Aquanaut’s Holiday

  • Plattform: PlayStation
  • Release: 29.06.95 (J), 30.06.95 (US), 08.99 (EU)

Auch wenn die Konsolen von Sony immer gern dafür verschrien sind, nur Mainstream zu bieten, ist das natürlich reiner Blödsinn, auch hier wurde experimentiert, wenn auch nicht immer alles Nicht-Japanern gut verfügbar gemacht wurde. Ein Beispiel für die PS3 wäre da der Tierfotograf-Simulator Afrika oder ein ähnliches Unterwasserabenteuer Aquanaut’s Holiday: Hidden Memories, das natürlich sofort an Endless Ocean auf der Wii und dessen Vorgänger Everblue auf PS2 erinnert. Nur ist Artdinks Franchise schon viel früher gestartet, mit zwei Aquanaut’s Holidays auf der ersten Sony-Konsole. Der erste Teil schaffte es im Gegensatz zu seinen Nachfolgern sogar rüber.

Das Game gebootet wird man als Spieler sofort im wahrsten Sinne des Wortes ins kalte Wasser geworfen, ist direkt auf Tauchgang, ohne zu wissen, was überhaupt zu tun und das Ziel ist. Erst nach dem Auftauchen gerät man ins eigentliche Hauptmenü, welches jedoch nicht viele Punkte parat hält. Neben der Möglichkeit zu Speichern oder sich eine Übersichtskarte des bereits entdeckten Gebietes anzusehen, bleibt nur noch das Riffbau-Minispiel und erneut ins kühle Nass zu springen.

Stellt sich nämlich bald heraus, es gibt hier überhaupt kein Ziel. Getaucht wird nur um der Freude an der Sache wegen. Es gibt keine Handlung zu verfolgen, keine Tiere zu registrieren, nichts. Was nicht automatisch bedeutet, dass es nichts zu entdecken geben würde. Neben den dann doch erstaunlich vielen verschiedenen Arten an Fischen und Meeressäugern, wären da beispielsweise noch diverse ominöse Landmarken, von recht konventionellen, antiken Ruinen eines Aquädukts oder Säulen zu schon außergewöhnlicheren Sachen wie unterseeische Fußabdrücke, Pyramiden oder ein riesiger, stationärer Quastenflosser, der es locker mit Godzilla aufnehmen könnte.

Das Problem an der Sache ist nur, wie steril alles wirkt, da es keine Interaktion mit der Umgebung gibt. Fast nicht zumindest, so können nämlich vier verschiedene Töne hervorgebracht werden, auf die verschiedene Spezies damit reagieren, dass sie entweder fliehen, oder interessiert näherkommen. Für den Fall, dass der Delphin oder Moby Dick von ganz nah betrachtet werden sollen. Aber wie gesagt, wirkliche Interaktion gibt es nicht in dem Sinne, in dem diese Tiere auch in einer Enzyklopädie registriert oder die Landmarken erforscht werden könnten, worauf Artdink leider erst im Nachfolger kam. So hatte ich zunächst durchaus noch das Gefühl, immer mal wieder einen neuen Tauchgang machen zu wollen, nur um zu sehen, ob ich was Neues entdecken kann. Doch da alles im wahrsten Sinne des Wortes nur so an mir vorbei zog, ging das nach wenigen Stunden flöten.

Es hilft nicht, dass es Aquanaut’s Holiday dem Spieler nicht gerade einfach macht, Dinge zu entdecken. Das unterseeische Gebiet ist riesig und leider viel zu ähnlich aussehend, um nicht nach wenigen Minuten direkt die Orientierung zu verlieren. Die sehr rar gestreuten Landmarken zu finden, ist also viel zu sehr von Glück, denn systematischer Suche abhängig. Die Karte hilft da überhaupt nicht, sieht dort das Gebiet doch einerseits auch zu gleich aus und kann sie während des Tauchens nicht aufgerufen werden, sondern lediglich zwischen zwei Schwimmsessions im Menü. Immerhin, Bojen darf man auswerfen, zum markieren besonderer Punkte beispielsweise, von denen direkt weitergetaucht werden darf, statt immer am HQ anzufangen.

Ein Ende gibt es an diesem Ziel- und Vorgabenlosen Spiel übrigens kurioserweise dann doch. Nämlich durch besagtes Minispiel des Riffbaus. Je mehr unterseeisches Gebiet aufgedeckt wird, umso mehr Legoblöcke stehen zur Verfügung, genug davon zusammengeworfen und die Anzahl an beheimateten Fischen steigt – sobald der Balken voll ist, gratuliert einem das Spiel und rollt Credits.

Was selbstverständlich auch nicht außer Acht gelassen werden kann, ist die optische Präsentation des Unterfangens. Gerade bei einer Tauchsimulation, in dem die Hauptmotivation daraus besteht, hübsche Fische zu sehen. Aquanaut’s Holiday erschien gerade Mal ein halbes Jahr nach Release der PlayStation und so frühes 3D auf der Konsole sieht natürlich schrecklich aus. Erneut schade, dass wir den viel ansehnlicheren Nachfolger nie bekamen. Die Fische sind pixelig und einfach gehalten, der Boden total kantig, von Weitsicht kann keine Rede sein. Musik spielt meist sowieso nicht, wenn sie dann mal einsetzt, ist es durchaus passendes Ambiente.

Fazit:
Aquanaut’s Holiday ist ein interessantes Konzept, das in der Exekution leider einfach langweilig ist. Und das schreibe ich, wo ich doch andere Tauchsimulationen wie Everblue und Endless Ocean mehr oder minder mochte. So absolut keine Vorgaben zu bekommen, mit nichts interagieren zu können und das Panorama unter Wasser so nicht wirklich Panorama sein zu haben, nimmt dem Ding eben leider doch schnell jeglichen Motivationsfaktor.

3 von 10 Punkten

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