Dragon Age: Origins

  • Plattform: PC
  • Release: 03.11.09 (US), 06.11.2009 (EU)

Bioware haben lange Jahre (mit Bethesda) die Flagge der West-RPGs oben gehalten, als deren Dasein etwas mehr in den Schatten geriet. Mittlerweile sind die wieder ziemlich beliebt und Bioware in vollem Safte. Nur dürfen sie sich jetzt häufiger mal anhören, dass ihre Spiele zu simpel und einfach sind, zu „verkonsolisiert“ wie es so schön heißt, einfach nicht die Tiefe und Komplexität der 90er Computer-Rollenspiele aufweisen. Um zu zeigen, dass sie jene aber auch noch können, kam dann letztendlich Dragon Age: Origins raus, angeblich der spirituelle Nachfolger zu Baldur’s Gate.

Es ist mal wieder so weit, eine Blight legt sich übers Land. Das passiert immer mal wieder, ist aber dennoch nicht ungefährlich, bedeutet es doch, dass von einem Archdemon angeführt die Darkspawn das Land überrennen und unter sich begraben wollen. Also müssen die für deren Beseitigung ausgebildete Grey Warden die verschiedenen Rassen zu den Waffen rufen, auf das den Darkspawn eine Armee entgegen gesetzt werden kann.

Oder auch nicht, denn ausgerechnet jetzt ist das Land gespalten, die Opposition geschwächt. Loghain hat die Grey Warden in der Schlacht verraten und fast ausgelöscht. Die Elfen sind lange von den Menschen als Sklavenrasse gehalten worden und so gar nicht mehr zur Zusammenarbeit bereit, ihre noch im Wald in Freiheit lebenden Vettern haben ein Problem mit Werwölfen. Die Magier haben ihren Turm wegen inneren Problemen der Außenwelt über verschlossen und die Zwerge sind in einem Erbfolgestreit.

Somit ist das Setup von Origins gesetzt. Die Monster greifen an und wir müssen sie bekämpfen, bis wir ihren Archdemon-Anführer zur Strecke gebracht haben. Simpler Grundsatz. Die 90% der Spielzeit zwischen den Ereignissen, dass wir ein neuer Grey Warden werden und plötzlich einer der wenigen jener sind und die finale Schlacht gegen die Darkspawn wird damit eingenommen, sich die Unterstützung der einzelnen Völker zu garantieren, in dem wir ihnen mit ihren Problemen aushelfen. Wie immer bei Bioware gibt es dort eine rege Anzahl an verschiedenen Eingreifmöglichkeiten und Konversationsverläufen, um an verschiedene Ziele zu kommen, doch wie ebenfalls bei Bioware üblich verändert das nicht viel in der Haupthandlung, gibt nur Nuancen in den abgeschotteten Substories und wechselt hier und da mal im Finale einen der unterstützenden Trupps aus, je nachdem welche Seite gewählt wurde.

Das Kampfsystem erinnerte mich etwas an Final Fantasy XII, alle West-RPGler werden mich dafür allerdings lynchen wollen, ist das Prinzip doch aus dem älteren Baldur’s Gate geklaut. Einen Charakter dürfen wir selbst steuern, der Rest agiert per in den Taktiken festgelegten Verhaltensmustern a la „Wenn HP niedrig, dann heile“ etc. Wer selbst gesteuert wird kann jederzeit gewechselt und das Geschehen auch jederzeit für eine Notfall-Verteilung an Aktionen in der ganzen Gruppe pausiert werden. Wenn die Heilung halt mal doch ganz dringend nötig ist, schnell pausiert und die manuell befohlen – und dann gehofft, dass die Aktivierung sofort geschieht, statt mit einigen Sekunden Verzögerung, in denen es schon zu spät sein kann. In welche Richtung die Charaktere sich entwickeln darf natürlich selbst per Distribution von Statuspunkten und Fähigkeitsbäumen festgelegt werden.

So weit die Grundlagen. Ich muss gestehen, dass ich Dragon Age: Origins überhaupt nicht leiden konnte. Zunächst fand ich es einfach nur etwas langweilig. Sowohl Handlung wie die in ihr agierenden Charaktere und die als Schauplatz dienende Welt fand ich bestechend langweilig geschrieben. Typisches Tolkiensches High Fantasy ohne den geringsten Funken an eigener Identität. Lediglich ein paar der Gruppenmitglieder waren unterhaltsam. Dog hat tolle Szenen mit anderen Charakteren, Zevran ist ein super witziger Charakter, der nie um eine Retour verlegen ist und bei allem mit spielt, Alistair hat einen charmanten Selbsthumor und Morrigan mag nicht einstecken können, dafür aber herrlich zynisch austeilen. Besonders jene in einer Gruppe mitlaufen zu lassen, führt zu so einigen interessanten Interaktionen. Zu schade, dass der Rest des Spieles einfach nicht viel Interesse wecken kann. Besonders wo ich beispielsweise bei Mass Effect immer voll investiert war, obwohl jenes auch aus vielen SciFi-Klischees zusammengesetzt ist.

Es hilft nicht, dass wir es hier zudem mit Dark Fantasy zu tun haben. Der Unterschied zum „normalen“ Fantasy ist gering, es gibt eben viel Blut und hin und wieder mal eine halbe Titte zu sehen, weil das ist ja so erwachsen und düster (und unglaublich unfreiwillig komischer Sex mit anderen Gruppenmitgliedern ist natürlich möglich). Auch schlägt sich das in der Farbgebung nieder, denn Braun ist düster und erwachsen. Ernsthaft, manchmal kommt’s einem vor, als wäre Dragon Age: Origins komplett mit einem Sepia-Filter bestückt, alles ist Braun und ausgewaschen und langweilig anzusehen. Urgh.

Zunächst fand ich es also etwas langweilig, mir selbst nicht erklären könnend, warum ich dennoch beständig weiter spielte und auch einige Sidequests erledigte. Irgendwas muss also ganz ok gelaufen sein, irgendwie. Ich hatte sogar mehrere Stellen, an denen ich dachte, endlich mit dem Spiel warm zu werden. Und dann wurde mir das Spiel häufig zu unmotivierend schwer. Eine Balance gibt es hier schon mal im Schwierigkeitsgrad nicht. Einige Stellen sind super einfach, andere richtig schwer, egal ob die Schwierigkeitseinstellung runter oder hoch geschraubt wird. Bei einem gut gemachten Spiel sollte es mir sowieso möglich sein, auf einem Grad zu bleiben und alles ungefähr gleich gut bewältigen zu können, ich sollte nicht gezwungen sein, ständig nachjustieren zu müssen. Und wenn ich selbst auf Easy noch in frustige Stellen laufe… dann weiß ich echt nicht mehr. Dazu kommt noch, dass viele von den Missionen zu lang sind, wie beispielsweise der Weg durch die Zwergenminen oder der ewig lange Mage Tower und mir geht der Spielspaß komplett flöten.

Optisch kann ich das Spiel echt nicht loben, einfach nur weil alles hier so unglaublich langweilig und „braun“ anzusehen ist, wie bereits erwähnt. Eine schöne Welt ist das nicht, eine interessante auch nicht. Dafür ist die Musik immer passend und natürlich die Sprachausgabe echt super, kann die langweilig geschriebenen Charaktere aber auch nicht retten.

Fazit:
Vielleicht ist mein Gehirn einfach nicht groß genug, um super komplexe und ernste West-Computerrollenspiele würdigen zu können. Ich mochte nämlich Mass Effect und Fable, die simplen und verbrecherisch verkonsolisierten Spiele. Dragon Age: Origins hingegen war zu Beginn langweilig und ab der Hälfte super nervig und wenig mehr.

3 von 10 Punkten

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