The Dark Spire

  • Plattform: Nintendo DS
  • Release: 22.05.08 (J), 14.04.09 (US)

Etrian Odyssey hat in Japan eine ganze Welle an oldschool-orientierten Dungeon Crawlern auf Handhelds losgetreten. Neben Elminage, Class of Heroes, neuen Wizardries, 7th Dragon oder Unchained Blade, die es alle zur Reihe gebracht haben, gab es da auch ein kleines Spiel mit Namen The Dark Spire auf dem DS, das ziemlich brutal untergegangen ist.

Haltet die Zeitungspressen an: Es gibt da einen Turm, in dem hockt ein fieser Magier und eine Heldentruppe macht sich auf, ihn zu erlegen, um Ruhm und Ehre zu erlangen! Nie dagewesen! Nein, einen Blumentopf an interessanter Handlung gewinnt The Dark Spire definitiv nicht, was bei Dungeon Crawlern sicherlich keine Überraschung bietet, diese Überraschungslosigkeit, doch bei Dark Spire besonders barebones geriet. Was dies allerdings etwas rettet, ist der doch häufig sehr humorig geschrieben Text, der sich eben genau über die Tatsache amüsiert, dass wir hier in einer absoluten 0815-Handlung sind, die sowieso selten überhaupt in den Weg kommt.

Viel wichtiger ist die spielerische Seite des Turmerklimmens, die sich mehr als nur ein wenig Inspiration bei den frühen Wizardry-Titeln holt. Ernsthaft, hätte Success die Rechte am Titel, wäre es höchstwahrscheinlich ein Spinoff geworden. So backt sich der Spieler also zunächst seine Heldentruppe aus bekannten Rassen, würfelt Bonuspunkte aus, und darf dann je nachdem, was die Statuswerte zulassen, aus üblichen Berufsarchetypen auswählen. Neue Rüstung erhöht nicht den Defensivwert, sondern die Armour Class, die eher die Ausweichrate bestimmt, und Waffen agieren auf dem Prinzip des Würfelns, was den Schaden bestimmt. Aufgelevelt wird übrigens nicht im Dungeon, sondern nur beim Übernachten zurück in der Stadt, was neue Zauber und Spell Charges mit sich bringt, Magierklasse natürlich vorausgesetzt. Wie gesagt, wer je ein Wizardry gespielt hat, fühlt sich hier direkt zu Hause und braucht kaum weitere Erklärungen. Alle andren… lesen sich besser eine kurze FAQ im Internet durch, denn wie bei solchen Spielen üblich erklärt einem The Dark Spire ingame gar nix.

Da es dann allerdings eben doch kein Wizardry ist, leistet sich The Dark Spire auch ein paar Neuerungen. Abgesehen davon, dass die Truppe sowieso nur aus einem Quartett, denn Sextett besteht, versteht sich. Eine Sache, auf die definitiv geachtet werden muss, besonders wenn es um die höheren Statuswerte der späteren fortgeschrittenen Klassen geht, ist, dass sich in The Dark Spire beim Aufleveln tatsächlich nur HP und Spell Charges erhöhen, nicht die anderen Werte wie Stärke, Intelligenz oder Vitalität, die zu Spielbeginn ausgewürfelt wurden. Was nicht bedeutet, dass man sich hier in eine Sackgasse manövriert, notfalls können sie nämlich per kostspieligen Erfahrungspunkt-Einsatz geupgradet werden. Ähnlich kann der geneigte Spieler auch Erfahrungspunkte zum Erlernen von Nebenfähigkeiten opfern, wie die Ausweichrate bei Fallen oder das Öffnen der Truhen zu erhöhen. Einige dieser Fähigkeiten mögen sogar für das eine oder andere Nebenquest nötig werden, oder Voraussetzung für einen fortgeschrittenen Beruf sein.

Das Hauptaugenmerk des Spielverlaufes besteht aber selbstredend daraus, den Turm zu erobern. Beziehungsweise zu überleben, was nicht ganz so einfach ist. Natürlich gibt es hier fiese Bodenfallen, verwirrende Teleporter und Drehscheiben, verwickelnde Gänge, und starke Gegner, die einschläfern, verwirren, die ganze Gruppe sofort töten oder sogar Level absaugen können. Gerade die letzten beiden Dinge sollten nicht unterschätzt werden, nur weil sie so fies klingen, weswegen das Spiel sicherlich doch niemals diese häufig nutzen wird. Genau dies geschieht nämlich gerade auf den höheren Stockwerken regelmäßig, hat eine gute Trefferchance und gerade so groß, wie die Gegnergruppen werden können, kann so ein Kampf schon sehr schnell ein Game Over verabreichen, oder die Gruppen plötzlich mehrere Level niedriger dastehen lassen. Nun hatten die Macher von The Dark Spire allerdings wohl ein Einsehen, dass es eben keinen Spaß macht, bei jeder unglücklichen Gegnerkonstellation oder deren Erstschlag eine reelle Chance zu haben, die letzten ein oder zwei Stunden Arbeit zu verlieren. So kommt The Dark Spire mit einer weiteren sehr interessanten Neuerung daher: Es lässt den Spieler überall im Turm speichern, statt dies wie so häufig nur in der Stadt zu dürfen. Das macht die gemeinen Begegnungen sofort wesentlich erträglicher, da sie zwar eine spannende Herausforderung sind, sollten sie misslingen allerdings nur die 5-10 Minuten seit dem letzten Speichern wiederholt werden müssen. So traut man sich dann auch viel eher, seine Grenzen auszutesten, statt ein sicheres Spielverhalten an den Tag zu legen, welches das Vorankommen arg verlangsamt, nur um keinen noch so kleinen Fortschritt zu verlieren.

The Dark Spire ist eines der bestaussehenden Spiele des Genres, das ich in Jahren gesehen habe. Wie alle, hat es nicht unbedingt ein Mörderbudget gehabt, doch macht es das mit enormer Stilsicherheit wett. Ich kann es ja eigentlich nicht leiden, wenn diese Spiele sich nicht mal die Mühe machen, Gegnersprites zu animieren und ganze Gruppen von nur einem darstellen lassen, doch hier ist deren Design so cool und sind sie so groß, dass mir das nichts ausmacht. Zumal die ganze Optik etwas von… fast Pop Art hat. Dicke, schwarze Umrandungen und viele Schatten, und dazu dann wenige, hervorstechende Farben. Auch die Musik rockt gut dahin. Wer übrigens sehr nostalgisch ob früherer Zeiten ist, kann jederzeit den Classic Mode anschmeißen, der die Gänge in Wireframe, die Gegner 16bit-esque darstellt, und die Musik als MIDIs ertönen lässt.

Fazit:
So wenig Aufmerksamkeit, wie The Dark Spire erfahren hat, bin ich ehrlich gesagt nicht sonderlich optimistisch an das Spiel gegangen. Nur um komplett positiv überrascht zu werden. Es ist enorm, was die Möglichkeit, jederzeit speichern zu dürfen, die repetitive Kriecherei durch eine Hand voll Stockwerke doch erleichtert, wenn nicht ständig um Stunden Fortschritt gebangt werden muss. Ja, The Dark Spire ist immer noch ein fieses Spiel und sicherlich nicht jenes, welches diejenigen, die mit Dungeon Crawlern nichts anfangen können, umstimmen wird. Aber jeder, der mit jenem Subgenre was anfangen kann, sollte einen Blick riskieren.

8 von 10 Punkten

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