel steckt, zumindest hat man sich wirklich einige Gedanken gemacht, statt schnell irgendein Wegwerf-RPG hinzurotzen, auf das es zunächst vielleicht den Anschein macht. Leider hat es sich nicht so ganz ausgezahlt, das Spiel ist zu langsam um launig zu sein und kurz um seiner Handlung den nötigen Raum zu bieten. Ein flotteres 2D-Spielgeschehen und mehr Zeit hätten hier schon viel helfen können.

4 von 10 Punkten

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