The Elder Scrolls V: Skyrim

  • Plattform: PC
  • Release: 26.01.12 (J), 11.11.2011 (US), 11.11.2011 (EU)

Ah, die Elder-Scrolls-Reihe, Bethesdas Aushängeschild, bekannt für ihre große Open World Sandbox, die den Spieler nie zwingt, wirklich auch was zu tun, sondern sich seinen Spaß selbst suchen lässt. Und deswegen bekannt verbuggt sind und lange in der Entwicklung stecken. 11-11-11 war es dann endlich so weit, der fünfte Teil, Skyrim kam.

Vorhin noch unschuldig am Richtblock gestanden – aber so einen Fauxpas können die Oberen von Skyrim natürlich nicht zugeben und hätten uns dennoch den Kopf vom Körper weg rationalisiert – und plötzlich, einen Drachenangriff auf die versammelte Mannschaft später, finden wir uns doch in der Freiheit wieder. Noch mal Glück gehabt, aber ganz gewaltig. Den Drachen danken wir unsere Befreiung dann auch direkt damit, dass wir sie zu meucheln anfangen, bis keiner mehr übrig ist. Immerhin sind wir Dragonborn und das steckt damit in unsrem Blut, und im Geschrei auch. No hard feelings.

Die Elder Scrolls sind nicht dafür bekannt, sich über eine sonderlich ausgearbeitete narrative Haupthandlung zu definieren, sondern das Erkunden der Welt drum herum, sich selbst die Aktivitäten zu suchen, die einem Laune machen, dabei nicht sonderlich darauf drängend, vielleicht doch mal wieder der Main Storyline folgen zu sollen. Sandbox-Gaming halt, eine Sache, die mich eigentlich nie sonderlich motivieren konnte. Setzt mich mitten in eine Welt und sagt ich kann tun was ich will, einfach aus dem Jux weil ich es kann, und mir wird das ziemlich schnell langweilig, ich brauch da irgendwie ein vorgegebenes Ziel bei.

Umso überraschter war ich, wie sehr mich Skyrim dann doch packen konnte. Kaum aus dem Tutorial raus und in die weite Welt gepflanzt und ich tat tatsächlich für die nächsten 30 Stunden nichts mehr in Richtung Haupthandlung. Stattdessen suchte ich mir erst mal ein nettes Häuschen, um mich dort mit meinem frisch angetrauten Ehemann nieder zu lassen. Dann wurde die Diebesgilde aufgesucht, da ich sowieso auf leichte Rüstung und viel Schleichen, Stehlen und Schlösserknacken setzte und dies nach Gleichgesinnten aussah. Zudem sind es natürlich gute Voraussetzungen um meinem Lebenslauf den Meuchelmord hinzuzufügen und auch hier gibt es mit der Dark Brotherhood eine Organisation, die mir genau dies schmackhafter macht, als unfreundliche Passanten umzubringen sowieso schon ist. Nur die super nervigen Gören abzuschlachten scheint in Skyrim ein No-Go zu sein, wie schade. Und um mir einen Werhundi als Gefolgsmann in den Kämpfen anzulachen trat ich dann den Companions eben auch noch bei, wo wir schon mal dabei sind, die was Handlung angeht längsten und ausgearbeitesten Quest Lines von Skyrim zu absolvieren.

Ja, das ich doch mehrere dutzend Stunden nur am Sidequesten war, eine Sache die ich in Spielen häufig sehr vernachlässige, das zeigt schon gut, wie sehr Skyrim es schafft einen zu packen. Etwas auf die MMORPG Art und Weise, hier noch was Erkunden, in dem Dungeon noch nach tollem Loot suchen, jenem Charakter noch bei seinem Quest aushelfen. Nur das es hier eben keine Ewigkeiten des Grinden dazwischen bedarf und keine nervigen Mitspieler unter Kontrolle gebracht werden müssen.

Am Gameplay lag die Begeisterung definitiv nicht, jenes ist solide aber nicht herausragend. Erfahrungspunkte gibt es nicht, stattdessen fällt so ziemlich alles, was gemacht werden kann, in die eine oder andere Kategorie, die aufgestuft wird, in dem jene Fähigkeiten genutzt werden. Das ganze kulminiert dann wieder in einem Hauptlevel. Und das levelt eigentlich alles wirklich schnell auf, nur durchs normale Nutzen, wodurch das Spiel zusehends einfach wird. Da die Kämpfe meistens sowieso nur ein Klickfest sind, ist das durchaus begrüßenswert, so sind sie wenigstens schnell rum. Zumindest waren sie das als Melee Kämpfer, den ich spielte. Als Distanzangreifer ob nun mit Magie oder Bogen stelle ich mir dies allerdings auch nicht so viel fordernder vor, statt wie wild die linke Maustaste zu drücken, hält man sie hier halt etwas gedrückt. Wer zusätzlich nebenbei noch etwas hier und dort schmiedet und sich so selbst bald ziemlich gute Rüstung herstellen kann, der wird einfach schnell in Skyrim unantastbar. Das ist dann lediglich bei den Drachenkämpfen etwas schade, da jene als so eine große Sache präsentiert werden, aber überraschend einfach zu bestehen sind und auch durch ihre Häufigkeit schnell das Besondere verlieren. Lediglich die Endkämpfe des Main Quests können da wieder etwas epischer werden, nicht mal weil sie schwerer sind, sondern einfach weil sie besser aufgezogen werden.

Das Kampfsystem ist also solide aber unspektakulär und die einzelnen Handlungsstränge sind nett, jedoch alle bis aufs Ende des Main Quests auch keine enorme Sache. Was hält also bei Skyrim gefangen? Das Komplettspiel wohl, es ist mehr als die Summe seiner Teile. Und die Atmosphäre, davon hat Skyrim enorm, die kann wirklich fesseln. Es hilft natürlich, dass die Welt einfach super anzusehen ist. Egal ob wir nun durch grüne Täler an einem glasklaren Bergfluss entlang laufen, verschneite Bergpfade in einem Sturm erklimmen oder bei klarer Nacht auf einer Ruine am Berggipfel stehen und das Nordlicht beobachten: Diese Welt, in der wir uns befinden ist einfach toll ausgearbeitet, schön anzusehen, da will man Zeit drin verbringen. Dazu noch ein entsprechender Score und Sprachausgabe und schon fühlt es sich an, als würde durch einen Herrn der Ringe gestapft.

Natürlich ist nicht alles toll an Skyrim, kein Spiel ist perfekt und auch hier gibt es Kleinigkeiten, die mich gestört haben. Sehr subjektiv ist dabei beispielsweise, dass es zwar viele Auswahlmöglichkeiten bei der Charaktererstellung gibt, es aber erstaunlich schwer ist, einen attraktiven zusammen zu bauen. Und ich dachte bei Bioware wäre das schon schwer. Was Bugs und Glitches angeht, die gibt es natürlich, jedoch hatte ich das Glück, dass mir während der ganzen Spielzeit nichts unter kam, was wirklich den Spielverlauf gestört hätte. Lediglich eine Cutscenes wollte mal nicht triggern, was aber über die Console Commands erzwungen werden konnte. Die Konsolenversionen sollen sowieso viel instabiler sein, als die von mir gespielte PC-Version und immerhin war das Spiel schon ein paar Monate raus, also etwas durchgepatcht.

So, was war noch nicht so toll? Ach ja, die Begleiter im Kampf. Die sind unglaublich suizidal und bei Skyrim gibt es leider keine Möglichkeit, Friendly Fire auszuschalten. Wenn sie also mal wieder in eine Attacke rein springen, trifft man sie und verletzt sie, bringt sie mit Pech sogar um. Und wenn sie erst mal tot sind, bleiben die das in Skyrim auch. Zudem wurde mein sehr früh rekrutierter Begleiter mit voranschreitender Spielzeit und meinem sich erhöhenden Level, und damit einhergehend natürlich auch das der Gegner, zusehends schwächer. Selbst in voller Drachenausrüstung, die ich ihm geschmiedet hatte, lag mein Werwauwau gegen Ende häufig röchelnd am Boden, da die Gegner ihn einfach mit zwei oder drei Hieben niedergemäht hatten. Des Weiteren ist das Ladensystem etwas umständlich. Läden kaufen teilweise nur bestimmte Sorten von Waren, Diebesgut schon mal gar nicht, auch wenn man am anderen Ende der Welt Langfinger gespielt hat, haben feste Öffnungszeiten und das Geld kann ihnen auch ausgehen. Durch Fast Travel und Zeitbeschleunigung ist das nur ein geringer Nervfaktor, aber eben dennoch einer, wenn nach jedem Dungeonloot erst mal halb Skyrim abgegrast werden muss, um alle eingesammelten Gegenstände an den Ladenbsitzer zu bringen. Das Inventarlimit hingegen ging mir nur selten auf den Keks, hauptsächlich wenn mal wieder auf dem Weg zum oder vom Dungeon ein Drachen dazwischen gekommen ist und seine Schuppen und Knochen mit ihrem Extremgewicht meine Tragfähigkeit überstrapazierten.

Tja, und das „Arrow in the knee“-Meme ist so ziemlich das unwitzigste, was dem Internet seit seinem Entstehen passiert ist. Allerdings kann man es Skyrim selbst natürlich nicht anlasten, dass die meisten Leute im Netz keine Ahnung von Humor haben.

Übrigens ist es wohl zum Abschluss erwähnenswert, dass ich Skyrim nicht wie alle normalen Menschen in First Person spielte, sondern den Third Person View betätigte. Das liegt einfach daran, dass ich sonst Motion Sickness bekomme, mir also keine andere Wahl blieb. Der spielt sich ganz gut. Es ist eindeutig, dass das Spiel mit First Person im Hinterkopf produziert ist. Loot einstecken ist so einfacher, zumal man besser in alle Winkel geschaut bekommt. Und auch das Kämpfen, da es keine Lock on Funktion gibt, solang der Gegner im Mausfadenkreuz ist, wird angegriffen. In First Person füllen Gegner sowieso fast den kompletten Bildschirm aus, im weiter weg gezoomten Third Person muss schon etwas genau drauf geachtet werden, dass jener immer auf dem Fadenkreuz ist. Doch nach Eingewöhnung geht es ganz gut von der Hand, wenn auch eindeutig die schlechtere Option. Zumindest beim Nahkämpfer ging es, ich kann mir nur schwer vorstellen, dass Third Person auch für einen Fernkämpfer/Magier funktioniert.

Fazit:
Alles sprach gegen Skyrim, zumindest für mich persönlich: First Person, Sandbox, West-RPG. Alles drei Dinge, mit denen ich wenig anfangen kann in den meisten Fällen. Doch Skyrim konnte mich packen, lies mich mehrere Dutzend Stunden nicht mehr los, bevor ich überhaupt mich dem Hauptquest zuwendete. Einfach wegen der einen verschluckenden Atmosphäre, der Welt, in der man schlicht stecken bleibt und diese eine Sache dringend erledigen will, bevor es zu Bett geht.

8 von 10 Punkten

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