Ghost Trick: Phantom Detective

  • Plattform: Nintendo DS
  • Release: 19.06.10 (J), 11.01.2011 (US), 14.01.2011 (EU)

Nachdem Shu Takumi vier seiner Gerichtsadventures der Ace-Attorney-Reihe produziert hatte, schien er erst Mal nach neuen Ideen zu streben, lies andere die Ace Attorney Investigations machen und arbeitete lieber für Capcom an einem ganz anders gearteten Adventure. Geboren war Ghost Trick: Phantom Detective, das auf viel Lob aber nicht unbedingt überschwängliche Verkaufszahlen stoßen sollte.

Sissel ist gerade gestorben und das auch noch auf einer Müllhalde, nicht gerader der Ort, an dem man seine letzte Ruhe finden will. Jedoch findet Sissel sowieso keine Ruhe, sondern erwacht als Geist, leider mit Amnesie, weswegen er sich nicht zusammenreimen kann, warum er gestorben ist oder sich hier überhaupt mit einer Polizistin treffen wollte. Viel Überlegungszeit bleibt ihm eh nicht, wird direkt auch besagte Polizisten über den Haufen geschossen. Doch schaltet sich just in dem Moment eine Lampe ein, die Sissel erst Mal erklärt, dass er in seiner neuen Form wie ein Poltergeist Gegenstände manipulieren und sogar die Zeit um wenige Minuten zurückschrauben kann.

Somit ist der erste Punkt auf der Tagesordnung die Zeit zurückzudrehen und mit Materiemanipulation den Angreifer auszuschalten, bevor er die Polizistin erschießen kann. Dann noch mit ihr Kontakt aufnehmen und sie dabei unterstützen, den Fall um den frisch verstorbenen Sissel zu lösen, was auch beinhaltet sie über die Nacht hinweg vor so einigen Gefahrensituationen mit tödlichem Ausgang zu bewahren.

Dies ist im Prinzip dann auch schon das Gimmick von Ghost Trick, bzw. die Art und Weise, wie hier gerätselt wird. In jedem der 18 Kapitel gerät eine Person, die dabei behilflich sein kann, das Geheimnis um Sissel zu lösen, in eine Gefahrensituation oder ist sogar schon kürzlich verstorben. Nun wird also die Zeit um vier Minuten zurückgedreht und dann gehören die Gegenstände im Raum manipuliert, bis die Gefahr/Todessituation abgewendet ist. Nicht jeder Gegenstand kann auch manipuliert werden und wenn dann auch nur auf spezifische Art und Weise, zudem hat Sissel nur eine beschränkte „Sprungweite“, die er von Gegenstand zu Gegenstand springen kann. Um die Sache etwas zusätzlich zu verkomplizieren, läuft die Gefahrensituation während er vier Minuten natürlich beständig weiter, was dazu führen kann, dass mehrere in einer Szene vereitelt werden müssen und sich auch die Position der Gegenstände verändert. Später kommt sogar noch die Fähigkeit dazu, gewisse Dinge gleicher Form austauschen zu können.

Das führt zu einigen überraschend kniffligen Rätseln. Glücklicherweise wird Ghost Trick allerdings nie allzu frustrierend, da die einzelne Segmente nie sonderlich lang sind, also nicht allzu viel beim Scheitern wiederholt werden muss und Parts so auch ohne viel Zeitaufwand per Trial and Error, was denn jetzt alles erreichbar/machbar ist, ausgeklügelt werden können. Lediglich ein Sneaking-Segment ist nicht wirklich spaßig, aber zum Glück auch eines der kürzesten Kapitel. Man könnte auch meinen, dass die eingeschränkten Möglichkeiten das immer gleiche Manipulationsgameplay langweilig werden lassen, allerdings bleiben die Challenges doch erstaunlich frisch. Es ergibt einfach ein herrliches „Geschafft“-Erlebnis, wenn die Situation gelöst ist und wie ein Uhrwerk alles aufeinander abgestimmt ineinandergreift.

Was mir an Ghost Trick allerdings besonders gefallen hat, ist einfach die Gesamtatmosphäre. Charaktere und Handlung sind herrlich schräg, charmant und humorig, sogar noch überzeichneter und abgedrehter, als das teilweise in den Ace Attorneys der Fall sein konnte. Da verzeiht man auch das etwas überbordete Ende, einfach weil das Spiel an sich schon so over the top war und sich selten wirklich ernst nimmt. Obendrauf kommt ein an Osamu Tezuka angelehntes und passend überzeichnet cartooniges Charakterdesign, butterweich und mit viel Persönlichkeit durchanimierte Figuren und ein absolut genialer Soundtrack, und schon ist die Gesamtkomposition perfekt.

Fazit:
Ghost Trick: Phantom Detective ist tatsächlich eines der Must Haves auf dem DS. Ein launiges Gameplay, witzige Charaktere, interessante Handlung und dichte Atmosphäre machen es zu einem in seiner Gesamtheit rundesten Spiel auf dem Handheld.

10 von 10 Punkten

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