Harvest Moon: Friends of Mineral Town

  • Plattform: GameBoy Advance
  • Release: 18.04.03 (J), 17.11.2003 (US), 26.03.2004 (EU)

Als damals Harvest Moon: Back to Nature auf die PlayStation kam, wurde es einige Jahre lang von vielen als der beste Teil der Serie hochgehalten. Ich hatte immer ein paar Probleme mit dem Spiel, nicht was den Inhalt angeht, sondern die Steuerung, die ich ungenau fand und den etwas schräg gewinkelten Blickwinkel da nicht gerade als hilfreich erachtete. Umso schöner, als das Spiel dann unter dem Titel Friends of Mineral Town für den GameBoy Advance neu aufgelegt wurde und genau dies bereinigte.

Es ist etwas schwer, Reviews über Serien wie Harvest Moon oder Pokemon zu schreiben, wo sich zwischen den Spielen fast nichts ändert. Besonders dann, wenn schon mehrere Teile gereviewed wurden. Man will ja nun Mal nicht ständig die gleichen Sachen wiederholen, gleichzeitig sollte dennoch in jedem zumindest ein gewisser Überblick, auch über die immer gleichen Sachen, bestehen, weil nicht davon ausgegangen werden kann, dass der Leser auch die anderen Reviews der Reihe gelesen hat oder sich mit der Serie von sich aus auskennt. Außerdem weiß man ja sowieso nicht mehr so genau, was da teilweise vor Jahren in all den vorigen erwähnt wurde.

Friends of Mineral Town ist also ein Harvest Moon, jepp. Mit allem, was dazu gehört: Als Jüngling ohne Sinn für Mode erben wir eine Farm, auf der es weder Tiere noch Saatgut gibt, sondern nur ein runtergekommenes Haus und einen Hund. Und das zu rektifizieren ist nun unsere Aufgabe im Spiel. Also ab in die Stadt und Saatgut gekauft. Äcker bestellt, ausgesät, täglich gegossen und beizeiten geerntet. Mit dem Geld Tiere gekauft und umsorgt, die Farm ausgebaut und eventuell sogar das Mädel, dessen Herz man sich mit Geschenken erkauft hat, heiraten und dort einziehen lassen. Die übliche Schoße der alten Harvest Moons eben, wo es noch keine wirkliche übergeordnete Handlung gab, sondern das Ziel einfach nur „Bring die Farm in X Jahren in Ordnung“ war.

Mit dem Unterschied, dass Friends of Mineral Town diese Zielvorgabe nicht mal setzt, es ist sozusagen „Bring die Farm in Ordnung, wann immer es dir passt“, eine der kleinen Änderungen gegenüber Back to Nature, wo es die übliche Vorgabe von 3 Jahren war. Diesen Endpunkt nicht gesetzt zu bekommen, ist jedoch eigentlich auch ziemlich egal, in der Serie hat man sowieso alles ausgebaut, mehr Geld, als ausgegeben werden kann und geheiratet, lang bevor die vorgegebenen Jahre rum sind. Wobei hier für die OCD-Leute, die alles haben müssen, als Langzeitmotivation gewisse Ferienhäuser erst nach 50 Ehejahren oder dem Erwirtschaften von 100 Millionen erbaut werden können. Viel Spaß dabei das erreichen zu wollen.

Mit den zahlreichen Optionen, die einem das Spiel offeriert, den regelmäßigen Festen, NPCs befreunden, Erntewichtel für einen Arbeiten lassen, diverse Feldfrüchte pro Jahreszeit – es kann wohl tatsächlich als das beste Harvest Moon nach alter Spielart gesehen werden. Was nicht bedeutet, dass es nicht auch kleinere Schnitzer hat. Wie immer ist die Lokalisation eher dürftig. Warum gibt es immer noch keine Einstellung, um Auto-Run zu haben? Wer kam auf die Idee, dass das Canceln von Optionen diesen Hunde-Whine-Soundeffekt hat? Feste und freie Tage können den Saatplan doch ganz schön durcheinander bringen. Und obwohl die Steuerung grundsätzlich besser funktioniert, als in Back to Nature, laggen die Shortcuts zum Drehen durch den Rucksackinhalt, die aufgrund der wenigen Buttons des GBA eingeführt wurden, manchmal. Außerdem finde ich die Heiratsvoraussetzungen hier doch etwas arg hoch angesetzt.

Fazit:
Klar, es hat kleine Makel, die hat aber jeder Teil der Serie. Und ja, wer mit dem bald stupide werdenden und immer gleichen Alltagsablauf nichts anfangen kann, statt es als Entspannungs-Gaming zu betrachten, der wird auch mit dem Teil hier nicht glücklich. Als das beste aller Harvest Moons würde ich Friends of Mineral Town zwar nicht proklamieren, aber doch als das wahrscheinlich beste der alten Art, bevor es eine Handlung gab.

8 von 10 Punkten

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