Assassin’s Creed

  • Plattform: PC
  • Release: 08.04.08 (US), 11.04.08 (EU), 04.06.10 (J)

Das Konzept von Assassin’s Creed klingt erst mal super spannend: Frei über die Dächer von Städten zu parkouren und den ungesehenen Meuchelmörder zu spielen ist schon ein cooler Einfall. Nur ob die Umsetzung auch wirklich gelungen ist – das Spiel hat nun mal genug Kritik eingefangen – steht dann wieder auf einem anderen Blatt.

Desmond ist von einer komischen Organisation entführt worden, und wird nun in einem Labor festgehalten, in dem ein Wissenschaftler und dessen Assistentin ihn regelmäßig in eine VR-Maschine stecken. Diese lässt ihn die Erinnerungen seines Assassinen-Vorfahrens Altair zur Zeit der Kreuzzüge erleben, da sich die Organisation erhofft so an ein paar sehr wichtige Informationen zu kommen.

Der narrative Rahmen ist definitiv nicht Assassin’s Creeds Stärke. Letztendlich ist es die übliche Tempelritter-Verschwörung, mit vielen mysteriösen Anspielungen, aber eigentlich rechter 0815-Auflösung. Zumal man sich als Spieler mal wieder von der ersten Spielstunde denken kann, wer da am Ende der Verräter sein wird, die diversen Opfer Altairs auch ordentlich Hinweise streuen, dass alles nicht so koscher läuft, Altair aber natürlich trotzdem total von der Wendung überrascht wird. Auch gibt es über die ersten 2/3 des Spieles sowieso so gut wie keinen Handlungsverlauf, der Plot kommt erst aufs Finale wirklich zum Tragen und endet dann auch noch in einem dicken Cliffhanger.

Und so einige dämliche Momente darf man auch noch schlucken. Da lassen die Angestellten der Super Secret Templar Org. einfach mal ihre Zugangssticks fröhlich in der Gegend rumliegen und schicken sich geheime Passwörter per Mail zu. Da beschließt Altair einen Doppelgänger seines Opfers, der ihn angegriffen hat, nicht umzubringen, weil es nicht sein wahres Opfer ist, obwohl er sich vorher durch genug andere „Unschuldige“, die ihm im Weg waren, gemeuchelt hat.

Da lernt man doch die schlichten ersten 2/3 des Spieles direkt zu schätzen, in denen die Haupthandlung kaum vorhanden war und das Gameplay nur davon vorangeschoben wurde, dass Altair sich in der Attentäter-Gilde einen neuen Auftrag abholt, diesen dann ausführt und mit viel Forshadowing zugebrabbelt wird.

Wobei gerade dieser ewig gleiche Ablauf auch wiederum seine Fallstricke hat. Wie gesagt, der Großteil des Spieles ist verdammt identisch: Auftrag abholen, in die richtige Stadt gehen, dort ein paar Infos sammeln, bis das Opfer endlich freigeschaltet wird, umbringen und dann wieder den nächsten Auftrag abholen. Das 9-mal hintereinander ohne große Änderungen. Was die ersten paar Spielstunden noch ziemlich launig ist, wird so beim dritten oder vierten Opfer doch repetitiv.

Ja es macht Spaß über die Dächer von Jerusalem und Co. zu parkouren, mit Leichtigkeit von Dach zu Dach zu springen und die höchsten Festungs- und Kirchtürme zu erklimmen, die ganze Stadt von schwindelerregender Höhe aus unter sich ausgebreitet zu sehen. Ja es ist cool, sich aus der Menschenmenge heraus einem Opfer zu nähern, es mit einem versteckten Messer zu erstechen und schon wieder in der Menge untergetaucht zu sein, bevor der Körper noch den Boden berührt. Das ist launig, aber verliert eben über die heranschreitende Spielzeit doch etwas an Motivation, da es sonst kaum was zu tun gibt. Da helfen auch die paar Nebenmissionen in den Städten nicht, vom Aushorchen von Gesprächen, über Taschendieberei, dem Helfen von Zivilisten gegen Machtmissbrauchende Wachen und das schlichte Erklimmen aller Türme. Denn auch die sind letztendlich in jedem der 9 Stadtviertel sehr ähnlich und beinhalten häufig die gleichen Bewegungsmuster: Über die Dächer laufen, Auftrag ausführen und schnell wieder über die Dächer verschwinden.

Wird man übrigens entdeckt, darf man vorher erst mal die einen angreifenden Wachen besiegen und anschließend irgendwo ein Versteck aufsuchen, bis deren Verfolgung eingestellt wird. Grundsätzlich ist das nicht so schwer, vor allem nachdem die Verteidigungsstellung und den Konterangriff beherrscht werden. Manchmal aber leider etwas langwierig, wenn eine ganze Traube an Wachen da ist, an der außer durch Kampf kein Vorbeikommen herrscht. Denn das resultiert darin, dass man am besten einfach in Defensivstellung rumsteht und auf einen Angriff einer der Wachen wartet, um den Konterangriff zu machen. Und das eben so lange, bis sie alle ausgeschaltet sind. Dem Konzept des geheimen Mörders kommen diese öffentlichen Massaker sowieso nicht zu Gute, sind manchmal aber eben nicht vermeidbar, da vor allem bei den Handlungsbedingten 9 Morden eine geheime Herangehensweise schwer gemacht wird. Und auch sonst muss stark darauf geachtet werden, in der Nähe der omnipräsenten Wachposten nicht auffällig zu handeln – was schon bloßes Rennen, Anrempeln von Passanten oder das Erklimmen einer Häuserfront beinhaltet, da sie sofort zum Angriff übergehen werden. Gerade beim finale des Spieles, wenn Altair plötzlich zwei Festen stürmen und sich durch die ihm entgegen geworfenen Gegnergruppen kämpfen muss, wird doch schnell merklich, dass direkter Kampf gegen großen Gegnerzahlen nicht das ist, wofür Assassin’s Creed gemacht wurde, Veränderung des bisherigen Vorgehensschemas hin oder her.

Zwei Sachen bei der Steuerung Altairs will ich noch Erwähnen. Normalerweise ist es wie gesagt ein tolles Gefühl, ihn über die Häuserdächer rennen, Wände erklimmen und von Absatz zu Absatz springen zu lassen. Doch manchmal kam er mit etwas pappig vor, da klebt er direkt schon an der nächsten Wand, an der ich eigentlich gar nicht hoch wollte oder springt in eine Richtung ab, in die er nicht sollte. Und dann das Wasser. Denn unser Super-Attentäter hat anscheinend bei all seinem akrobatischem und kämpferischen Training nie zu schwimmen gelernt, besonders nervig in der Mission, wo das Opfer am Hafen ist und so von Kai zu Pfahl zu Kai gesprungen werden muss und die Gegner kein Problem damit haben, Altair davon runter zu werfen.

Kleine, unwichtige Sache zudem: Es ist unnötig kompliziert, aus dem Spiel raus zu kommen. Zuerst muss aus Altairs Erinnerung gesprungen werden, dann aus der VR-Maschine dann das eigentliche Spiel beendet, wieder in das Profil gegangen und von dort richtig raus gesprungen werden. Ja, so wichtig ist das nicht, aber ein Symptom ziemlich benutzerunfreundlicher Faulheit.

Optisch ist Assassin’s Creed definitiv die Wucht. Die Umgebung ist detailliert, die Straßen sind voller Menschen, die ihrem Alltag nachgehen, von den höchsten Zinnen aus, kann in alle Richtungen die Umgebung gesehen werden. Altair ist super flüssig durchanimiert, man nimmt ihm die ganze Parkour-Kletterei und -Rennerei echt ab. Der Soundtrack ist passend Filmreif und die Sprachausgabe wirklich gelungen, fast etwas verschwendet an den dämlichen Plot.

Fazit:
Assassin’s Creed ist eines jener Spiele, dessen Konzept besseres verspricht, als die Umsetzung dann leider eingelöst bekommt. Zunächst unglaublich launig, wird der immer gleiche Ablauf doch mit voranschreitender Zeit bestechend repetitiv, verliert das Spiel an Luft.

6 von 10 Punkten

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