Fable III

  • Plattform: PC
  • Release: 20.05.11 (J), 17.05.2011 (US), 20.05.2011 (EU)

Für das dritte Fable hat Peter Molyneux mal wieder Großes versprochen, alles sollte anders werden. Gelogen war das natürlich erneut ebenfalls, sind doch die meisten Änderungen eher kosmetischer Natur und die groß beworbene zweite „Hälfte“ des Spieles nur ein paar wenige Stunden lang.

Die industrielle Revolution ist eingekehrt in Albion und mit ihr einhergehend geht es dem Groß der nicht-adeligen Bevölkerung auch entsprechend dreckig – nur das sie jetzt anstatt wenigstens auf schillernde Bäche und blaue Himmel ein Tolkien-schen Welt auf schmutzige Flüsse und versmogte Horizonte schauen müssen. Dass der amtierende König auch noch ein absoluter Tyrann ist, macht das Leben natürlich nicht wirklich einfacher. Der geneigte Spieler übernimmt dabei die Rolle des jüngeren Bruders, der dem Schloss entflieht, nachdem er der Hinrichtung der besten Freundin (wahlweise auch einer Hand voll Bauern, aber das wäre ein echt langweilige Entscheidung) beigewohnt hat. Die Sache ist klar: Unterstützung sammeln, um den Bruder zu stürzen und selber den Thron zu besteigen. Viva la Revolution!

Das klingt jetzt erst einmal nach einer relativen Standard-Handlung und das ist es soweit auch. Eine Besonderheit hat das Spiel allerdings dennoch auf Lager. Sobald nämlich besagter Tyrann gestürzt ist und der heroische der beiden Brüder auf dem Thron ist – also dort wo andere Spiele aufhören und die Credits fahren würden – geht es noch weiter. Nun werden wir damit konfrontiert, dass das Brüderchen die Bevölkerung nicht aus Jux und Tollerei ausgenommen hat, sondern für eine Darkness-Invasion das Land mobil machen musste. Und jetzt liegt es in unseren Händen, jener vorzubeugen, was auch bedeutet, dass wir vielleicht gar nicht all die Versprechen halten können, die freimütig vergeben wurden, um Thronsturz-Unterstützung zu bekommen. Eine unangenehme Wahrheit wirft die gewohnte Schwarz-Weißmalerei auf den Kopf und bietet tatsächlich ein moralisches Dilemma.

Etwas schade ist da schon, dass besagter Königs-Teil etwas arg kurz ist. 365 Tage sind es, bis die Darkness an die Tür klopfen und unsere Bevölkerung meucheln wird, davon gespielt werden aber nur so ca. 5. Es kann schon etwas arg unvorbereitet kommen, wenn das Spiel einem 121 Tage von besagter Apokalypse entfernt plötzlich deutlich macht, dass der Point of no Return naht. Hier hätte man durchaus etwas mehr machen können, zumal es für jene, die das Geld sammeln wollen, um doch die Versprechen einzuhalten, viel langweiliges Sidequesten erfordert, um die Schatzkammern zu füllen.

Vom Spielerischen her hat sich gar nicht so viel geändert am Fable-Konzept, es sieht hier nur anders aus. Eine HUD wird man gar nicht finden, was schon etwas gewöhnungsbedürftig ist, so wenig visuelles Feedback auf dem Schirm zu haben. Die Lebensleiste der Gegner ist weg, was bei längeren Bosskämpfen vermisst wird, die eigene ebenso, Nah-Tod wird nun wie in einem Shooter mit Rotfärbung des Bildschirmrandes signalisiert, auch erst dann taucht der F-Key für die Heilgegenstände auf dem Bildschirm auf. Einen Mana-Pool gibt es sogar gar nicht mehr, Zauber können nun also gespammt werden, ohne Rücksicht auf Verluste. Sprich, der Bildschirm ist frei jeder Obstruktion, gespielt wird aber weitestgehend gleich. Die angeblich nicht mehr vorhandenen Erfahrungspunkte heißen jetzt einfach nur anders, die Guild Points gibt es für Gegnerkills und Sozialisierung mit den NPCs, werden dann zum Aufbessern des kämpferischen Könnens und eben jenen Social Skills benutzt. Das Menü ist ähnlich Terranigma hier eine kleine Subwelt, was im Prinzip das Gleiche nur in Grün und langsamer in der Navigation ist.

Gekämpft wird erneut entweder mit Schwert im Nahkampf, im Fernkampf mit einer Schusswaffe oder, wenn man schlau ist, gleich mit Magie. Einen großen Unterschied gibt es zwischen der Hand voll Waffen nicht und Rüstung ist sogar nur kosmetischer Natur in Fable III. Die etwas zahlreicheren Magien können diesmal sogar je zu zweit miteinander verbunden werden und wer schnell einfach gewinnen will, spammt sowieso ständig nur zwei gut kompatible Magien im AOE. Da haben die Gegner keine Chance, höchstens ein Boss killt einen mal bei besonderer Unachtsamkeit. Was aber auch nicht größer negativ behaftet wäre, es geht an Ort und Stelle direkt weiter, als wäre nix passiert, nur die Guildpoints zum nächsten Level gehen verlustig.

Ehrlich gesagt fand ich die kämpferische Seite des Spieles diesmal etwas langweilig und war froh, wann immer ich es nicht tun musste. Das Land zu bereisen und die Handlung voranzutreiben war da wesentlich motivierender, als stupide Gegnerhorden zu grillen. Die NPCs befreunden kann man natürlich noch, wie bei Fable üblich gibt es einen starken Sims-esquen Aspekt. Heiraten, Kinder kriegen oder adoptieren, fremdgehen und sich darüber eine Geschlechtskrankheit einfangen, Häuser und Geschäfte kaufen und vermieten, auf dem Marktplatz Laute spielen oder Kindern eins vorrülpsen, neue Klamotten und Frisuren auftragen… die sozialen Möglichkeiten im Spiel sind erneut zahlreich und unwichtig.

Optisch macht das Spiel einiges her, ist technisch solide und vor allem vom Design her interessant. Das industrielle Albion führt zu einen sehr an Steampunk erinnernden Optik, Pfeil und Bogen sind nun Schießpulver und Knarre, der Adel trägt barocke Kleidung und Perücken, alles stark überzeichnet und stark trockenhumorig und zynisch umgesetzt. Wenn auch manchmal der Ton etwas inkonsequent ist. Da gibt es ernste Thematik wie etwa Kinderarbeit, zynische Untertöne und dann wieder die total überdreht-comicartigen NPC-Interaktionen. So ganz passen will das nicht immer. Im Gegensatz zum soliden Score und guten Voice Acting.

Fazit:
Auch Fable III ist kein großer Wurf geworden, dafür ist das arg simpel und einfach gestrickte Gameplay, das es mehr zu einem Action-Adventure denn RPG macht und teilweise sogar mehr an Sims Medieval erinnern mag, einfach auf Dauer etwas auf der langweiligen Seite. In kurzen Etappen ein ganz nettes 20-Stunden-Spiel bekommt man allerdings schon geboten, könnte es also wesentlich schlechter treffen.

6 von 10 Punkten

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