El Shaddai: Ascension of the Metatron

  • Plattform: PlayStation 3
  • Release: 28.04.11 (J), 16.08.11 (US), 09.09.11 (EU)

Wenn sich Designer von so stylischen Titeln wie Devil May Cry, Okami und Viewtiful Joe zusammentun, um ein neues Eisen zu schmieden, dann wird man natürlich hellhörig. Wenn die Presse das Ding über die ganze Pracht dann auch noch in hohen Tönen lobt, wird die Erwartungshaltung dann nur noch weiter geschürt. Wenn das Ergebnis dann aber so Style over Substance ist, dann hinterlässt das doch einen eher fahlen Beigeschmack. Wups, sind wir etwa schon beim Fazit?

Die Optik in El Shaddai ist tatsächlich enorm! Ein bewegtes Kunstwerk als Label trifft hier tatsächlich mal voll und ganz zu. Diese Stages zu durchlaufen ist einfach atemberaubend und bieten einem immer etwas Neues von Interesse, was angehimmelt werden kann. El Shaddai muss auf einem großen HD-TV gespielt werden, hier verlangt tatsächlich ein Spiel quasi absolut danach. Alles andere wäre Verschwendung. Jeden Screenshot könnte man sich tatsächlich gerahmt an die Wand hängen.

Aber worum geht es denn überhaupt? Tja, die gefallenen Engel beeinflussen die Menschheit auf die eine oder andere Art und Weise, die Gott mal so gar nicht gefällt. Und so als ultimativer Plan ist dem eingefallen, dass man die Welt einfach überfluten kann, um diese Probleme loszuwerden. Was ein Arsch. Jedoch gibt es zunächst noch den Notfallplan, Enoch und Lucifel einfach zu schicken, um sie mit handgreiflichen Argumenten aufzuhalten. Zumindest Enoch tut dies beim Erklimmen des Turms der gefallenen Engel, Lucifel ist eher der Kerl für moralische Unterstützung und derjenige, der mit seinem Handy Gott auf dem Laufenden hält.

Jau, schon eine etwas anachronistische Welt mit dem Handy Lucifels, Enoch in Jeans oder dem Level in der futuristischen Tron-Welt. Macht aber nichts, El Shaddai hat eben seinen ganz eigenen Style und das, was erzählt wird und in welcher Szenerie es stattfindet hat sowieso nie wirklich einen Bezug zueinander. Die Welten sollen halt toll aussehen, aber irgendwie sind die in ihnen geschehenden Ereignisse nicht greifbar, da sie so bar jeglicher Relevanz erscheinen. Da die eigentlich einfache Handlung sowieso unnötig vernachlässig rübergebracht wird, so dass der Spieler eh nicht immer richtig weiß, was er noch mal genau warum tut und wie er in die aktuelle Situation geraten ist, sogar häufiger mal das Recap von Lucifel am Ende eines Stages Sachen sagt, die man so gar nicht gezeigt bekommen hat… tja, um die Handlung geht es El Shaddai ganz offensichtlich eh nicht.

Aber wohl auch nicht so richtig ums Spielerische. Um die grafische Pracht so richtig voll in sich aufnehmen zu können, hat sich El Shaddai nämlich dazu entschieden, keinerlei HUD in den Weg zu packen. Bedeutet keine Lebens- oder Magieleiste, denn Magie gibt es nicht und wie angeschlagen Enoch (oder sein Gegner) ist, wird damit angezeigt, wie viel von seiner Keramikrüstung zerstört ist, zudem färbt sich der Bildschirmrand rot bei niedriger Standkraft. Einsetzbare Gegenstände gibt es übrigens auch nicht. Es gibt zwar drei verschiedene Waffen, doch ein Waffenrad ist hier nicht zu sehen, stattdessen kann Enoch immer nur eine aktuell tragen und muss zum Wechseln den Gegnern ihre Klauen, da jene die gleichen drei Typen verwenden. Allerdings, für ein Spiel, das so viel Wert auf Diversität in den Locations legt, beschränkt es sich durch das Zurückfallen auf die gleichen drei Waffentypen bei den Gegnern doch leider stark darauf, eben immer die gleichen drei Arten zu recyceln. Je nachdem, welche Waffe er hat (schneller Nahkampf, schwache Projektile oder langsamer jedoch auch defensiv einsetzbarer Nahkampf) und welche Tastenkombinationen oder –dauer man drückt, gibt es für die arg eingeschränkten Möglichkeiten sogar relativ viele verschiedene Angriffsmöglichkeiten. Es kann also auch wesentlich eleganter gekämpft werden, als nur Button-Mashing zu betreiben.

Damit wäre allerdings auch ein Durchkommen, denn seltsamerweise hat El Shaddai keinerlei Nachteil für den Tod aufzufahren. Enoch kann mit einem kurzen QTE sofort an Ort und Stelle wiederbelebt werden. Anders als bei Sword of Etheria allerdings nicht bei jedem Versuch mit weniger HP oder nur begrenzte Male oder wird es schwerer und schwerer, nein er regeneriert voll und so häufig, wie man bereit ist, die Tasten zu drücken. Das entrückt einen natürlich nur noch mehr vom Spielgeschehen, als dies eh schon der Fall war, weil ob man sich gut oder schlecht anstellt ja keinerlei Konsequenzen oder Belohnungen aufzuwarten scheint. Erst im New Game + gibt es ein Scoring am Ende von Stages und gewinnbare Kostüme, nicht im ersten Durchlauf schon.

Wenn es um das Erkunden der Welt geht, kommt einem zudem die Grafik aktiv in den Weg. Abgesehen davon, dass die Stages sowieso absolut geradlinig sind und somit nicht wirklich nach versteckten Sachen gesucht, sondern an der vorgegebenen Linie durchgelaufen wird. Nein, die Sprungpassagen sind der Horror. Nicht mal so in den eingeschobenen Sidescrolling-Segmenten, da hier ja immer gegeben ist, wie gesprungen gehört. Nein, im „normalen“ Spielverlauf ist es häufig einfach so, dass Sprünge nicht abgeschätzt werden können, weil die schöne Tapete das gar nicht zulässt. Wie weit bringt mich mein Sprung? Drifte ich dabei zu sehr nach links? Ist das jetzt ein Loch oder nur eine Pfütze? Warum zeigt mir die Kamera das Segment nicht besser? Ganz einfach, weil El Shaddai mehr damit beschäftigt ist, die visuelle Seite hervorzuheben, statt einen darin auch gut spielen zu lassen.

Passend zur mächtigen Grafik gibt es auch wirklich tolles Voice Acting, einstellbar sowohl in Japanisch wie Englisch und eine atmosphärische Mucke. Das Vibrieren des Controllers ist allerdings echt nervig. Erneut kaum eingesetzt während des Spielens, aber dafür in jeder Cutscene, in der was größeres passiert zum Punkt getrieben, wo es nichts mehr bedeutet und man sich fragt, ob das Teil nicht eine frigide Frau zu beglücken versucht.

Fazit:
El Shaddai ist ein Spiel, das man gesehen haben muss und zwar so hochauflösend, wie man nur kann. El Shaddai ist allerdings auch ein Spiel, das man absolut nicht gespielt haben muss, da es selbst viel mehr Wert darauf legt, hübsch auszusehen, denn wirklich auf irgendeinen anderen Aspekt. Das Ding auch zu spielen bringt einem tatsächlich absolut keinen Mehrwert, jemandem dabei zuzusehen reicht komplett aus. Schade drum. Aber schöne Wallpaper kann man raus ziehen.

5 von 10 Punkten

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