Sailor Moon: Another Story

  • Plattform: Super Nintendo
  • Release: 22.09.1995 (J)

Ah, Sailor Moon – eine DER Anime-Serien der 90er, die fast jeder geschaut hat, auch wenn das nicht unbedingt alle heutzutage gern noch zugeben. Das Ding war ein weltweites Phänomen und da ist es natürlich nicht überraschend, dass dazu zumindest in Japan dutzendweise Spiele erschienen sind. Wesentlich überraschender ist da schon, dass jene hauptsächlich Fighting Games zu sein scheinen. Trifft jedoch nicht auf alle zu, Sailor Moon: Another Story ist beispielsweise ein SNES-RPG.

Wie der Name schon andeutet, wird hier keine der Staffeln nacherzählt, stattdessen gibt es einen parallelen Handlungsverlauf. Angesiedelt zwischen Staffel Drei und Vier tauchen die Oppositio Senshi auf, die – wie sollte es auch anders sein – den Silberkristall an sich reißen wollen und dies tun, in dem sie die Zeit beeinflussen, was dazu führt, dass alle bereits besiegten Gegner der Sailorkriegerinnen einen neuen Versuch bekommen. Also rein in die Röckchen, Tiara aufgesetzt und denen erneut die Herzen an die Birne geknallt.

Dass die Handlung wenn es um Sailor Moon geht keine Blumentöpfe gewinnen wird, ist wohl klar. Die Serie hat das immer ganz nett mit sympathischen Charakterklischees und interessanten mythologischen Versatzstücken kaschiert. Das Spiel nimmt all dies und steckt das in eine solch kurze Spielzeit, behandelt alles so knapp und holprig, dass ihr zusätzlich noch die Luft zum Atmen genommen wird. Es hilft dabei nicht, dass die englische Fantranslation des Spieles stellenweise an mäßige Anime-Fansubs, die einen Tag nach japanischer Erstausstrahlung bereits im Internet sein müssen, erinnert, mit lauter in Japanisch gelassener Spezialbegriffen und holprigen Dialogen, die manchmal kaum Zusammenhang vermitteln.

Diese Hetze spiegelt sich auch im Gameplay wieder. Die meisten Gebiete sind nur wenige Bildschirme lang, mit 2 oder 3 verschiedenen Gegnern, dafür aber mit vielen Bossen, gern auch mal fünf am Stück. Manchmal stellt sich dadurch das Gefühl ein, hier die Boss Rush Version eines Spieles zu haben, nicht die Vollversion. Ansonsten spielt es sich ziemlich gewöhnlich, zufallsgenerierte und rundenbasierte Kämpfe mit den üblichen Einsatzmöglichkeiten. Ein paar kleine Kniffe gibt es dann allerdings schon. So beherrschen die Kriegerinnen alle ihre Fähigkeiten von Anfang an, Level ups erhöhen nur ihre Statuswerte, was Neues gelernt wird nicht. Resultiert darin, dass sowieso jeden Kampf nur die gleichen stärksten Attacken geworfen werden. Denn die dafür nötigen Magiepunkte (hier als 12 Kristalle dargestellt) regenerieren sich nach jeder Auseinandersetzung sowieso wieder. Die Formationen sind ebenfalls zu beachten, denn Kriegerinnen in der vorderen Reihe teilen zwar ordentlich Schaden aus, sind allerdings auch selbst schnell am Boden, während die in der hinteren Reihe zwar eine hohe Defensive aufweisen (wesentlich höher als normalerweise bei Spielen mit Front/Back-Row), dafür aber den Gegnern mit ihren Attacken plötzlich kein Härchen krümmen können.

Das ist soweit zwar uninspiriert und hinterlässt ein leicht langweiliges jedoch flottes Spielgeschehen, gäbe es da nicht ein großes Problem: Another Story ist so ziemlich das Spiel mit der schlechtesten Balance, das ich je zu spielen bekommen habe. Nein wirklich. Man sollte meinen, ein Spiel zu einer Franchise, die sich vorrangig erst mal an junge Mädels richtet, sei ziemlich einfach. Nun gut, wenn man Pluto ständig Time Stop werfen und die MP in Bosskämpfen wieder heilen lässt, mag das sogar zutreffen, auch wenn es bestechend nach cheating riecht. Doch grundsätzlich gesehen können Gegner in einem neuen Gebiet die Kriegerinnen zunächst mit nur wenigen Attacken in Grund und Boden stampfen, was besonders im Einstiegskapitel nervt, in dem diverse Charaktere einen Singelprolog haben und sich auf sich allein gestellt durch die Gegend schlagen müssen. Also muss gegrindet werden. Immerhin sind Kämpfe schnell rum und Level ups schnell erreicht, doch dies ist symptomatisch, im ganzen Spiel wird in jedem neuen Gebiet und vor jedem Boss erst mal einige Level geknüppelt werden müssen. Und dann wird es plötzlich zu einfach. Vor zwei Leveln hat der Gegner noch leichtes Spiel gehabt, plötzlich besiegt die eigene Gruppe ihn mit einer Attacke. Ein Mittelding gibt es nicht.

Optisch ist das Spiel gutes Mittelfeld für SNES-Verhältnisse, weder besonders schlecht noch besonders gut. Wobei in die Sailorkriegerinnen natürlich mehr Arbeit gesteckt wurde, alle machen die richtige kleine Animation, je nachdem welche Attacke geschmissen wird und es gibt sogar den Ausruf der Attacke in schlechter SNES-Qualität dazu. Die Musik ist weitestgehend unspektakulär, abgesehen vom immer tollen Moonlight Densetsu.

Fazit:
Großes habe ich von Sailor Moon: Another Story gar nicht erwartet, sondern ein nettes kleines Spielchen zu einem meiner damaligen Lieblingsanime. Bekommen habe ich das nicht, sondern ein Spiel, das sowieso schon etwas langweilig wäre, obendrauf aber durch die super nervigen Balance-Probleme komplett aus der Bahn geworfen wird.

3 von 10 Punkten

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