Assassin’s Creed II

  • Plattform: PC
  • Release: 05.03.10 (EU), 09.03.10 (US), 30.04.10 (J)

So schnell, wie die Spiele in der Reihe mittlerweile rausgeprügelt werden, sollte man meinen, es hätte nie eine Zeit gegeben, in der mehr als ein Jahr zwischen einem Assassin’s Creed und dessen Nachfolger in die Lande strich. Doch tatsächlich, um die diversen Makel des Erstlings auszubessern, dauerte es doch zwei Jahre, bis der Nachfolger in den Regalen stand.

Desmond wird aus den Fängen der Templer befreit und um sich bei seinen rettenden Assassinen nützlich zu machen, direkt in eine neue VR-Maschine gesteckt. Der Zweck der Sache: Erneutes Miterleben eines Meuchelmörder-Vorfahrens von ihm, damit durch den Bleeding-Effekt Desmond all seine Fähigkeiten lernt.

Besagter Vorfahre ist Ezio, der zur Zeit der italienischen Renaissance in eine wohlhabende florentiner Familie geboren wird. Doch sind jene in die Intrigen um die Medici verwickelt und plötzlich muss Ezio zusehen, wie Vater und Brüder ermordet werden. Nachdem er Mutter und Schwester in Sicherheit gebracht hat, schlüpft er also in die Assassinenrobe seines Vaters, um sich an den Verschwörern zu rächen.

Sofort ist eine große Verbesserung in der Handlung von Assassin’s Creed II zu bemerken. Vorrangig, dass es im Gegensatz zum Vorgänger tatsächlich eine gibt. Der Recap zu Beginn des Spieles dauert höchstens eine Minute und lässt nichts von Wichtigkeit aus, so viel ist wirklich in Assassin’s Creed letztendlich an Substanz rumgekommen. Oh, sicherlich, die Handlung in der Gegenwart um Desmond und die Pieces of Eden ist weiterhin wenig interessant, noch kommt sie wirklich vom Fleck, oder wären die involvierten Charaktere wirklich gut ausgearbeitet, aber hier gibt Assassin’s Creed II zumindest auch nicht mehr vor, dass da in näherer Zeit was von Wichtigkeit passiert. Stattdessen steuern wir Desmond nur noch kurz zu Beginn, Mitte und für den üblichen Offenbarungs-Cliffhanger gegen Ende des Spieles, statt nach jeder Episode in der Vergangenheit in seine Schuhe zu schlüpfen, um nichts zu tun.

Nein, der zweite Teil strahlt hauptsächlich in der Handlung um Ezio, die so viel besser ist, als das Wenige, was Altair zu Zeiten der Kreuzzüge gemacht hat. Die mehrere Jahrzehnte umspannende Rachehandlung ist wesentlich interessanter, wirkt involvierter und bietet Charaktere, die sogar Charakter haben. Sobald es um Ezio geht, ist man als Spieler sofort voll in die Story investiert. Ein paar kleine Ungereimtheiten und ein dem Vorgänger sehr ähnlicher himmelschreiender Unfug gegen Ende mal großzügig übersehend.

Auch auf der spielerischen Ebene gibt es Verbesserung, obwohl es zunächst eher marginal erscheint. Als echter Assassine kann Ezio natürlich gewohnt alle möglichen Vertikalen erklimmen, von Türmen springen, über Dächer parkouren aus dem Hinterhalt ungesehen oder doch ganz plump mitten im Geschehen Leute dahinmeucheln. Grundsätzlich spielt es sich hier ziemlich gleich. Selbst die kleinen Mäkel, dass er hin und wieder zu pappig kleben bleibt oder allgemein wo hoch will oder wieder abspringt, wo dies gar nicht gewollt war, was besonders Verfolgungsjagden über die Dächer verkompliziert, ist erneut vorhanden. Dies wird wohl nie ganz ausgemerzt werden können, immerhin kann in den Spielen so ziemlich jede Oberfläche der großen Städte wie Florenz oder Venedig erklommen werden, da kann es hier und da schon mal hakeln, statt ein wesentlich kontrolliertes Umfeld wie in den klarer gesteckten Sprungspassagen anderer Spiele zu haben.

Schön zumindest ist, dass es sich nicht mehr so gleich zu spielen scheint. Assassin’s Creed II bringt genügend Abwechslung in den Ablauf der Kletterei und des geschickten Mordens, als das dies über die gut 18 Stunden Spielzeit nicht wirklich langweilig wird. Hilft natürlich, dass nun strickt der Handlung gefolgt werden kann, statt zunächst einige der immer gleichen Nebenmissionen machen zu müssen, die hier alle optional sind. Allgemein spielt sich alles nun flüssiger, auch die Kämpfe. Erneut mag es etwas unschön sein, von großen Gegnergruppen umzingelt zu werden, da sie seltsamerweise einer nach dem anderen attackieren, nur selten zwei auf einmal, und kontern immer noch die beste Lösung darstellt. Doch da nun mit Taunts Gegner in den Angriff gezwungen werden dürfen, statt tatsächlich nutzlos rumzustehen und auf einen Angriff warten zu müssen, geht das schon mal schneller. Nicht zu vergessen, dass es verschiedene Waffenarten gibt, auf die unterschiedlich reagiert gehört und Ezio mit kaufbarer Ausrüstung selbst aufgebessert wird. Zudem kann Ezio schwimmen, ansonsten wäre natürlich Venedig die Hölle schlechthin. Da es die Wachen dennoch nicht beherrschen, ist Wasser nun vom größten Feind zum einfachsten Fluchtweg geworden.

Assassin’s Creed macht weiterhin eine verdammt feine Figur, mit tollen Stadtpanoramen und flüssigen Animationen, diesmal auch einer sehr cineastischen Präsentation des Handlungsverlaufs, welcher im Vorgänger noch eher trocken rüber kam. Und ein Filmreifer Soundtrack sowie gute Synchronisation helfen der Atmosphäre natürlich enorm.

Fazit:
Nach dem Erstling war ich zunächst nicht so sicher, ob sich für mich das weitere Folgen der Reihe überhaupt lohnt. Doch Assassin’s Creed II ist, ein wenig bleibender Hakeligkeit zum Trotz, tatsächlich eine enorme Verbesserung geworden, gerade was einen packenden Spielverlauf angeht.

8 von 10 Punkten

Werbeanzeigen