The Walking Dead

  • Plattform: PC
  • Release: 11.12.12 (US)

Man sollte meinen die breite Masse wäre Vampire und Zombies langsam mehr als leid geworden, werden sie uns doch von links und rechts um die Ohren gepfeffert. Telltale Games springen da auf den Zug mit auf, mit einer neuen Adventure-Staffel, basierend auf dem beliebten Comics made TV-Series The Walking Dead.

So wirklich Spiel kann man The Walking Dead allerdings nur bedingt bezeichnen, trifft interaktiver Film die Sache doch eher. Man denke an Fahrenheit oder Heavy Rain. Oder Telltales voriges Spiel zu Jurassic Park, obwohl wir The Walking Dead lieber mal nicht mit einem solchen Totalreinfall assoziieren. Sprich The Walking Dead erzählt wieder eine Geschichte, bei der der Spieler immer mal wieder eingreifen darf, um ein paar kleinere Variablen zu ändern, doch wirklich viel selbst gespielt wird hier nicht.

Die Eingreifmöglichkeiten sind also wenig mehr gegenüber den Multiple Choices eines Visual Novels. Hauptcharakter Lee kann also selbst durch die kleinen Areale bewegt werden, um die Gespräche mit den anderen Beteiligten zu initiieren, hier und da wird in einer Action-Sequenz auch mal ein Quick Time Event ausgelöst und pro Episode dürfen vielleicht auch eineinhalb Puzzle gelöst werden, wenn man die großzügig als solche bezeichnen will. Den Groß ausmachen tun aber eben die Gespräche und diversen Antwort- und Reaktionsmöglichkeiten gegenüber den Charakteren.

Ändern tut sich dadurch an der Haupthandlung eigentlich nichts, wie man schnell feststellen wird, lediglich kleinere Dinge wie welcher Charakter wie auf Lee reagiert, wer wann zur Hilfe eilt oder ob Charakter A oder B eine Weile länger überlebt. Auf die Haupthandlung oder das Ende der Geschichte hat dies keinen Einfluss. The Walking Dead erzählt seine vorgegebene Geschichte, nicht die vom Spieler beeinflusste Erzählung. Ein gutes Beispiel hierfür ist, wenn man einen Charakter im Wald findet, der in einer Bärenfalle steckt, während Zombies sich nähern. Wer jetzt ganz pragmatisch dessen Bein direkt mit einer Axt durchschlägt, rettet ihn, wer hingegen erst langwierig an der Falle rumfummelt, verliert ihn an die Zombies. Macht jedoch keinen Unterschied, da er fünf Minuten später eh am Blutverlust stirbt. So merkt man nach und nach dann doch, dass die eigenen Entscheidungen wirklich nicht viel ausmachen.

Zusätzlich kommen noch kleinere Probleme, wie das hin und wieder doch Adventure Game „Logik“ durchscheint, die die Immersion in die Geschichte doch arg bricht, was aber glücklicherweise nach Episode 1 stärker nachlässt. Und dann noch die Tatsache, dass viele Ereignisse, inklusive dem Ende der Handlung, wirklich sehr vorhersehbar sind.

Und um ehrlich zu sein hat mir all dies nichts ausgemacht. The Walking Dead lebt durch seine weitestgehend gut geschriebenen Charaktere. Alle mögen wird man sicherlich nicht, dies ist auch nicht Sinn der Sache, doch nachvollziehbar wirken sie doch alle. Schnell findet man sich vor der Entscheidung, wie man Situationen und Gespräche nun handhabt. Eiskalt pragmatisch sein oder doch den Gutmensch eben, damit man Clementine nicht enttäuscht. Dem Charakter zur Rettung eilen, den ich mag, oder dem, der hilfreicher erscheint. Einem, der mir in den Rücken gefallen ist, eine auswischen, selbst wenn mir das auch Unannehmlichkeiten bereitet. Das ist nämlich das, was solche interaktiven Filme ausmacht: Ich fühle mich wesentlich mehr am Geschehen beteiligt und mich eher eingebunden, weil ich ja selbst die Entscheidungen treffe, selbst wenn all das letztendlich so wie hier mehr Schall und Rauch ist, denn wirklich wichtig zu sein. Ich will wissen, wie es weiter geht, selbst wenn ich es mir im Groben schon denken kann. Ich möchte jenen Charakter retten oder den anderen leiden sehen. Ich fühle mich beteiligt, verantwortlich sogar.

Und da funktioniert dann der episodische Aufbau auch plötzlich recht gut. Mit einem „richtigen“ Adventure Game von Telltale habe ich häufig die Anfangsepisoden über das Problem, dass sie unglaublich leer wirken, weil noch nicht viel passiert und die wenigen, einfachen Rätsel der Bezeichnung kaum wert sind. Eine Episode von The Walking Dead wirkt da nicht so spartanisch, da ich ja sowieso nur viel Text lese und Multiple Choice Antworten auswähle.

Dass die Spiele von Telltale Games nicht unbedingt High End sind, ist nun bekanntlich nicht neu. In cartoonigen Sachen wie Sam & Max oder Monkey Island ist das nicht wichtig, in einem realistischeren Design von Jurassic Park fällt schon eher auf, dass das Ding kaum über PS2-Niveau geht. Für The Walking Dead hat sich Telltale deswegen an dessen Comic-Ursprung gehalten und mit dem stilisierten Cel-Shading eine Welt geschaffen, die ihr ein annehmbares Aussehen gibt, ohne dass es allzu toll auf der technischen Seite sein müsste, zumal es somit jedem besseren Toaster läuft, auch Laptop-Gamer wie ich müssen also nicht hintanstehen. Besonderer Aufmerksamkeit gehört allerdings der Sprachausgabe, die eine der besten ist, die man in einem Spiel finden wird. Diese Leute verkaufen einem die Charaktere wirklich.

Fazit:
Wie die meisten interaktiven Filme lässt sich The Walking Dead freilich kaum Spiel nennen, zumal hier die Variablen, die man auslöst, kaum was ausmachen. Doch was die Handlung und die Immersion in sie angeht, ist es für mich ein unglaublich einnehmendes Erlebnis gewesen, nicht nur dank Sweetheart Clementine.

8 von 10 Punkten

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