Shining in the Darkness

  • Plattform: Mega Drive
  • Release: 29.03.91 (J), 06.08.1991 (US), 1991 (EU)

Die Shining-Serie mag zwar mehr durch ihre SRPG-Exkurse bekannt geworden sein, jedoch gab es schon immer mal wieder Ableger in andere Genre. Immerhin ist selbst das allererste Spiel der Reihe, Shining in the Darkness, beispielsweise ein waschechter Dungeon-Crawler.

Mit Allem, was dazu gehört, oder eben nicht. Keine Oberwelt, nur eine Stadt, ein Schloss und das einzelne Dungeon. Und ein wenig Handlung, um die Abenteurergruppe überhaupt dort hinein zu lotsen. Ein Bösewicht hat nämlich die Prinzessin entführt, der einfallslose Tropf, und die gehört gerettet. Das schafft natürlich kein einziger Ritter oder Palastwache des Königreiches, sondern nur eine muntere Truppe junger Nachwuchskämpfer auf Level 1.

Originalität kann man der Handlung von Shining in the Darknes sicherlich nicht vorwerfen, da ging 1991 schon lang mehr, doch für einen Dungeon-Crawler solls genügen und immerhin hat sie eine gewisse Präsenz über den Spielverlauf hinweg, gibt es im Schloss immer mal wieder was Neues zu hören oder einen Besuch des Fieslings, um einen zu schikanieren, so dass sie wenigstens nicht in Vergessenheit gerät.

Vom Spielerischen her ist Shining in the Darkness genau genommen ein sehr benutzerfreundliches und nicht allzu schweres oder langes Einsteiger-Spiel in die Kunst der Verlieskriecherei. Es müssen nicht erst lang Charaktere erstellt, die richtige Berufszusammenstellung hinterfragt und bei Level ups auf die perfekte Punktverteilung geachtet werden. Das Spiel händigt stattdessen drei feste Charaktere aus, die beim Aufleveln im vorgegebenen Rahmen ihre Stati verbessern und neue Magien lernen. Das wendet die Gefahr ab, erst im späteren Spielverlauf zu merken, dass man sich da die komplett falsche Gruppe zusammengestellt hat und von vorn beginnen zu müssen.

Das Inventar mag begrenzt sein, doch verkaufte Gegenstände können zurückgekauft werden (und beim Verkauf händigt das Spiel überraschend hohe Geldsummen aus), Wiederbelebung oder Entfluchung in der Stadt kosten keine Vermögen, Gegner die Level drainen können gibt es nicht, welche mit Instant Death sind selten. Nach einem kürzlichen Exkurs in die ersten paar Wizardries ist das hier so unglaublich angenehm und fair. Vielleicht sogar ein wenig auf der einfachen Seite. Zunächst muss etwas gegrindet werden, da man noch allein unterwegs ist, sobald alle drei Charaktere zusammengefunden haben, wird das Spiel dann aber erst Mal einfacher, gegen Mitte ist ein etwas schwerer Teil, um denn gegen Ende – wenn man denn weiß, welche Ausrüstungsgegenstände im Kampf genutzt nützliche Effekte haben – wird es dann wieder sehr einfach. Mit knapp 15 Stunden ist der Fluch anschließend vorbei.

Das liegt auch daran, dass man eigentlich permanent Fortschritt macht. Es gibt immer ein neues Gebiet im Dungeon zu erforschen, einen weiteren Gang zu begehen, eine weitere Schatztruhe zu plündern. Und schwupps, nach ein paar Besuchen ist auch schon das Ende des aktuellen Stockwerks erreicht und das nächste kann erklommen werden, der Teleportpunkt so gesetzt werden, dass der Weg dorthin verkürzt wird. Klar gibt es hier auch Fallen und fiesere Gegner – besonders die gescripteten Auseinandersetzungen – doch der Tod der kompletten Gruppe ist in Shining in the Darkness netterweise keine Häufigkeit. Und dieses permanente Weiterkommen ist so viel motivierender, als das Gefühl ständig im Kreis zu laufen und nicht voranzukommen, wie das bei einigen anderen Dungeon-Crawlern der Fall sein kann.

Technisch ist das Spiel ganz nett geworden. Die verschiedenen Stockwerke haben alle ein anderes Design, die Musik ist relativ eingängig, wenn natürlich auch viel die gleichen Melodien kommen und die Sprites der Gegner sowie NPCs sind sogar animiert. Wobei ich „animiert“ hier im weitesten Sinne verwende, denn so was wirklich hübsches wie die Gegner in einem Phantasy Star ist es auch wieder nicht, sondern die Sprites werden im Prinzip nur hin und her geruckelt. Immerhin sieht man jederzeit alle Gegner, die sich der Gruppe in den Weg stellen, statt wie in vielen anderen Vertretern des Genres die Gruppe nur durch einen einzelnen repräsentiert zu bekommen.

Fazit:
Wer sich für Dungeon-Crawler interessiert und ein übersichtliches Einstiegsspiel haben will, oder auch wer sich im Genre auskennt aber momentan einfach genug von der Komplexität und Schwere vieler Vertreter hat, findet mit Shining in the Darkness durchaus ein kleines, charmantes Spielchen für die Kriecherei zwischendurch.

7 von 10 Punkten

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