Dragon Quest I&II

  • Plattform: GameBoy Color
  • Release: 23.09.99 (J), 27.09.2000 (US)

1986 war es so weit, von westlichen Computerrollenspielen inspiriert brachte Yuji Horii das Konzept stark vereinfacht auf Nintendos erste Konsole. Das JRPG war geboren, auch wenn es durchaus vorher schon japanische RPGs auf dem PC gab wie Hydlide oder Dragon Slayer, Dragon Quest brachte dem Genre bis heute ungebrochene Beliebtheit ein, eben weil es das erste auf einer Konsole war. Bereits das Jahr darauf folgte natürlich ein Sequel und da beide mittlerweile etwas kurz und simpel sind, wurden sie für Remakes auf SNES und GBC zusammen gesteckt. Das aktuelle Wii-Release zum Jubiläum packt sogar noch den dritten Teil dazu.

Dragon Quest ist natürlich bestechend minimalistisch. Die Prinzessin ist von einem Drachen entführt worden und der böse DracoLord versucht die Welt zu übernehmen. Also zieht der Nachfahre des legendären Heldens Loto aus, um dies zu verhindern, wird Heldentum doch bekanntlich genetisch vererbt. Der zweite Teil verliert etwas mehr Text ob seiner Handlung, diesmal müssen gleich drei Nachfahren des Loto-Nachfahrens aus dem Erstling ausziehen, um den fiesen Hargon zu bekämpfen, doch mehr als „Das ist der Bösewicht, ihr seid die Guten, also erledigt ihn mal“ kommt da auch nicht bei rum.

Die Welt von Dragon Quest ist geradezu winzig. In der Mitte ist das Schloss Tantegel, der einzige Ort, an dem fest gespeichert und die nötigen Erfahrungspunkte zum nächsten Level up in Erfahrung gebracht werden können. Auch der Teleport-Spruch, der hier noch Return heißt, bringt einen nur dorthin zurück, um irgendwo sonst auf der Welt zu kommen, inklusive bereits besuchter Städte, muss von dort aus Fersengeld gegeben werden. Witzigerweise sieht man das finale Dungeon, DracoLords Schloss, direkt gegenüber der Starterstadt. Da Helden allerdings grundsätzlich keinen Pixel Wasser überqueren können, ohne eine Mach-mir-ne-Brücke oder Gib-mir-dein-Schiff Quest zu erledigen, welche es beide hier nicht gibt, gehört letztendlich dennoch der ganze Alefgard-Kontinent bereist, bis der Held endlich vor dessen Toren stehen kann.

Das Kampfsystem ist so simpel, wie es nur geht. Der Held ist allein und auch die Gegner spielen fair und stellen sich nur Einzeln in den Weg. Das macht die Kämpfe überraschend untaktisch, da es trotz Magien wenig Spielraum gibt, wenn es 1-on-1 zur Sache geht: Entweder der Held ist stark genug für das aktuelle Gebiet oder halt nicht. Dann muss gelevelt werden, auch im GBC-Remake noch des Öfteren, da 80% des Spielinhalts daraus besteht und ohne jenes Dragon Quest plötzlich wahrscheinlich nur eine Stunde lang wäre. Etwas nervig ist auch, dass die Dungeons stockdunkel sind und man entweder Fackeln dabei haben oder den Radiant-Zauber sprechen muss, um was zu sehen. Glücklicherweise wurde das für die Nachfolger abgeschafft.

Was ich definitiv gut fand ist, dass trotz des hohen Alters doch bereits schon hier viele NPC, sofern man sie denn findet, Hinweise fallen lassen, wo denn was zu holen ist. Ein wenig obskur sind manche Dinge immer noch, wie die Angewohnheit Gegenstände unsichtbar auf ganz normalen Bodenfliesen rumliegen zu haben, die untersucht werden müssen, aber eben kein Indiz geben, dass mit ihnen was anders ist, aber wie gesagt, häufig gibt es schon Tipps. Es ist halt nur so, dass in Dragon Quest jederzeit in viele Richtungen gegangen werden kann, man also raus sortieren muss, was zuerst getan wird. Besonders detektivische Naturen konkludieren dies allerdings daraus, in welche Richtung die Gegner machbar sind und ich welcher sie mit einem den Boden wischen.

Mittlerweile ist es natürlich so, dass Dragon Quest wie so viele sehr alte rundenbasierte RPGs hauptsächlich nur noch interessant ist, um zu sehen, wie die Serie mal begonnen hat. Allerdings muss ich sagen, dass gerade weil es so kurz, simpel und minimalistisch ist, die Sache für mich immer noch einen gewissen kurzweiligen Charme ausstrahlt.

Die Reihe ist nicht gerade für große Innovationssprünge bekannt und so ist Dragon Quest II oberflächlich erst mal mehr vom Gleichen. Nur eben definitiv auch mehr von allem. Es gibt deutlich über das Dutzend Gegner, die im ersten Teil nur anzutreffen waren. Die Welt ist viel größer (und beinhaltet eine Miniversion von Alefgard), es gibt mehr Zauber und Gegenstände. Mehr Städte, mehr Quests. Alles im Nachfolger ist größer und ausgearbeiteter, wie sich das eigentlich gehört.

Wirklich neu im Gameplay ist allerdings nur die Grüppchenbildung. Nicht nur kommen nun die Gegner auch in Gruppen, sondern der Held ist nicht mehr alleine, sondern hat seine zwei Vettern dabei. Dazu kommt, dass er dadurch nun kein Alleskönner mehr ist, sondern sich die Stärken auf einen Kämpfer ohne Magie, einen Magier ohne Angriffskraft und einem Mittelding verteilen. So kommt auch in den Auseinandersetzungen mit den Monstergruppen mehr Strategie auf.

Leider macht es das auch, wie häufig bei so alten Spielen, wesentlich unausbalancierter, als den Erstling. Die beiden Magier fallen einfach viel zu schnell tot um, die Gegnergruppen können Glücksbedingt mal total einfach und dann wieder super fies sein. Oben drauf kommt noch, dass Dragon Quest II gegen Ende hin wirklich übersteckt wirkt und sich viel unnötig in die Länge zieht, nur um noch ein paar Spielstunden mehr raus zu quetschen und das finale Gebiet sowieso die Geduldsprobe schlechthin ist.

Dragon Quest II mag ich ehrlich gesagt nicht besonders. Es hat nicht den simplen Charme seines Vorgängers, ist aber auch noch nicht so gut wie sein Nachfolger. 1987 war es sicher schon toll, dass hier von allem mehr geboten wird, aber genau das steht ihm für mich mittlerweile im Weg, weil mehr nicht gleich besser ist und das mehr in Dragon Quest II ist genau dies nicht. Während ich DQI gegen Ende hin schon etwas sympathisch fand, ging mir DQII gegen Ende nur gewaltig auf den Keks und ich wollte, dass es bald mal rum ist.

Das GBC-Remake vereinfacht die Spiele natürlich. Das Grinding ist nicht mehr so exzessiv und die Menüs sind wesentlich benutzerfreundlicher. So muss vor NPCs nicht mehr „Talk“, vor Truhen „Search“ und vor Treppen „Stairs“ ausgewählt werden, das schaffen die Helden nun schon von alleine. Ein paar oldschoolige Sachen sind natürlich noch drin. Das Inventar ist auf circa 10 Gegenstände pro Person begrenzt (und das inkludiert Ausrüstung und Questitems), es gibt allerdings schon Lager. Und Teleport bringt leider noch keine Liste an bereits entdeckten Städten auf den Plan, sondern führt nur nach Tantegel (DQI) bzw. zum letzten Speicherort (DQII) zurück. Die Fortbewegungsgeschwindigkeit in beiden Spielen ist zudem etwas arg langsam dafür, dass es keinen Dash-Button gibt.

Optisch sieht das Remake selbstredend ebenfalls besser aus, weit entfernt vom Maximum, das der Handheld leisten kann, wie man an Dragon Quest III sehen können wird, aber man bekommt auf Dauer kein Augenbluten wie von den NES-Originalen. Zudem bietet der erste Teil nette Kampfhintergründe, die leider für den Nachfolger weg rationalisiert wurden, was das Kampfgeschehen doch etwas arg karg macht. Etwas schade ist, dass viele Bosse in den Spielen nicht sonderlich wie solche wirken, da sie direkt darauf als normale Monster angetroffen werden. Die Musik ist Sugiyama, klassisch, passend, nicht lange im Gedächtnis (und hier und da ist ein nerviges Stück dabei wie beim Segeln in Dragon Quest II).

Fazit:
Wer gern wissen will, wie das ersten Konsolen-JRPG aussieht, der kann gern zugreifen, Dragon Quest hat sich gerade weil es so kurz und simpel gestrickt ist einen gewissen Charme bewahrt. Dem Nachfolger geht jener allerdings leider ab.

Dragon Quest: 6 von 10 Punkten

Dragon Quest II: 3 von 10 Punkten

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