Mass Effect 2

  • Plattform: PC
  • Release: 26.01.10 (US), 29.01.10 (EU)

Wie das Trilogien so auf sich haben, folgte auf das erste Mass Effect auch ein zweites. Spoiler Alert: Einen dritten Teil wird es auch noch geben. Wesentlich schockierender war da schon die Tatsache, dass der zweite Teil das Gameplay radikal änderte. Und natürlich, dass er zusätzlich auf Sonys Konkurrenzkonsole erschien.

Shepard und Crew cruisen gerade ganz geschmeidig mit der Normandy durch die Galaxie, als sie angeschossen werden und in die Luft fliegen – mit Shepard noch an Bord. Moderne Spiele werden aber auch immer kürzer. War natürlich nur Spaß, das Spiel ist nicht nach 5 Minuten schon rum, sondern springt zwei Jahre in die Zukunft, wo Shepard von Cerberus, einer der nicht vertrauenswürdigen Organisationen des ersten Spieles, wieder zusammengesetzt wurde. Ganz so vertrauenserweckend ist Cerberus zwar immer noch nicht, aber wenn sie einem das Leben geschenkt, ein neues Schiff und Crew zur Verfügung gestellt haben und sowieso als Gegenleistung erwarten, das zu tun, was man eh vor hatte, ja da wäre Shepard doch dumm, sich drüber zu beschweren.

Beschweren kann er sich allerdings trotzdem, oder auch nicht. Denn wie im Vorgänger darf auch in Mass Effect 2 in den Konversationen alle Nase lang eine Reaktionsvariante nach eigenem Gutdünken gewählt werden. Apropos Entscheidungen treffen: Der Spielstand des Vorgängers kann selbstredend importiert werden und so haben die dortig getroffenen auch weiterhin Auswirkungen. So stark, wie das ein in einer strickten Handlungsstruktur gefesseltes Spiel wie die Mass-Effect-Serie nun mal zulässt (sprich: Nur im kleineren Rahmen). Dennoch ist es schön, zu merken, dass das Universum meinen persönlichen Shepard wiedererkennt.

Was die Handlung angeht, so ist dies hier doch merklich der Mittelteil einer Trilogie. Es passiert einfach nicht so viel, zumindest nicht viel, was die Hauptstory voran bringen würde. Die Normandy fliegt in die Luft, zwei Jahre lang passiert nix und anschließend verbringt Frankenstein-Shepard seine Zeit damit, eine neue Crew zusammen zu trommeln und währenddessen ein paar tiefer gehende Informationen über die Bedrohung herauszufinden. Und dann ist Schluss. Wir treten hier also leider etwas auf der Stelle. Mass Effect 2 kaschiert dies jedoch sehr gut, in dem es das, was wir tun, nämlich möglichst gut in Szene setzt, eben gerade der Beginn mit einem Knall und auch die ebenso spannende und super inszenierte Endmission. Die Mass-Effect-Serie ist eben noch nicht mal ganz so toll, wegen dem, was sie uns präsentiert, sondern wie sie das tut. Sie steht und fällt mit ihrer Inszenierung, den mächtigen Setpieces, der Sci-Fi-Film zum Nachspielen Atmosphäre, den gut geschriebenen und stets interessanten Charakteren. Ich möchte Zeit in diesem Universum verbringen, mehr über seine Bewohner erfahren, wissen wie es weiter geht.

Der Vorgänger hatte zugegebenermaßen so einige kleinere Probleme in den Spielmechaniken. Mass Effect 2 wird jene los, allerdings nicht dadurch, in dem die problematischen Bereiche feingeschliffen werden, sondern in dem sie einfach komplett rausoperiert wurden. Die Buggy-Sektionen waren beispielsweise echt der reinste Horror zu steuern. Mass Effect 2 streicht nicht nur den Buggy an sich, sondern gleich das eigene Erkunden der Planeten mit raus. Ist auf ihnen eine Mission, wird nun direkt im Einsatzgebiet gelandet, ansonsten können sie nur vom Orbit aus nach Materialien gescannt werden. Was die bessere Alternative zum Buggy ist, aber dank dem lahmarschigen und unspannenden Prozess des Scannings auch nicht wirklich gut genannt werden kann. Und Materialien werden benötigt, will man Crew und Schiff aufrüsten.

Das Inventar in Mass Effect war auch so eine Sache: Man wurde mit neuer Ausrüstung tot geworfen, musste ständig zwecks Limit das Inventar Stück für Stück per Hand ausmisten. Logistisch ein Alptraum, hat sich der Nachfolger dazu entschieden, ein Inventar komplett abzuschaffen. Rüstungen und Waffen gibt es nur noch eine Hand voll im ganzen Spiel, die vorm Einsatz ausgerüstet werden und fertig ist. Upgrades werden nun mit Materialien erforscht und sind anschließend sofort passiv aktiv, statt ausgerüstet werden zu müssen.

Zu guter Letzt war die KI im Vorgänger nicht die schlaueste. Die kann natürlich nicht einfach entfernt werden und wurde tatsächlich hier stark verbessert. Die eigenen Teammitglieder verhalten sich in den Einsätzen wesentlich schlauer und durch das Ausrüsten der verschiedenen Waffentypen kann dies leicht beeinflusst werden (jemand mit einer Sniper Rifle hält sich natürlich eher im Hintergrund und schießt aus Deckung heraus). Die Gegner nehmen nun ebenso häufiger von Deckung gebraucht, oder nutzen Kamikaze-Taktiken wenigstens dann, wenn sie Erfolgversprechend erscheinen und haben obendrauf ein wesentlich diverseres Waffenarsenal in die Hände bekommen. Das führt dazu, dass Mass Effect 2 wesentlich intelligenter und taktischer gespielt werden muss, da sonst ein Tod schneller lockt, als noch im Vorgänger.

Das liegt auch daran, weil nicht mehr so sehr mit RPG-Elementen geschummelt werden kann, um am guten Schießen vorbei zu kommen, da jene stark degradiert wurden. Zum Fehlen des Inventars und stärkeren Waffenarsenal der Gegner, begrenztem des eigenen, kommt nämlich beispielsweise noch, das es wesentlich weniger Skills zu erlernen gibt. Level ups gibt es zwar noch, Erfahrung aber meist nur noch beim Beenden einer Mission und größere Brocken eh nur nach den Hauptmissionen. Das eigene Level ist also immer im Bereich, in dem Bioware es für den Moment im Spiel haben wollte. Waffen können nicht mehr überhitzen, benötigen aber nun die universelle Heat Sink Munition. Ist eine Waffe leer geschossen, ist sie für den Rest des Einsatzes unbrauchbar, beziehungsweise zumindest so lange, bis neue Heat Sinks gefunden werden. Das führt dazu, dass sich Mass Effect 2 eben wie ein 3rd Person Shooter mit leichten RPG-Elementen spielt, nicht so wie der Vorgänger als RPG mit Shooter-Kampfsystem.

Von der Präsentation des ganzen her gibt es erneut nichts zu meckern, oder zumindest kaum etwas. Mass Effect 2 fühlt sich an, wie das Nachspielen eines großen SciFi-Filmes und sieht auch danach aus, hört sich danach an. Toll in Szene gesetzt, guter Score und professionelle Sprachausgabe. Lediglich die Animationen während der Gespräche fallen manchmal etwas abgehackt ineinander, oder Charaktermodelle haben leichte Clipping Probleme bzw. die Kamera steckt kurz in ihnen. Die Einsatzgebiete sind nun übrigens nicht mehr so repetitiv und besser designt, als im Vorgänger.

Fazit:
Mass Effect 2 ändert die Spielmechaniken des Vorgängers um, um mehr Shooter denn RPG zu sein. Aber ist es dadurch das bessere Spiel? Jein. Die Handlung, toll präsentiert wie sie erneut ist, tritt etwas auf der Stelle und das Gameplay mag mehr Action bieten, mehr Feinschliff haben und entschlackt sein, aber so ein wenig die Gewichtung der RPG-Mechaniken vermisse ich doch.

8 von 10 Punkten

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