Etrian Odyssey II: Heroes of Lagaard

  • Plattform: Nintendo DS
  • Release: 21.02.08 (J), 23.06.08 (US)

Etrian Odyssey war für Atlus ein Überraschungshit, hat es doch das Nischen-Subgenre des Dungeon Crawlers auf den Handhelds revitalisiert, anschließend selbst Shin Megami Tensei an seine Wurzeln zurückgebracht. Da war es klar, dass Nachfolger kommen würden. Uns Europäern blieben diejenigen auf dem DS leider vorenthalten, da hier keiner den Erstling kaufte, aber zu damaligen Zeiten war ein Import ja noch nicht schwer.

Die Handlung ist erwartungsgemäß so schwach, wie im Vorgänger. Da ist ein mysteriöses Labyrinth, geh das mal investigieren, oh heroische Heldentruppe, Belohnung wartet. Ähnlich dem Vorgänger ist die Handlung für die erste Hälfte quasi nicht vorhanden und holt dann gegen Ende doch noch etwas raus, was diesmal wesentlich weniger überrascht, da es nur die Hälfte des Plots vom Erstling wiederkäut, aber wie gesagt ist der narrative Faden in diesen Spielen eh ein Nachsatz.

Allgemein findet sich derjenige, der den Vorgänger bereits spielte, sofort zu Hause, da Etrian Odyssey II unter die Sequelkategorie „Mehr vom Gleichen“ fällt. Zu Beginn ein Identitätsloses Viererteam aus den bekannten Berufen (plus ein paar neuen) zusammengeklöppelt, kurz mit den Dorfbewohnern gesprochen und rein ins Dungeon. Dort für ein paar Level ordentlich eines auf die Mütze bekommen, bis das Quartett stark genug ist, doch mehr als fünf Schritte zu überleben, und somit die Verlieskriecherei ernsthaft beginnen kann. Heiler heilen, Angreifen greifen an, Dark Hunter spielen Dominatrix, das Übliche eben. Level ups bringen Skillpunkte mit sich, die auf diverse aktive wie passive Fähigkeiten oder Statusupgrades verteilt werden können, um das eigene Team nach den eigenen Wünschen zu pimpen.

Nun ist es so, dass ich eine gewisse Hassliebe mit dem Vorgänger hatte, einfach weil er mir Stellenweise etwas zu schwer war, und vor allem, weil es mir so vorkam, dass ich häufig im Kreis lief und nur Altbekanntes erneut ablief, statt Fortschritt zu machen. Etrian Odyssey II mochte ich eine ganze Ecke mehr, weil diese Instanzen viel weniger häufig der Fall waren. Das mag zum einen daran liegen, dass ich zwischenzeitlich wesentlich gemeinere Vertreter des Genres, wie Wizardry oder The Dark Spire, gespielt habe, aber auch, weil der Nachfolger doch ein paar Benutzerfreundlichkeiten aufweist. Gegenstände können nun gelagert werden, statt das begrenzte Inventar vollzumüllen, weil sie aktuell nicht gebraucht werden, später aber nützlich sein könnten. An Geld zu kommen ist wesentlich einfacher, statt mit einer zweiten Truppe an Arbeitersklaven die Erntepunkte abgrasen zu müssen. Und was mir persönlich am besten gefiel: Jedes Stratum von fünf Stockwerken hat nun nicht nur einen Warp zu Beginn, sondern auch auf dem dritten und fünften Stock. Jene zwei neuen Warps gehen nur von der Stadt ins Dungeon, nicht rückwärts, aber es ist doch eine echte Erleichterung, nicht ständig vom ersten Stockwerk erneut durch alle fünf zu stapfen, nur weil der Boss einen umgebracht hat, sondern mehr oder weniger direkt vor dessen Nase warpen zu können.

Denn wirklich einfach ist das Spiel immer noch nicht. Bosse haben durchaus weiterhin ihre „I win“-Buttons – wenn sie eine gewisse Attackenkombination rausholen, hat der Spieler quasi keine Überlebenschance. Statusveränderungen sind weiterhin tödlich, und FOEs – besonders harte, auf der Karte sichtbare Gegner, die die Heldentruppe aktiv jagen – sind zahlreich wie nie, haben überraschende neue Bewegungsmuster, und geben dummerweise nicht mal mehr Erfahrung. Hinzu kommt noch eine nervtötend hohe Rate an verfehlenden Angriffen. Da ist es doch schön, dass nicht mehr, nur wegen eines unglücklichen Zufalls, bereits weite, bekannte Teile des Labyrinths ewig erneut durchstreift werden müssen.

Ganz nett, wenn natürlich technisch auch nichts vom Handheld fordernd, aussehen tut das Spiel weiterhin, wenn man sich denn mit der einfachen Präsentation von Egoperspektive und starren Gegnerartworks, plus einer Menüstadt anfreunden kann. Dafür rockt der Soundtrack gut.

Fazit:
Wem der Erstling nicht gefallen hat, der wird vom sehr ähnlichen Nachfolger auch nicht begeistert. Wem er gefallen hat, ist hier direkt zu Hause. Wer der Serie eine Chance geben will, sollte hier anfangen, ist es doch dank einiger kleinerer Veränderungen die wesentlich launigere Wahl.

8 von 10 Punkten

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