Dragon Quest VI: Wandler zwischen den Welten

  • Plattform: Nintendo DS
  • Release: 28.01.10 (J), 14.02.11 (US), 20.05.11 (EU)

Es brauchte seine Zeit, bis der sechste Teil der Dragon Quests auch bei uns erschien. In Japan ein spätes SNES-Release, kam es wie sein Vorgänger nie offiziell in den Westen. Im Gegensatz zu den beiden anderen Zenithia-Teilen wurde es erst spät für den DS zum ersten Mal neu aufgelegt. Und während die Remakes der beiden Trilogie-Vorgänger ziemlich zügig auch nach Europa kamen, lies sich der sechste Teil ordentlich Zeit damit. Aber gekommen ist es letztendlich dann doch.

In media res: Die Heldentruppe steht schon vor dem Bösen Mordar, um die Welt von seinem Übel zu befreien. Und unterliegt ihm. Doch alles nur ein Traum, erwacht der Jüngling doch in seinem Bette, alle Körperteile noch an der richtigen Stelle und fröhlich vor sich hin atmend. Allerdings trifft er auf seiner Reise anschließend besagte Kammeraden aus dem Traum und landet sogar in einer anderen Welt, seiner fast identisch und doch anders, in der ihn zunächst keiner sehen kann. Und Mordar gibt es natürlich wirklich, muss besiegt werden.

Ich muss eingestehen, dass ich meine Probleme mit Dragon Quest VI hatte, bis es für mich so richtig ins Laufen gelangte. Die ersten Spielstunden fand ich etwas träge und wenig motivierend, erst nach dem Sieg über Mordar und dem anschließenden Öffnen des Spieles plus Einführen des Jobsystems konnte ich mich langsam für es erwärmen. Dies ist aber gute 10 Stunden im Spiel, was schon eine lange Anlaufphase ist. Und es war nicht so, dass es danach nicht weiter Probleme gab.

In der Handlung wäre jene hauptsächlich, dass es sehr unspektakulär ist. So sehr mich der Beginn nicht motivieren konnte, hatte man doch immer ein Ziel und einen Bösewicht vor Augen, wusste worum es geht und wo es lang geht. Nach dem Sieg über Mordar wird es keinen überraschen, dass das Spiel doch noch nicht rum ist, ähnlich Chrono Triggers Magus ist der Showdown gegen ihn dafür viel zu früh. Aber einen neuen Bösewicht oder roten Faden wird einem auch nicht direkt offeriert, stattdessen etwas ziellos durch die Welt gewandert und der lokalen Bevölkerung ausgeholfen. Sicherlich, diese vielen Substories und eine etwas vage und gar nicht innovative Haupthandlung gibt es in den meisten Dragon Quests, aber so einen gewissen roten Faden halten sie einem immer präsent, während VI seine Haupthandlung für den kompletten Mittelteil vergisst und auch den eigentlichen Bösewicht erst ganz spät erwähnt. Irgendwo war mir das häufiger etwas zu viel Leerlauf.

Dramaturgisch gewinnt es sowieso keinen Blumentopf. Wenn später im Spiel ein Bruder und seine Schwester endlich nach langjähriger Suche vereint werden, passiert das ohne irgendein Brimborium. Ich brauche da keine übertriebene Melodramatik, jedoch handhabt V seine emotionalen Momente wesentlich besser. Hier interessiert es nicht und das der Kerl überhaupt seine Schwester suchte, muss man bis zur Wiedervereinigung nicht mal mitbekommen haben, obwohl man beide wiederholt sieht. Das Design mit den dualen Welten ist eine nette Idee, scheitert aber etwas daran, dass sie sich optisch einfach zu ähnlich sehen und man manchmal glatt vergessen kann, dass es überhaupt zwei unterschiedliche sind.

Allgemein fehlt mir bei VI gegenüber seinen Vorgängern das Besondere. Dragon Quest IV hat sein Kapitelsystem, Dragon Quest V seine überraschend gut ausgearbeitete Generationshandlung und Monster fangen. Dragon Quest VI hat ein Jobsystem, der Rest ist business as usual. Aber nicht das System wie in III oder IX, wo nur die Jobs gelevelt werden. In VI ist es geändert, wird später in VII so wieder Verwendung finden, und ich mag es weniger, als die Serienalternative. Charaktere haben ein normales Level, welches gewohnt über Erfahrungspunkte steigt. Unabhängig davon gibt es auch einen Job-Rang, der beim Aufstufen spezifische Skills beibringt. Der wird aufgestuft, in dem Monster bekämpft werden, jeder Kampf zählt sozusagen als ein Punkt, egal wie viele oder schwere Monster in ihm erledigt wurden. Um nicht an blauen Schleimen einfach alle Jobs auf Maximum zu grinden, spielt das Charakterlevel hier allerdings eine Rolle: Jedes Gebiet hat ein (verstecktes) Level-Maximum, ist der Charakter über jenem Level, zählen die Kämpfe nicht mehr zur Aufbesserung des Jobs. Sozusagen ist Level-Grinding in VI sogar ein Nachteil, da die Charaktere auf diese Weise zu stark werden können, um auch ihre Jobs aufstufen zu können.

Gut, in den Remakes der Dragon Quests ist Level-Grinding sicherlich sowieso kaum nötig, nur sollte man eben nicht unbedingt erwarten, jede Probe im ersten Anlauf zu bestehen, sondern zwischendurch immer wieder auch mal in die Städte zurückkehren. So sammelt sich dann automatisch Erfahrung an, ohne blöde in Kreisen laufen zu müssen. Dennoch ist es etwas seltsam, sich bei DQVI zu stark machen zu können, um die hilfreichen Jobs aufbessern zu können. Da wäre ein anderes System netter und überschaubarer gewesen, finde ich.

Es ist allerdings der Zenithia-Teil, der am besten aussieht. Die basieren ja alle drei auf der gleichen „2D-Sprites in 3D-Welt“-Engine, jedoch holt man hier tatsächlich alles raus, wirkt die Welt häufiger Detaillierter, die Kamerafahrten dynamischer, als in den Vorgängern. Dazu butterweich animierte Gegnersprites in den Kämpfen und das Gruppen-Gesamt-gesehen hässlichste Toriyama-Charakterdesign der Reihe abgesehen von Teil VII. Und natürlich ein passender, häufig nicht lange in Erinnerung bleibender, Soundtrack von Sugiyama. Die üblichen DQ-Köche eben.

Fazit:
Ein Dragon Quest ist ein Dragon Quest ist ein Dragon Quest. Wie häufig hab ich das hier schon unter Reviews der Reihe gesetzt? Die Aussage dahinter ist, dass sich die Teile im Kern doch so sehr ähneln, dass die Annahme groß ist, sollte man eines mögen, gefallen einem auch die restlichen mehr oder weniger gut. Mit Ausnahmen natürlich, ich kann II und VII absolut nicht ausstehen. VI ist keine Ausnahme von der Regel, insgesamt unterm Strich kam für mich immer noch ein gutes Dragon Quest raus. Aber eben kein sehr gutes, dafür fehlt mir hier einfach irgendwas.

7 von 10 Punkten

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