Azure Dreams (GBC)

  • Plattform: GameBoy Color
  • 05.08.99 (J), 02.00 (US), 2000 (EU)

Nach dem Erfolg von Pokemon wollte plötzlich jeder ein Stück vom Kuchen abhaben. Auch Konami mit ihrem Spiel Azure Dreams. Der Erfolg blieb dem PlayStation-Gemisch aus Monstersammeln, Verlieskriechen, Stadtaufbau und Brautwerbung allerdings aus. Monstersammel-RPGs waren sowieso auf dem Handheld wesentlich beliebter, also entschloss sich Konami einfach Azure Dreams auf dem GBC eine weitere Chance zu geben.

Hier gibt es sogar eine Handlung, wenn natürlich erneut nur Alibi, um Kou überhaupt in den Turm zu schicken, doch immerhin mehr, als Pokemons Egotrip. Kous Vater, einer der besten Monster Tamer überhaupt, verschwand vor Jahren im Turm. Außerdem ging damit die einzige Einnahmequelle der Familie flöten. Da Monster und ihre Eier enorme Summen einbringen, hat Kou nur darauf gewartet, volljährig zu werden und endlich das Recht zu haben, den Turm zu besteigen, wo er nebenher vielleicht auch herausfinden wird, was seinem Vater damals zugestoßen ist.

Azure Dreams ist übrigens nicht einfach irgendein Dungeon Crawler, sondern ein Roguelike. Der eine oder andere mag vielleicht bereits einen Vertreter von Chunsofts Mystery-Dungeon-Reihe gespielt haben, Hardcoreler vielleicht sogar Nethack. Was das Subgenre für Azure Dreams genau bedeutet ist, dass die Stockwerke des Turmes bei jedem Besuch neu zufallsgeneriert werden und Kou jedes Mal erneut auf Level 1 beginnt. Immerhin kann er bis zu 20 Gegenständen aus dem Turm schleusen, vorausgesetzt er findet einen Windkristall um sich rauszuwarpen, bevor er umkommt, was ihm alle getragenen Gegenstände wegnimmt. In den Turm mitnehmen darf er nur 5, muss also weitestgehend mit dem arbeiten, was er beim jeweiligen Besuch findet. Der Turm bietet dabei Bodenfallen, die einschläfern oder verwirren, ja sogar seine Ausrüstung per Rost schwächen können, und einige Gegner haben Sprüche, die permanent Level abziehen.

Das klingt alles ziemlich fies, ist es hier allerdings gar nicht mal so, da zwei Dinge die Kriecherei ordentlich vereinfachen. Zunächst hätten wird da die Sandbeutel, die seine Ausrüstung verstärken, aber noch viel wichtiger: Das Monstersammeln natürlich. Kou findet diverse Eier, die er zu Hause zu Gefährten ausbrüten und bis zu zwei gleichzeitig in den Turm mitbringen kann. Fusion zu neuen und stärkeren Mitstreitern gibt es auch und was am wichtigsten ist, die Level der Monster werden nicht zurückgesetzt. Außerdem ist die GBC-Version im Gegensatz zum Original sehr generös, gibt es doch reichlich (gute) Gegenstände und viele Eier zu finden. Es wird nicht lange dauern, bis man sich gut gelevelte und fusionierte Monster zusammengebraut haben wird, die Kou locker bis aufs finale Stockwerk 30 bringen können, zumal ihre Haltbarkeit hier stark erhöht ist, da ihnen die MP viel langsamer ausgehen. Die verbrauchen sie nämlich beim Gehen und Benutzen der Skills (wobei beim richtigen Einsetzen der drei Elementarmonster gegen die Opposition häufig normale Attacken durchaus ausreichen). Die einzigen Schwellen, die verhindern, dass man den Turm doch schon beim ersten oder zweiten Versuch schafft, sind die neuen Bosskämpfe auf Stockwerk 20 und 29, die allerdings mit etwas Vorbereitung auch kein Ding sind und sich nicht wiederholen.

Leider ist so ein Turmbesuch doch auf Dauer bestechend langweilig. Jedes Mal erneut mit wenigen Gegenständen und mit Level 1 auf dem ersten Stockwerk starten zu müssen. Wieder und wieder durch die ähnlich generierten Stockwerke zu laufen, nicht mal den schnellsten Weg nehmen könnend, weil man jenen ja nicht kennt und Kou erneut gelevelt werden muss. Das wird doch schnell langweilig, besonders da das Spiel durch den gnadenlos herabgesetzten Schwierigkeitsgrad auch keine wirkliche Spannung erzeugt. Andererseits wiederum ist man so auch schnell durch. Was in der hiesigen Version übrigens 99 Kellerstockwerke freischaltet, um die Langlebigkeit des Spieles zu erhöhen.

Die Abwechslung in der Stadt ist in der hiesigen Version nämlich quasi komplett weg. Es können keine Mädels mehr umworben werden, die Kou nach jedem Besuch wecken und Glück wünschen. Auch die Stadt kann nicht mehr um neue Einrichtungen erweitert, sondern lediglich das Haus von Kou aufgebessert werden, um mehr Monster zu halten (von denen es jetzt übrigens über 100 gibt) und ein paar Blumen in der Wüstenstadt zu pflanzen.

Optisch gibt es bei GameBoy/Color-Spielen häufig nicht viel zu sagen, auch Azure Dreams befindet sich da auf dem normalen Niveau, wobei die Stadt schon etwas detaillierter als normal ist und die Monsterdesigns auch ganz nett anzusehen sind, wenn das Spiel beim Angreifen denn in die sporadischen Pokemon-esquen Großaufnahmen wechselt.

Fazit:
Ich kann leider nicht behaupten, dass die GBC-Version von Azure Dreams super gealtert wäre. Damals war das Spiel für ein paar verregnete Nachmittage und Monstersammel-Liebhaber sicherlich ganz nett, aber insgesamt ist das Spiel doch etwas öde, da Abwechslung und Herausforderung fehlen.

5 von 10 Punkten

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