Saints Row: The Third

  • Plattform: PC
  • Release: 16.12.11 (J), 15.11.2011 (US), 18.11.2011 (EU)

Bei dem Erfolg, den die Grand Theft Autos haben, ist es ja klar, dass andere auch ein Stück vom Kuchen der Gangkriminalität und Sandbox-Schießerei abhaben wollen. Eine Serie, die sich festsetzen konnte, ist Saints Row, ging es 2011 doch in die bereits dritte Runde dieser Konsolengeneration.

Die 3rd Street Saints haben sich einen ordentlichen Namen gemacht, so sind sie in der Öffentlichkeit sehr beliebt, gibt es einen Haufen Merchandise zu ihnen und ein Film ist auch in Planung. Da mögen ihnen noch so viele vorwerfen, von der Street Gang zur Corporate Whore gewechselt zu sein, der Erfolg gibt ihnen Recht. Wer hoch fliegt, der kann bekanntlich auch tief fallen und wer Erfolg hat, der hat Neider. Und so stehen Boss, Shaundi und Pierce nach einer Intervention des Syndikats plötzlich ohne Ansehen, Finanzen oder Homies und nur mit einem runtergekommenen Apartment für die Drei-Mann-Gang in Steelport da. So einfach lässt man sich das natürlich nicht gefallen und damit beginnt der Kampf gegen die Gangs des Syndikats.

Was im Storyabriss nun total ernst klingt ist allerdings alles andere als dies. Wo sich ähnlich Genre-Vertreter wie GTA4, L.A. Noire und Mafia II seriös und super ernst geben, ist sich Saints Row: The Third nicht zu schade, einfach nur schieren Blödsinn zu produzieren, in der Hoffnung, dass Unterhaltungswert bei rum kommt. Scheinbar jede Idee, die dem Team einfiel und die für witzig und cool befunden wurde, ist ins Spiel verbaut worden. Damit ist die Handlung von The Third wenig Ernstzunehmend und bildet fast kein kohärentes Ganzes, sondern ist eher ein episodisches Feuerwerk an Wahnsinn. Und wenn das so viel Laune bereitet wie hier und es wieder und wieder schafft, den Spieler zu überraschen und ein Lächeln oder sogar ein herzhaftes Lachen zu entlocken, ja dann muss da doch was bei richtig laufen.

Sicher, so mögen wir zunächst Morning Star, die durchgestylte Abteilung des Syndikats, den Prostitutionshandel aus den Händen nehmen. Aber wer würde schon erwarten, dass dies mit der Flucht aus einem BDSM-Club auf menschlichen Pferdekutschen in einer rasanten Verfolgungsjagd inklusive Schießerei endet? Wir bekämpfen die Deckers, Techno-Teens die fürs Hacking verantwortlich sind, in dem wir als Toiletten-Avatar durch eine Tron-Welt hüpfen und Firewalls in Form von Textadventures knacken. Und die mexikanischen Westler, die Luchadores? Klar, haben wir ein ordentliches Match gegen jene im engen Spandex und mit zweckentfremdeten Waffen wie Gummipuppen oder Kettensägen, die eigentlich nichts in Wrestling-Matches zu suchen haben.

Wir fahren im gepimpten Ride als Kerl mit Russel-Crow-Stimme und im Cowboy-Stripper-Outift mit Höchstgeschwindigkeit durch die Straßen, dass die Passanten und Rollerfahrer nur so fliegen, dazu „Ritt der Walküren“ im Radio. Oder sind per Panzer, Helikopter oder Jetbike als Russin im Hasenkostüm unterwegs, bewerfen Zivilisten mit Fürzen-in-Gläsern, beschießen die Polizei mit Landhaien, verprügeln das Militär mit Riesendildos. Und nachdem wir uns als menschliche Kanonenkugel in einen Frachtflieger propellert haben, ihn zur Explosion brachten und in einem Panzer abgesprungen sind, auf dem Weg gen Boden Kampfjetzt beschießend und in einem Hagel aus Leichen gelandet sind, da tauchen plötzlich Zombies auf, weil die ja eh in jedes moderne Spiel gehören.

Ja, Saints Row: The Third ist so richtig schön blöd, ein gewaltiger Unsinn. Und sich dessen voll bewusst. Mit einer coolen Mucke unterlegt, wirklich super witzigen und gut geschriebenen Kommentaren der darin partizipierenden Charakteren und einer bunten Optik inklusive Color-Coding für die Gangs kann man diese demente Sandkiste an Diversität kaum überbieten.

Spielerisch ist’s natürlich das Übliche, von Mission zu Mission fahren, jene mit Waffengewalt hauptsächlich in Third-Person-Shooter-Manier zu erledigen. Gebäude sprengen, Leute erschießen, Homies eskortieren. Dazwischen immer die Möglichkeit aus Jux und Tollerei Chaos in der Stadt zu verursachen, schräge Outfits anzuprobieren oder sich in Nebenmissionen zu betätigen wie sich vorsätzlich wegen der Versicherungssumme vor Autos zu werfen, angreifende Gangtrupps zu überstehen, an Professor Genkis verrückt-brutaler japansicher Spielshow teilzunehmen und solche Dinge eben. Mit der Zeit sammeln sich Geld und Respekt an, die in neue Upgrades investiert werden können. Man weiß, wo der Hase läuft und Saints Row: The Third macht hier keine großen Mätzchen. Es geht sowieso mehr um das Spektakel, denn das Core-Gameplay.

Letztendlich mochte ich nur zwei Dinge am Spiel nicht, beide haben mit den Homies zu tun. Gehasst habe ich die Escort-Missionen, aber dann wiederum, in welchem Spiel nerven solche nicht? Das größte Problem ist dabei, dass die zu beschützenden Gangmitglieder meist im Auto zu ihrem Ziel fahren, die gegnerischen Gangs ebenfalls im Auto entgegen kommen, man selbst darüber im Flugzeug mit einem Raketenwerfer schwebt. Leider ist es ein wenig zu einfach beim Beschießen der ankommenden Gegner auch Kollateralschaden am Auto zu verursachen, welches eigentlich beschützt werden muss. Vielleicht bin ich auch einfach nur zu doof dafür, aber es ist echt anstrengend, nicht letztendlich mehr Schaden zu verursachen, als die eigentlichen Gegner. Und wenn man dann Follower in den „normalen“ Missionen hat, ist deren Pathfinding auch nicht immer das Beste und sie liegen gern mal plötzlich tot irgendwo rum und man ist im Stress trotz Markierung zu finden, wo sie nun sind, um sie innerhalb des Zeitlimits wiederzubeleben, wenn man nicht sowieso schon eine Nachricht bekommt, dass man sie aus Versehen zurück gelassen hat, weil sie nicht schnell genug hinterher getrottet kommen.

Fazit:
Saints Row: The Third war die Überraschung 2011 für mich. GTA4 konnte mich nie lange bei der Stange halten und auch Mafia II nicht sonderlich überzeugen. Sandbox motiviert mich normalerweise nicht und Shooter-Gameplay ist auch nicht unbedingt meins. Aber dieses Spiel hier habe ich geliebt. Hauptsächlich wegen dem ganzen Drumherum. Ein sinnfreies, super spaßiges und sich jederzeit seines Wahnsinn voll bewusstes und einfach noch eins drauf setzendes Feuerwerk an Kreativität und Unterhaltungswert.

9 von 10 Punkten

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