Sega Ages 2500 Series Vol. 1: Phantasy Star Generation 1

  • Plattform: PlayStation 2
  • Release: 28.08.2003 (J)

Die Classic Phantasy Stars gibt es auf diversen Konsolen, häufig gleich mehrere Teile als Kollektion. Allerdings handelt es sich bei allen um schlichte Ports der Originale ohne jegliche Änderungen. Mit einer Ausnahme. Zu PS2-Zeiten startete Sega nämlich unter Hilfe der durch ihr Simple-200-Lineup (Oneechanbara, Earth Defense Force) bekannten D3 eben auch eine Reihe an Budget Titeln diverser Remakes ihrer Klassiker. Geplant war eigentlich die ganze Reihe mit Ausnahme III, da das keiner leiden mag, jedoch wurde Phanasy Star II stark verschoben und IV nie geremaked. Doch den Start der Linie einläuten durfte das erste Phantasy Star.

Das Algol-System steht unter der tyrannischen Herrschaft Lassics. Doch wo jemand seine Macht missbraucht, horten sich schnell Rebellen zusammen. Einer davon ist Nero, der von Lassics Soldaten ermordet wird, woraufhin seine Schwester Alis Rache schwört. Um jene auszuführen wird sie über alle drei Planeten reisen und Freundschaft mit dem Krieger Odin, dem Katzenwesen Myau und dem Magier Lutz schließen, bevor sie sich Lassic und anschließend einem noch viel größeren Übel stellen wird.

Das erste Phantasy Star ist im Original von 1987, gerade mal wenige Tage nach dem ersten Final Fantasy erschienen. Umso überraschender ist, wie involviert die Handlung doch bereits ist, mit der persönlichen Rachehandlung, die zu mehr wird. Nicht zu vergessen, dass ein weiblicher Protagonist bis heute alles andere als die Norm ist in JRPGs und dann noch eine, die sich nie beweisen muss, nie klarzustellen hat, dass sie genauso tough ist, wie die Kerle. Auch die Präsentation mit mehreren Standbild-Pixelarts ist eine tolle Sache gewesen. Leider ist das eben alles damals. Denn Phantasy Star im PS2-Remake zu spielen, nimmt ihm viel von diesen Besonderheiten.

Allen voran sieht das Ding eben einfach unglaublich nach einem Budget-Titel aus. Sicher, die glatte, hochauflösende Oberwelt ist jetzt hübsch anzusehen. Auch die Dungeons besitzen thematisch unterschiedliche Layouts. Jedoch ist deren Low-Res 3D alles andere als ansehnlich. Sind die im Original sehr cool designten und bereits überraschend animierten Gegner doch jetzt irgendwie ziemlich lahm anzusehen – auch wenn immerhin mehrere gleichzeitig angezeigt werden können. Besagte Standbilder, die die Handlung vorantreiben, sind eben immer noch nur Standbilder, aber nun in einem sehr generischen Design und wirken dahingeschludert. Hier wären kurze Cutscenes vielleicht ganz schön gewesen. Und ein paar früher in der Ingame-Grafik gehaltenen Ereignisse wie der Flug aufs Air Castle und der Ankunft des dortigen Drachens passieren jetzt Offscreen, weil anscheinend keiner die paar animierten Sprites zeichnen wollte. Auch der Soundtrack ist häufig ein Downgrade, wenige gute Titel wie das Boss Theme gegen Dark Falz werden vom seltsam Karnevals-artigen Town Theme ausgeglichen. Es ist echt Schade drum, wenn man bedenkt wie technisch herausragend das Original für ein 8bit-RPG war und wie billig das Remake häufig wirkt, man sich des Gedankens nicht erwehren kann, dass die Lunar-Remakes der vorigen Sony-Konsole das hier bei Weitem übertrumpfen.

Aber wie spielt sich das Ding überhaupt? Phantasy Star entstand, als es an Konsolen-RPGs lediglich die ersten beiden Dragon Quests gab, von daher hielt man sich noch nicht zwangsläufig an einen genormten Maßstab. So schielt der erste Teil etwas gen Wizardry. Sprich die Dungeons sind in First Person, können zu echten Labyrinthen werden, Bodenfallen gibt es, sowie welche an Schatztruhen, auch den einen oder anderen verborgenen Durchgang. Der Rest ist allerdings typsicher RPG-Ablauf in Vogelperspektive: Stadt betreten, NPCs ausfragen, nahegelegenen Verliese abklappern, in die nächste Region etc. pp. Das Remake kommt derweil mit ein paar Neuerungen daher. Beispielsweise nur noch in den Städten einen Hard-Save anlegen zu dürfen oder in den Kämpfen Kombo-Zauber zu werfen, wenn Edelsteine ausgerüstet werden. Dazu ist der Spielverlauf um Einiges vereinfacht worden, wenn auch noch immer der eine oder andere Tod vorkommen kann, gerade bei den Bosskämpfen. Eine der weniger erfreulichen Neuerungen ist hingegen die nachträglich eingebaute Linearität. Im Original konnte man, wie in vielen 8bit-RPGs, durchaus alles so erledigen, wie man wollte, solange keine Hürde im Weg war. Hier jedoch müssen die NPCs ausgefragt werden, was als nächstes zu tun ist und dann ist auch nur dies machbar. In Dungeons für den zweiten oder dritten Schritt im Abenteuer, selbst wenn sie schon erreichbar sind, wird man noch nicht gelassen. Das ist dahingehend nervend, weil häufig mit allen NPCs drei bis vier Mal geredet werden muss, bis auch wirklich jeder noch so kleine Hinweis zusammengekratzt ist und das Spiel das Weitergehen endlich erlaubt, selbst wenn sich der Spieler schon längt denken kann, wo es als nächstes weiter geht und sich die Haare rauft, weil er den letzten NPC, von dem das Spiel noch einen Satz hören will, nicht findet.

Fazit:
Als ich damals Phantasy Star in der GBA-Kollektion als reinen Port gespielt habe, war ich verdammt erstaunt, wie sehr das Ding seiner Zeit doch voraus ist. Leider kann ich mich beim PS2-Remake nicht dem Gedanken erwehren, dass es ein verdammt billig dahingeschludertes Produkt ist, das dem Spiel eben häufig jene Besonderheit nimmt. Ist schade, mal so ein Remake, das wirklich alles gibt – und die Finger von Verschlimmbesserungen lässt –, wäre schön gewesen.

6 von 10 Punkten

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