Final Fantasy XIII-2

  • Plattform: PlayStation 3
  • Release: 15.12.11 (J), 31.01.12 (US), 01.02.12 (EU)

Als die Mega-Pleite The Spirits Within ein riesiges finanzielles Loch riss, beschloss man mit Final Fantasy X-2 ein direktes Sequel zu einem Final Fantasy zu machen und zwar eines, das schnell und kostengünstig zu produzieren ist, da es auf den Assets des Vorgängers aufbaut. Da verwundert es wohl nicht das, nachdem Final Fantasy XIV so katastrophal startete und Square Enix über ein Jahr keine der geplanten monatlichen Gebühren erheben konnte, ein eben solches zu Final Fantasy XIII produziert wurde, zumal Versus XIII schon geraume Zeit einen auf Duke Nukem Forever macht.

Serah hat es nicht leicht, sieht sie doch selbst drei Jahre nach den Ereignissen von Final Fantasy XIII wie eine 12-Jährige aus, was ihren Verlobten Snow als Pädophilen in den Knast brachte. Nur ein Scherz, in einem japanischen Spiel doch nicht. Nein, auch gescherzt. Also das ist der Deal: Das Ende von Final Fantasy XIII ist nie passiert. Zumindest nicht so, wie es uns das gezeigt hat. Cocoon wurde zu Kristall und alle Menschen auf Pulse evakuiert, doch hat auch Lightning sich dafür geopfert. Zumindest ist das die Version, an die alle glauben, lediglich Serah meint, so wäre es ja gar nicht passiert.

Und tatsächlich, Lightning lebt und kämpft in einem neuen Valkyrie Profile gegen Caius. Sie nimmt sogar Kontakt mit Bishoujo Senshi Serah auf, verwandelt ihr Kostümchen und schickt sie auf den Weg, die durcheinandergeratenden Zeitebenen mit dem Chrono Trigger wieder geradezubiegen, zerrt dazu Noel aus einem Kingdom Hearts, um ihr dabei zur Hilfe zu stehen.

So ähnlich war das zumindest. Im Prinzip geht es in Final Fantasy XIII-2 also um Zeitreisen und Noels und Serahs Versuch, die vermurkste Gegenwart und apokalyptische Zukunft zu verändern, in dem sie in der Zeitlinie hin und her springen und einfach mal wild drauf los verändern. Das ist natürlich auch eine super Ausrede dafür, warum die Ereignisse in XIII-2 nicht immer so ganz stimmig sein müssen oder gar mit denen aus dem Vorgänger auf Spur laufen – alternative Realitäten! Um ehrlich zu sein, ganz so blöd, wie man das vielleicht erwarten würde, ist die Handlung von XIII-2 gar nicht mal, so lange man nicht jede Zeitreiselogik und Bösewichtmotivation allzu sehr hinterfragt. Und im Gegensatz zu Kingdom Hearts geben hier die Charaktere wenigstens hin und wieder zu, dass sie auch nicht alles kapieren, statt mit pseudo-philosophischem Gebrabbel ohne Aussage davon abzulenken, dass nix durchdacht worden ist. Square Enix wird doch nicht plötzlich etwa Self Awareness entwickeln? Und dafür, dass die Handlung gegen Ende erneut immer wackliger wird, hat das eigentliche Ende zu bringen, das hier passiert, definitiv Eier. Hätte ich Final Fantasy gar nicht mehr zugetraut, so ein dickes Ding zu legen. Selbst die Charaktere sind nicht wirklich nervig, ich mochte sowohl Noel und selbst Serah etwas und der Mogry ging mir ebenfalls nie wirklich auf den Keks. Sprich, ich war angenehm überrascht.

Nun haben sich die Spieler hauptsächlich darüber beschwert, wie sich Final Fantasy XIII spielt. Und da wurde dann natürlich in XIII-2 dran geschraubt. Die Grundlagen sind die gleichen: Paradigmen-System und Kristarium. Die Paradigmen funktionieren sogar absolut identisch: Noel und Serah können verschiedene Jobs annehmen, absolut auf Heilen, Buffen, Debuffen, physisch Angreifen, magisch Draufbretzeln oder Verteidigen beschränkt, die während des Kampfes jederzeit situationsbedingt zu einem der vorbereiteten Dreiersets abgeändert werden können. So wirklich viel strategisch Denken muss man hier allerdings abgesehen von einigen Bossen nicht, sondern kommt viel einfacher durch, als im Vorgänger, der oft doch tatsächlich sehr spezifische Setups verlangte. Wie gewohnt läuft zudem das Kampfgeschehen grundsätzlich im Auto-Battle ab, wobei auch zeitraubend selbst die Kommandos eingegeben werden können, allerdings nur für den Charakter, den man gerade aktiv steuert, die anderen beiden übernimmt die KI.

Aufgebessert werden die Rollen im Kristarium, das nun etwas anders funktioniert. Statt einen eigenen Baum pro Beruf zu haben, der wenig verzweigt ist, gibt es hier nur einen einzigen ohne jegliche Abzweigungen. Dafür kann allerdings entschieden werden, mit welcher Jobklasse die Stufen aufgefüllt werden sollen, was verschiedene Statusupgrades und natürlich Fähigkeiten offeriert.

Ein leichter Rückschritt ist allerdings, dass Kämpfe nun wieder zufällig sind, statt frei in der Welt rumzulaufen. Genau genommen warpen die Gegner so gesehen plötzlich neben einen, es ist also immer noch möglich, ihnen aus dem Weg zu gehen, wenn man sich gut genug anstellt. Dennoch waren die jederzeit sichtbaren Gegner natürlich etwas schöner.

Aufmerksamen Lesern ist jetzt wohl aufgefallen, dass ich immer von drei Gruppenmitgliedern schreibe, jedoch nur Serah und Noel erwähne. Es ist soweit, XIII-2 macht das, was Dragon Quest schon 1992 und Megami Tensei 1987 taten: Es lässt uns Monster fangen! Jeder Gegner hat die Möglichkeit, nach erfolgreichem Kampf sich der Gruppe anzuschließen. Das ist allerdings (fast) nicht beeinflussbar, sondern geschieht eben wie in DQV weitestgehend automatisch. Die Monster übernehmen nun die dritte Position im Kampf. Monster sind auf einen Beruf beschränkt, dafür können gleich drei ins aktive Team ein- und ausgewechselt werden. Zudem lernt auch nicht jedes Monster gleichen Berufes zwangsläufig die gleichen Fähigkeiten, die aber durch Rumfusioniererei übertragen werden können. Das System ist also etwas tiefgängiger, als man zunächst glauben mag.

Somit wäre also etabliert, dass XIII-2 nun endlich Freiraum bietet. Die Welten haben Abzweigungen, statt Schlauchlevel zu sein. Die Gruppen- und Berufzusammenstellung ist fast von Beginn an selbst änderbar. Es gibt Nebenmissionen und optionale Dinge, die getan werden können. Ja, Final Fantasy XIII-2 hat sogar verschiedene, frühzeitige Enden, die errungen werden können. Sogar Mutiple-Choice-Antworten in Gesprächen! Das dies hier in einer Zeitreise-Welt spielt, kann zudem jederzeit frei zwischen den einzelnen Welten, die schon freigeschaltet sind und ihren alternativen Versionen gewechselt und sogar komplett von neu begonnen werden, um die Nebenaufgaben zu unternehmen, auf die der Spieler gerade lustig ist, oder alternative Ausgänge der Ereignisse und Gespräche zu erleben. Es ist also nix mehr damit, für 50 Stunden Schläuche ohne jegliche Abwechslung entlang zu rennen, stattdessen knackigere 30 Stunden des – neben einer natürlich immer noch geradlinigen Handlung – Freiraums!

Final Fantasy XIII-2 ist dabei vergleichsweise geschickt damit, Assets aus dem Vorgänger zu benutzen. Es mag etwas seltsam sein, dass kein Charaktermodell abgesehen von zwei Ausnahmen geändert wurde und somit gerade jüngere Charakter nicht gealtert zu sein scheinen, jedoch sehen die Welten durchaus nicht danach aus, als wären sie aus Versatzstücken von XIII entstanden. Stattdessen spart man sich natürlich dadurch Kosten, dass um das Problem einer jeweiligen Welt zu lösen, in parallele Versionen von ihnen gesprungen werden muss, die natürlich gleich aussehen und nur einen anderen Wettereffekt oder Ähnliches aufweisen. Trotzdem gibt es genug Welten und wenig genug Altarnativen jener, um dies nicht zu extrem zu gestalten.

Überhaupt sieht das Spiel natürlich ziemlich toll aus. Ist immerhin auch ein Final Fantasy und eines, das auf der Technik von XIII aufgebaut ist. Es mag ein paar Einbrüche in der Framerate geben und die Bewegungsmuster der Charaktere sind manchmal komisch, doch die meiste Zeit über kann an der Optik von XIII-2 wenig gemeckert werden. Sofern man nicht spezifisch auf das Charakterdesign, gezielt das Redesign von Snow, eingehen will.

Während die Sprachausgabe durch die Bank weg professionell ist, geholfen durch die Tatsache, dass die Amateurin Vanille diesmal vielleicht drei Sätze im ganzen Spiel hat, kann dies von der Musik leider nicht behauptet werden. Die ist, wie man so schön sagt, sehr Hit and Miss. Es gibt tolle Themes, wie beispielsweise Caius Boss Theme oder das des letzten Endgegners, dann gibt es das herrlich-dämliche Theme für den Chocobo Brutalis Rex, und auf der anderen Seite der Medaille ist das mäßige normale Boss Theme und wirklich der Reinfall ziemlich jeglichen anderen Stücks, in dem Gesang ist. Immer möglichst schnell in der Chronosphäre die nächste Welt anwählen, bevor der schreckliche Gesang anfängt!

Fazit:
Final Fantasy XIII-2 ist kein perfektes Spiel. Es ist auch keines, das die Wiedergeburt der Serie einleiten wird. Es hat nicht mal eine eigene Identität, sondern erinnert mal an Drakengard, Valkyrie Profile, Shin Megami Tensei, Chrono Trigger oder Final Fantasy XIII – alles nicht besonders Final-Fantasy-isch, was auch immer das genau überhaupt ist. Aber es ist ein Spiel mit Unterhaltungswert, das zumindest die meiste Zeit über Spaß macht. Ich gehe sogar so weit zu behaupten, es wäre das beste nummerierte Final Fantasy seit X. Besser als das lahmarschige XI, nie so dämlich wie X-2, nicht so unausgegoren wie XII, ohne die spaßigen Kämpfe mit ewig langweiligem Schlauchgerenne zu verwässern wie XIII, und von XIV sprechen wir lieber gar nicht erst. Allen Unkenrufen und auch meinen eigenen Erwartungen im Vorfeld zum Trotz ist Final Fantasy XIII-2 tatsächlich gut geworden.

7 von 10 Punkten

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