Mass Effect 3

  • Plattform: PC
  • Release: 06.03.12 (US), 09.03.2012 (EU)

So geht sie nun also zu Ende, Biowares große Space-Saga Mass Effect hat die abschließende Runde der Trilogie gedreht. Und ist von den Fans ordentlich verrissen worden, so dass bereits kurz darauf kostenloser DLC angekündigt wurde, um das Finale auszubessern. Heutzutage hat man es als Spieleschmiede auch echt nicht einfach, im Wohlwollen der Fans zu bleiben.

Shepard hat nach den Ereignissen im Vorgänger mit Ceberus gebrochen, steckt nun im Prinzip im direkten Kampf mit ihnen, da sie ihre eigene Agenda verfolgen und Shepard in den Weg der Reaper-Beseitigung kommen. Die haben es doch tatsächlich geschafft die Erde zu erreichen. Den Heimatplaneten der Menschheit lässt sich Shepard jedoch nicht nehmen, es muss endlich mobil gemacht werden, die braven Aliens vereinigt, um die fiesen endgültig zu schlagen.

Mass Effect 3 ist im Prinzip genauso strukturiert, wie seine beiden Vorgänger (und Dragon Age: Origins): Die ersten paar Spielstunden geben einen Überblick über die aktuelle Situation, die letzten paar Stunden sind die große Finalschlacht, die 10-15 Stunden dazwischen werden damit verbracht sich Verbündete zu suchen. Denn nur weil die Reaper so nah wie nie sind, bedeutet immer noch nicht, dass sich alle Rassen des Alls so einfach unter einem Banner verbünden lassen, zumal die auch an ihre eigenen Heimatsysteme denken müssen, statt alles stehen und liegen zu lassen, nur weil die der Menschheit den Vorgarten versauen.

Worin Mass Effect 3 so richtig gut ist, ist das Gefühl der Finalität zu vermitteln. Diesmal geht es um die ganz großen Dinge, diesmal steht alles auf dem Spiel. Und so werden zwar wie üblich nicht alle ehemaligen Crewmitglieder erneut dem spielbaren Team angehören, sehr viele haben ihre eigene Baustelle, bei der sie gebraucht werden, doch alle kommen irgendwann in der Handlung kurz vor und sind anschließend für einen kurzen freundlichen Plausch und pro forma Abschiedsworte zu sprechen. Es ist einfach schön die bekannten Gesichter alle erneut zu sehen und macht tatsächlich ein wenig melancholisch, sie sich zum letzten Mal verabschieden zu lassen. Bei Bioware weiß man schon, an welchen Fäden gezogen werden muss, um Emotionen zu wecken.

Was allerdings gleichzeitig auffällt ist, dass die Handlung und auch die Spielwelt kleiner wirken, viel fokussierter, was durchaus Sinn macht, da die Ereignisse nun eben langsam in eine gerade Linie kanalisiert werden müssen, um sie auf ein Ende hinzuführen. Was dadurch jedoch auch fehlt, ist die Entscheidungsfreude der vorigen Teile. Wo es dort noch mehrmals pro Gespräch eine ganze Hand voll verschiedener Antwort- und Reaktionsmöglichkeiten gab, die zwar auch nur den Anschein von großen Veränderungen erweckten, jedoch immer nur marginale oder kosmetische Dinge veränderten, schert sich Mass Effect 3 noch nicht mal mehr um diese Illusion. Stattdessen wird wesentlich weniger häufig um Input während der Gespräche gebeten und dann stehen dort fast immer nur zwei Antworten, die beide sogar die gleiche Aussage haben, nur eine im Ton eines Gutmenschens und eine als Arschloch gegeben werden, um die Paragon/Renegade-Punkte zu bekommen. Ich persönlich konnte damit leben, dass das Finalisieren der Handlung auch zu großer Geradlinigkeit führte, allerdings bin ich auch JRPGler, wo eigene Entscheidungen sowieso fast nie getroffen werden dürfen, und es somit von meinen Spielen gewohnt, dass sie mich an einem festen narrativen Faden entlangleiten.

Was hingegen auch ich nicht so prall fand, war die Endsequenz. Die letzte Mission und die große Eröffnung am Ende fand ich nicht übel, aber nach dem Treffen der letzten Wahl die eigentliche Sequenz ist doch mehr als dürftig, zumal sie für Paragon und Renegade im Prinzip auch noch identisch ist. Da wäre mehr gezeigt zu bekommen wirklich schön gewesen. Aber das soll ja nun per DLC nachgereicht werden.

Vom Gameplay her fällt das Trilogie-Ende zwischen die beiden Vorgänger. Es ist mehr auf Action ausgelegt, als der erste Teil, hat aber ein paar mehr Anpassungsmöglichkeiten als der zweite Teil. Neu ist, dass die modifizierbaren Waffen ein Gewicht haben, welches sich auf die Ladezeit der Fähigkeiten auswirkt. Entweder voll bepackt sein, dafür länger drauf warten müssen, bis ein genutzter Skill wieder verfügbar wird oder umgekehrt eben. Meiner Meinung nach bietet der hiesige Teil zumindest das flüssigste Shooter-Gameplay der Reihe. Wem die Kämpfe selbst auf Casual zudem schon immer zu blöd waren und nur der Handlung folgen will, kann das Spiel übrigens auf „Narrative“ stellen, wodurch ein Großteil der Auseinandersetzungen eliminiert werden. Umgekehrt kann auch eingestellt werden, dass automatisch die begrenzten Antwortmöglichkeiten in den Gesprächen automatisch gewählt werden, für jene, die sich damit nicht befassen wollen. Auch nicht jedermann zufriedenstellen mag, dass die Anzahl an erfüllter Nebenmissionen und gespieltem Multiplayer durchaus End-Auswirkungen parat halten.

Was die Optik, die Musik und die Sprachausgabe angeht, wird durch Mass Effect 3 erneut alles geboten, um die Illusion einen SciFi-Film nachzuspielen, fast perfekt zu machen. Kleinigkeiten gibt es natürlich, wie die manchmal immer noch abgehackten Bewegungsabläufe gerade in Gesprächen, aber viel zu meckern gibt es nicht.

Fazit:
Mich stört die linearere und fokussiertere Herangehensweise von Mass Effect 3 nicht, ich nehme das in Kauf dafür, dass die Handlung eben jetzt auf ein Finale zubewegt werden muss. Die noch unveränderte Endsequenz stört mich etwas, aber abgesehen davon halte ich es für den bisher besten Teil der Serie, mit einem mitreißenden Finale und dem bisher flüssigsten Gameplay.

9 von 10 Punkten

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