Pokemon Gelbe Pikachu Edition

  • Plattform: GameBoy
  • Release: 12.09.98 (J), 19.10.99 (US), 16.06.00 (EU)

Die Pokemon-Editionen waren sofort ein Hit und so verwundert es wohl nicht, dass bald darauf auch eine TV-Serie auf der Bildfläche erschien, die auf ihnen basiert. Da es dann doch etwas Zeit benötigt, eine vollwertige neue Generation an Spielen zu schaffen und im Anime sowieso Änderungen vorgenommen wurden, hatte jemand die grandiose Idee aus der Anfangsgeneration noch etwas mehr Geld zu schlachten, in dem die „Gelbe Pikachu Edition“ angefertigt wurde, mit dem Maskottchen der TV-Serie als Zentrum.

Genau darauf läuft die Gelbe Edition nämlich dann hinaus, sie verwertet die Edition Grün/Rot/Blau einfach wieder und ändert ein paar Kleinigkeiten um, um sie der TV-Serie näher zu bringen. Als Starter gibt es also hier keine Auswahl aus den bekannten drei Typen, sondern ein Pikachu, welches nicht evolvieren kann, aufs Auge gedrückt, alle drei Starter gibt es stattdessen zu verschiedenen Zeiten im Spiel geschenkt, was Gelb trotz der Anfangsschwierigkeit, dein Elektropokemon gegen eine Felsarena kämpfen lassen zu müssen, später wahrscheinlich zum einfachst zusammengestellten starken Team verhilft. Trainer, besonders Arenaleiter und Gary Oak, haben jetzt Teams, die mehr ihren in der Serie entsprechend und neben den normalen Rocket-Grunts hüpfen einem Jessy und James immer mal wieder in den Weg. Im Prinzip waren jene kleine kosmetische Änderungen dies dann auch schon, Misty und Rock schließen sich einem beispielsweise nie auf der Reise an.

Ich bin immer schnell mit der Behauptung, dass sich zwischen zwei Pokemongenerationen nicht wirklich was Nennenswertes ändert. Die Spiele gehören zu jenen Serien an Video Game Comfort Food, die sich nie genug ändern, um wirklich zu riskieren, dass einem ein neuer Teil absolut nicht gefallen wird, man lediglich das Prinzip an sich vielleicht über die Jahre leid wird. Von einem 2012 Pokemon Weiß 2 zurück an die Quasi-Anfänge mit Pokemon Gelb zu gehen, war dementsprechend eine interessante Möglichkeit, jene Theorie mal zu testen.

Und tatsächlich, obwohl sich schon ziemliche Unterschiede bemerkbar machten, waren sie gleichzeitig auch wieder marginal. Ein Pokemon-Trainer macht sich auf, um 8 Arenen zu meistern und die Top 4 zu besiegen, Legendaries zu fangen, wird auf seiner Reise ein Fahrrad und eine Angel geschenkt bekommen, Fossilien auferstehen lassen, sieht einen Luxusdampfer und ein Casino, braucht Zerschneider, Blitz, Stärke und Surfer, um an gewissen Punkten weiterzukommen. Das Hauptabenteuer und seine Stationen wechseln in den Spielen tatsächlich erstaunlich wenig über die Jahre.

Was wirklich in Gelb anders ist, sind viele Benutzerfreundlichkeiten, die hier noch nicht vorherrschen und ein allgemein weniger gut ausgedachtes Weltendesign. Beispielsweise gibt es hier noch keine Sprint-Schuhe, womit erst recht spät im Spiel, wenn das Fahrrad überreicht wird, eine Fortbewegung möglich ist, die nicht an eine Schnecke erinnert. Der stark limitierte Itemplatz, auch in der Frischhaltebox im Pokemoncenter, wird schnell zu einem Problem, wenn einem an jeder Ecke fünf TMs hinterhergeworfen werden. Boxen können nur manuell gewechselt werden, ist eine voll, kann das neueste gefangen Pokemon nicht mitkommen. Schnelles Leveln dank Ohrdochs ist nicht möglich. Allgemein ist die Welt unglaublich klein und kompakt wirkend. Städte sind ein paar Häuser in der Prärie, die kurzen Routen vollgestopft mit Trainern, die Dungeons alle super schnell durchschritten (dafür alle drei Schritte ein Zufallskampf). Das wirkt alles wenig durchdacht. Oder als ob man keine Zeit mehr hatte. Besonders gegen Ende, wenn nach einer recht geradlinigen Erfahrung plötzlich gleich drei Arenen auf einmal zur Verfügung stehen, dafür aber auch alle drei ein ziemlicher Sprung zur letzten davor ausmachen. Wenn die Top 4 noch mal enorm an Schwierigkeit springen. Wenn, nachdem zwei von drei legendären Vögeln ein eigenes und optionales Dungeon geschenkt bekommen haben, der dritte einfach schnell auf die Siegesstraße geschmissen wird (unterstützt dadurch, dass dies im Remake geändert wurde).

Natürlich macht das Spiel auch auf technischer Sicht nicht mehr viel her heutzutage. Ganz niedlich ist es zum Teil allerdings noch, so mit dem einen folgenden Pikachu, der sogar Töne von sich gibt und den überarbeiteten Pokemon-Sprites, die sie doch eine Ecke ansehnlicher machen, denn in Rot/Blau.

Fazit:
Die Pokemon-Erfahrung ist dann doch in jedem Spiel sehr ähnlich. Was bedeutet, dass in Gelb tatsächlich nicht früher alles besser war, sondern ziemlich gleich, nur rückwirkend viel benutzerunfreundlicher. Von daher sehe ich genau genommen keinen wirklichen Grund, auf eine so alte Edition zurückgreifen zu müssen. Selbst Nostalgiker sind mit dem Remake Feuerrot/Blattgrün besser bestellt, auch wenn dem ein einem folgendes Pikachu fehlt.

5 von 10 Punkten

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