Yakuza 4

  • Plattform: PlayStation 3
  • Release: 15.03.10 (J), 15.03.2011 (US), 18.03.2011 (EU)

Ein neues Jahr, ein neues Yakuza. Franchise-Melken ist keine Seltenheit und Sega presst aus ihrer in Japan super verkaufsträchtigen Serie alles raus, was geht. So nett, zumindest die Hauptteile (und das Shooter-Spinoff, denn Westler sind ja alles CoD-Spieler, gell?) zu uns zu bringen, sind sie immerhin auch, obwohl die Verkaufszahlen hier schon immer etwas wackeliger waren.

Die Yakuza-Clans in Tokyo können ihre Füße wie gewohnt nicht still halten, genau genommen steht durch einen unglücklichen Zwischenfall ein richtiger Familienkrieg kurz bevor. Doch natürlich ist die Angelegenheit nicht so einfach, wie sie erscheint und hinter dem „Missverständnis“ steckt jemand, der sich diesen Krieg zu Nutzen machen will und bereits 1985 angefangen hat, die Yakuza zu seinen Gunsten zu manipulieren.

Viele Änderungen gibt es in Yakuza 4 wie immer nicht, jedoch die auffälligste ist eindeutig, dass es diesmal gleich vier Hauptcharaktere gibt. Jene wechseln sich in zunächst je vier Kapiteln ab, bis sie dann gemeinsam im Finale je einen der Bosse vermöbeln dürfen. Darunter ist Akiyama, ein Geldverleiher, der die Bekanntschaft einer attraktiven Dame macht, die seiner Verflossenen ähnelt und in den ganzen Yakuza-Intrigen drin steckt. Seijima ist derjenige, der das Attentat in 1985 begangen hat, welches für die Handlung wichtig wird, und dafür im Gefängnis landete. Tanimura ist ein junger Polizist, dessen Vater damals ums Leben kam und der die Wahrheit um dessen Tod herausfinden will. Und Kazuma Kiryu mischt natürlich wie immer auch wieder mit, denn die Sache mit den 10 Milliarden Yen, die zu den Ereignissen des allerersten Spieles führten, sind auch notdürftig eingeflochten worden.

Was das spielerisch bedeutet ist, dass es etwas mehr Abwechslung gibt. Etwas, nicht sonderlich viel. Es wird immer noch durch die Straßen des Rotlichtviertels gerannt, wenn man an einer Ecke von Punks angemacht wird, denen eine neue Visage eingeprügelt, mit oder ohne Zuhilfenahme von Waffen oder umliegenden Gegenständen (wenn mir die Yakuza-Serie eines beigebracht hat, dann das Japaner alle total unfreundlich und brutal sind), zwischen den Handlungsvorantreibenden Zielen können Sidequests für notbedürftige Mitmenschen absolviert, die Zeit mit Geldgierigen Hostessen vergeudet oder Minispiele wie Bowling, Mahjong, Baseball etc. eingegangen werden. Die Charaktere unterscheiden sich da nur im Kampfstil etwas, einer prügelt, der andere tritt mehr, die Geschwindigkeit und Finishing Moves sind anders. Lediglich bei Seijima ist die Struktur etwas anders, da er als Gefängnisausbrecher von der Polizei gesucht wird und wenn er entdeckt wird entsprechend Fersengeld geben muss, sich manchmal gar nicht frei auf den Straßen bewegen kann, sondern über die (neuen) Dächer und durch den Untergrund schleichen muss, um nicht gesehen zu werden.

Auch die Handlung ist der Restserie treu geblieben, was teilweise durchaus ein Nachteil ist. Wir haben also im Groben eine spannende Crime-Story. So weit, so gut. Jedoch bedeuten vier Charaktere auch, dass jedes Mal, wenn der Protagonist wechselt, zunächst erst einmal nicht viel von Wichtigkeit passiert, sondern die Hintergrundgeschichte und der Grund, warum jener nun auch involviert ist, abgehandelt werden. Und die Yakuza-Serie ist dafür bekannt, sehr lange, sehr wortreiche Cutscenes zu haben, selbst wenn noch nicht viel passiert. Das kann zunächst etwas ermüdend werden, auch wenn es ganz cool ist, sobald dann die Puzzleteile über die verschiedenen Charaktere hinweg zusammenzufallen beginnen. Außerdem fand ich die Handlung diesmal etwas übertrieben. Klar, etwas over the top sind die Spiele alle, aber ich meine in den seriösen Momenten, die Yakuza 4 komplett ernst nimmt. Man gibt es irgendwann einfach auf, mitzuzählen, wie häufig jemand einen anderen verrät, nicht ist, wer er zu sein schien oder eine eigene Agenda verfolgte. Handlungswendungen sind schön und gut, aber in der Häufigkeit wie hier ist es schon etwas seltsam. Und wie häufig jemand in einer emotionalen Szene oder der gerade etwas Wichtiges preisgeben wollte „überraschend“ ange-/erschossen wurde… das passierte bisher in jedem Spiel. In Yakuza 4 passiert es nicht ein, nicht zwei, sondern sechs Mal. Und leider sieht man die meisten jener Sachen mittlerweile sogar kommen, da die Struktur durch die vorigen Spiele bekannt ist. Jener Charakter ist sicher ein Verräter, so wie diese Szene inszeniert ist, wird bestimmt gleich jemand „überraschend“ niedergeschossen… und meist behält man Recht.

Nicht zu vergessen ein paar echt dämlicher Verhaltensweisen, nur damit die Handlung in die Richtung gehen kann, die verlangt wird. Da werden Bösewichter verschont „weil sie es nicht wert sind“, nur damit sie schnell noch jemanden erschießen können und jemand hat 100 Milliarden Yen bei sich im Bürotresor, ohne jenen überhaupt richtig abzuschließen, nur damit der zufällig entdeckt und das Geld entwendet werden kann.

Das Kernstück der Yakuza-Spiele war schon immer die Handlung. Prügelei und Sidequesten zwischendurch hin oder her, hauptsächlich geht es in den Spielen darum, einen Yakuza-Film mit Längen nachzuspielen. Und unterm Strich hat Yakuza 4 definitiv noch Spannung und einige gute Momente zu bieten, doch auch einige Schwächen und wird allgemein mit dem vierten Spiel langsam zu formelhaft.

An der Engine scheint sich seit Yakuza 3 nichts geändert zu haben und so langsam sieht man das Alter dann doch. Die Cutscenes sind in der Regel gut inszeniert und die Charaktermodelle in jenen schon nett anzusehen, jedoch sind die Haare durchweg die fest angepappten Plastikperücken und die Umgebung häufiger mal ordentlich detailarm. Das bricht die filmische Illusion dann leider teilweise wieder. Zu ihr passend hingegen sind der solide Soundtrack und die wie immer professionelle Sprachausgabe, die lediglich in Japanisch mit Untertiteln vorliegt.

Fazit:
Ich bin mir nicht sicher ob Yakuza 4 wirklich viele Dinge wesentlich schlechter macht, als die Vorgänger, oder ob ich die Formel mittlerweile einfach ein Stück weit leid bin. Zumindest ist es das Spiel der Reihe, welches ich bisher am schnellsten durch hatte, weil ich mich für die meisten Dinge außerhalb der Haupthandlung nicht motivieren konnte und auch in jener so einige seltsame Momente hatte. Frischen Wind braucht die Reihe.

6 von 10 Punkten

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