Persona 3 Portable

  • Plattform: PlayStation Portable
  • Release: 01.11.09 (J), 05.07.10 (US), 28.04.11 (EU)

Bald wird es Atlus geschafft haben, die ganze Persona-Franchise auf Handhelds zu bringen. Den Anfang machte Cashcow Persona 3, welches nach der normalen PS2-Version und nachgereichten FES-Erweiterung auch die portable Konsole von Sony beglücken dufte.

Im Gegensatz zu FES, wo ich für Handlung und grundlegende Dinge einfach ganz faul auf das Mammutreview der ersten Inkarnation verwiesen habe, hier noch mal schnell ein Überblick: Gerade auf eine neue Schule versetzt, findet Mr. oder Ms. Hauptcharakter heraus, dass es neben den zwölf normalen Stunden des Tages noch die Dark Hour gibt, die von normalen Menschen nicht wahrgenommen wird, sondern nur jenen, die eine Persona beschwören und damit gegen die auftauchenden Shadows kämpfen können. Jetzt darf mal schwer geraten werden, zu welcher Sorte Person der Spielercharakter gehört.

Die Handlung in Persona 3 und 4 ist dabei grundlegend nicht wirklich umfangreicher, als in einem durchschnittlichen RPG von 30-40 Stunden, wobei die Spiele aber gut mit der doppelten Spielzeit davon aufwarten. Denn neben dem (sehr) langsamen Herausfinden der Mysterien hinter der Dark Hour und dem monatlichen Kriechen durch das Megadungeon Thartarus, um auf den nächsten Boss vorbereitet zu sein, muss im modernen Persona auch noch ein soziales Leben geführt werden. Statt also nur Shadows zu vermöbeln, neue Personae zu fusionieren, Ausrüstung zu kaufen und Nebenquests für NPCs zu erledigen, wird hier nebenbei noch Teilzeitjobs nachgegangen, für die Schule gelernt und die eine oder andere Freundschaft in den sogenannten Social Links, die alle sehr an Visual Novels erinnern, geschlossen. Alles sehr unterhaltsam und eine wunderbare Abwechslung zum Dungeon Crawling.

Was genau ist denn nun aber neu in Persona 3 Portable gegenüber des Originals? Neben den neuen Quests, Rüstungsfusion und Kostümen aus der FES-Version (allerdings minus des Post-Game-Contents „The Answer“, welches nicht wirklich einen Verlust darstellt) eben noch mehr von jenen. Auch von eher kosmetischer Natur ist, nun wahlweise einen weiblichen Hauptcharakter zu wählen, was natürlich die Handlung nicht ändert, aber alle Menüs Pink einfärbt und ein paar der Social Links ändert. Schon eine ganz nette Abwechslung für jene wie mich, die bereits in zwei anderen Editionen den Kerl gespielt haben.

Wesentlich wichtigerer Natur sind da Änderungen im Gameplay zu den Zeiten in Thartarus. Ich mag nämlich unter Persona 4 geschrieben haben, dass ich Persona 3 wegen Charakteren und Atmosphäre leicht vorziehe, jedoch bietet Persona 4 eindeutig das benutzerfreundlichere Spielgeschehen und da Persona 3 Portable danach erschien, wurde jenes netterweise einfach übernommen. Andere Charaktere werden also beim langfristigen Verweilen im Dungeon nicht mehr müde, müssen dafür aber gegen Bares geheilt werden, statt dass dies in der Lobby umsonst passiert. Es kann netterweise jederzeit auf dem höchsterreichten Stockwerk eingestiegen werden und am allerwichtigsten sind Gruppenmitglieder nun selbst steuerbar, statt von der KI übernommen zu werden, was im Original vor allem auf höheren Schwierigkeitsgraden tödlich enden konnte mit ihrem Hang zum Buffen und Debuffen, wenn es teilweise gar nicht nötig war. Game Over heißt es immer noch, wenn der Hauptcharakter dahinscheidet, allerdings werfen sich die anderen Charaktere gerne mal dazwischen, um dies zu verhindern. Ansonsten weitestgehend wie gehabt: Gegner MegaTen-üblich am besten mit der Schwäche treffen, um Zusatzangriffe reinzubekommen, bis sie erledigt sind und diverse unterschiedliche mythologische Figuren heranzüchten, die genau dafür eingesetzt werden.

Weitere Änderungen gibt es in der Art und Weise, wie die Ortschaften außerhalb des Dungeons erkundet werden. Nämlich gar nicht. Stattdessen sind jene als vorgerenderte Bildschirme präsentiert, auf denen die Ziellokalität oder –person angewählt wird. Alle Gespräche und auch Storycutscenes finden somit nun (mit zwei Ausnahmen) ganz wie die Social Links in einer Visual-Novel-Ansicht statt, in der mit vielen Textboxen und einigen Charakterportraits erzählt wird, was nun geschieht. Dies ist einigen Leuten aufgestoßen, die es atmosphärischer finden, wenn Geschehnisse nicht nur erzählt, sondern auch über Charaktermodelle oder Animesequenzen gezeigt werden und Unrecht haben sie damit natürlich nicht, doch störte mich das Downgrade nicht wirklich wesentlich. Gerade dadurch, dass es immer noch enorme Mengen an (meist guter) englischer Sprachausgabe gibt, hilft die Szenen nicht  komplett jegliche Atmosphäre zu entziehen. Ob die Änderung nun wirklich nötig war, so viel Platz können die Cutscenes und paar Räumlichkeiten gar nicht weggenommen haben und im Notfall hätte ja besagte Sprachausgabe etwas runtergeschraubt werden können, um Platz zu machen, sei dann mal dahingestellt.

Gut aussehen tut Persona 3 natürlich dennoch, auch wenn schnell sichtbar ist, dass Modelle und Umgebung an Detail einbüßen mussten, selbst im Thartarus. Die Megami Tenseis sind sowieso nie die Speerspitze der technischen Ausschöpfung einer Konsole gewesen, sondern zeichnen sich durch eine enorme stilistische Umsetzung aus und die ist natürlich noch immer da. Sprachausgabe ist wie gesagt auch fast immer gut gelungen und der Soundtrack sowieso super, bietet für die weibliche Route sogar einige neue Tracks.

Fazit:
Ich gehöre nicht zu den Leuten, die sich Re-Releases von Spielen kaufen, die sie bereits besitzen. Von Persona 3 gehören mir nun aber alle drei Inkarnationen. So sehr liebe ich die Franchise. Portable zu kaufen habe ich nicht bereut, immerhin ist es nicht nur das gewohnt tolle und unterhaltsame Gemisch aus RPG und Social Sim, sondern hier auch mit dem benutzerfreundlichsten Gameplay versehen. Ich würde sogar so weit gehen, zu behaupten, dies ist deswegen die beste Version des Spieles, wenn man damit leben kann, dass die Handlung und Charakterisierung nun fast ausschließlich durch Text mit der Unterstützung ein paar weniger Standbilder stattfindet.

9 von 10 Punkten

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