Dragon Age II

  • Plattform: PC
  • Release: 08.03.11 (US), 11.03.11 (EU)

Dragon Age: Origins war ein voller Erfolg für Bioware und so auch ersichtlich, dass sie ein Dragon Age II nachlegen würden. Der hintergeht seinen nummerierten Titel allerdings, in dem er weder die Handlung fortsetzt, die der Vorgänger gelegt hat, noch wirklich sich nah an jenem hält. Was die Fans natürlich auf die Barrikaden gebracht hat. Allgemein wird Dragon Age II als der schwächere Titel angesehen. Nun, als jemand, der mit Origins nicht viel anfangen kann, der aber Biowares „konsoligere“ Franchises mag, schauen wir mal, ob ich da nicht wieder gegen schwimmen kann.

Das Spiel ist eine Sidestory zu den Ereignissen im vorigen Teil. Hawke flieht mit seiner Familie vor der Blight in den Stadtstaat Kirkwall. Die sind solche Flüchtlinge mehr als gewohnt und in den sozialen Schichten werden sie freilich nach ganz unten eingeordnet. Als Nachfahre einer Familie, deren Namen in Kirkwall sogar mal was bedeutete, kann Hawke dies natürlich nicht auf sich sitzen lassen und so beginnt der sich über Jahre ziehende Weg, was aus sich und seiner Familie zu machen. Sobald Hawke nun allerdings anfängt, jemand zu sein, bringt das den Sprössling selbstverständlich auf kurz oder lang ins Sichtfeld der sich nicht gut stehenden politischen Fraktionen der Stadt.

Dragon Age II erzählt keine weitere Geschichte über einen auserwählten Grey Warden und dessen Quest die Welt vor bösen Drachen zu retten. Dragon Age II geht die weniger generische und wesentlich persönlichere Route. Es geht um die Familie und Ansehen in der neuen Heimat aufzubauen. Sicher, auch Hawke packt sich diverse Mitstreiter der üblichen Fantasyrassen ins Gepäck und kämpft gegen Diebe, Spinnen und sogar ein paar Drachen. Doch all dies im Kontext was in Kirkwall zu werden und in unmittelbarer Umgebung zur Stadt. Selbst die sich rauskristallisierende übergeordnete Handlung, das größere Ganze sozusagen, ist lediglich die Entscheidung, ob sich Hawke auf die Seite der Templer, Magier oder Qunari begibt, die sich mehr oder weniger offen bekriegen. Nicht, dass dies letztendlich einen Unterschied macht, findet das Spiel doch eine Möglichkeit, dass letztendlich die Anführer jeder Fraktion sich ans Bein gepinkelt fühlen. Aber gut, dass die propagierte Entscheidungsfreiheit in modernen Spielen häufig keine ist, sondern nur ändert, welche Blumen man am Wegesrand bestaunt, nicht aber das eigentliche Ziel der Reise variiert, ist sicherlich nicht neu.

Diese wesentlich persönlichere, kleinere Handlung hat mir zumindest besser gefallen, als zum millionsten Mal die Welt vor bösen Mächten zu retten. Und auch sonstig scheint das Design der Welt weniger 0815, als im Vorgängern. Charaktere und ihre Interaktionen sind wesentlich frischer und unterhaltsamer geschrieben und im Gegensatz zum Stock Grey Warden kann Hawke bei fast jedem Gespräch einen auf Shepard machen und humorig-sarkastisch antworten.

Am Gameplay hat sich eigentlich gar nicht so viel getan, zumindest wenn man die PC-Version spielt. Kämpfe laufen immer noch etwas wie ein MMORPG ab, nur eben offline und somit ohne sich mit echten Menschen im Team rumschlagen zu müssen, die ständig maulen, was für ein schwaches Sequel das hier doch ist. Gegner anklicken, um Auto-Attack zu starten und dann über Shortcuts die diversen Skills initiieren. Ganz so isometrisch-weit kann nun nicht mehr rausgezoomt, dafür das Geschehen weiterhin pausiert und zwischen den Kämpfern gewechselt werden, um festzulegen, wen man nun steuern will und wer von der AI übernommen wird. Das Equipment-System ist vereinfacht, hauptsächlich dadurch, dass nur noch Hawke wirklich welches hat. Die anderen rennen freilich nicht nackend rum, doch kann ihre Ausrüstung einfach nicht mehr gewechselt werden, Accessoires und Waffe ausgenommen. Das beschränkt den Inventaralptraum des Vorgängers immerhin etwas. Zudem springt der Schwierigkeitsgrad nicht mehr nach Lust und Laune in alle vier Himmelsrichtungen, sondern bleibt relativ konstant, was auf niedrigeren Settings auch das ausbremsende Stop-and-Go der Kämpfe eliminiert, von dem ich kein großer Fan war.

Optisch hat sich nicht viel getan zum Vorgänger. Das Aussehen der Charaktere/Rassen ist etwas getweaked, um sie attraktiver zu machen, was nicht unbedingt immer auch gelungen ist und die Welt scheint, wenn auch immer noch sehr Grau-Braun, hier und dort einen Farbtupfer mehr zu haben. Dafür gibt es für jedes thematische Dungeon nur noch eine einzelne Map, die ad nauseam für alle Quests, die in einem solchen Bereich stattfinden sollen, wiederverwertet wird. Copypasta, inklusive der darin befindlichen Gegner, bis zum Maximum. Was die solide musikalische Untermalung und die wie üblich bei Bioware absolut überzeugend ausgesuchten Sprecher angeht, kann immerhin nicht wirklich geklagt werden.

Fazit:
Auch Dragon Age II hat Probleme. Da wären die extremen Kopiernudeln der Einsatzgebiete oder die mir immer noch sowieso etwas zu generisch-braune Welt. Doch hat sich genug geändert, so dass ich tatsächlich diesmal häufiger Spaß mit dem Ergebnis hatte, als noch im Vorgänger. Ich schwimme also gegen die populäre Einstellung und halte den Nachfolger für das bessere Spiel.

6 von 10 Punkten

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