Blood Omen: Legacy of Kain

  • Plattform: PC
  • Release: 31.08.97 (US), 03.97 (EU)

Legacy of Kain hat es auf eine echt weitläufige Reihe gebracht. Immerhin gibt es davon auch 5 Spiele und mindestens noch Mal so viele gecancelte Projekte, zum Frust aller Fans in einer durchgängigen Handlung, die nie abgeschlossen wurde. Doch angefangen hat alles mal ganz klein mit einem Spiel: Pillars of Nosgoth für den untergegangenen 3DO – welches dann als Blood Omen: Legacy of Kain auf PC und PlayStation doch das Licht der Welt erblicken durfte.

Starten tun wir einfach: Aristokrat Kain kommt gerade aus einer Schenke, als eine Räuberbande beschließt, ihm den neumodischen Trend eines Schwertes im Brustkorb aufzuzwingen. Doch Zauberer Mortanius macht Kain einen Deal: Er kann ihn in die Welt zurückrufen, um seine Rache auszuüben. Kain nimmt ohne viel Nachdenken an und ersteht plötzlich als Vampir wieder auf. Seine Meuchelmörder sind schnell besiegt, was Kain Zeit gibt zu reflektieren, dass als blutsaugender Untoter zu leben vielleicht doch nicht so pralle ist.

Da bekommt er erneut Hilfe, diesmal vom Geist Ariel, die ihm erklärt, dass sie einen Weg wüsste, wie sie Kains Vampirdasein beenden kann. Hierfür muss er aber die Säulen von Nosgoth reparieren. Nun sind die aber nicht einfach irgendeine Deko, sondern die Grundpfeiler der Welt, gebunden an ihre Wächter, wodurch jene keines natürlichen Todes mehr sterben können. Dummerweise sind jene Wächter des Wahnsinns anheimgefallen, was auch die Säulen korrumpiert hat, wodurch Nosgoth in seinen aktuellen, verwesenden Zustand geriet. Kain soll die Wächter nun also töten, damit neue, gesunde ihren Platz einnehmen können. Kain macht auch dies ohne groß Fragen zu stellen.

Das wird im Spiel durchaus noch wichtig, denn zunächst scheint alles nach typischem Action-Adventure zu stinken: Rette die Welt, in dem zu in X Dungeons die Bosse besiegst. Doch auf die letzten Spielstunden stellt sich heraus, dass jeder Charakter seine eigene Agenda hatte, Kain entweder angelogen oder zumindest mit Halbwahrheiten an der Nase herumgeführt hat. Kain mit seinem Tunnelblick hat nur eben nie irgendetwas hinterfragt was ihm gesagt wurde, und wir als Spieler auch nicht, sind wir es doch gewohnt, Anweisungen – egal von wem – zu befolgen, weil sonst gibt es eben auch kein Spiel.

Die Handlung ist und bleibt definitiv die Stärke des Spieles, nicht nur wegen den wirklich interessanten Twists gegen Ende, sondern auch wegen des World Buildings. Überall auf seinem Weg findet Kain Markierungen, die uns ein Voice Over von ihm bescheren, in der er uns etwas über das aktuelle Gebiet erzählt, wie es einstmals war, und wie wenig vom Glanz Nosgoths doch übriggeblieben ist. Netterweise alles nicht in ewig langen Cutscenes, sondern nebenher beim Weitergehen.

Die Schwäche des Spieles hingegen ist definitiv das Gameplay. Grundsätzlich ist es erst Mal übliche Action-Adventure-Kost: In isometrischer Vogelperspektive stapft Kain durch Nosgoth (und das etwas langsamer, als einem lieb wäre), der Weg bleibt dabei eher linear, denn abgesehen von einem Alkoven hier oder dort, in dem eines der 100 optionalen Geheimnisse zu finden ist, dauert es nie lang, bis Kain an eine Barriere stößt, die er erst zu meistern im Stande ist, wenn er das Oberhaupt des nahen Verlieses erschlagen und eine neue Kraft bekommen hat.

Interessant an diesen Kräften ist, dass sie Kains Vampirdasein reflektieren, stark an Bram Stokers Dracula orientiert. So hat das Spiel einen Tag- und Nachtzyklus und bei Tage ist Kain schwächer, bedeutet Gegner können mehr Schläge einstecken denn bei Nacht. Wenn es regnet nimmt Kain kontinuierlich ein wenig Schaden, Wasser kann er erst überqueren, wenn er seine Nebelform entdeckt hat. Springen erst in Wolfform, während die Verwandlung zur Fledermaus als Teleportstation des Spieles fungiert. Und Kain verlangt es nach Blut, so tickt seine Lebensleiste ebenfalls kontinuierlich, jedoch recht langsam, runter – die einzige Möglichkeit Kain zu heilen ist, von Opfern das Blut zu trinken. Hierfür herhalten können nicht nur die Gegner, sondern auch alle friedfertigen NPCs des Spieles. Aufgepasst werden muss zudem, dass non-humanoide Kreaturen meist verfluchtes Blut haben, welches schädigt oder vergiftet.

Das ist dann auch, wie Blood Omen im späteren Spielverlauf versucht, einem die Sache zu erschweren: Sichere Blutquellen werden einfach ziemlich rar. Und ganz gegen Ende kommen einfach Horden an Gegnern, witzigerweise mit „gutem“ Blut bestückt, was es eigentlich einfacher macht, da die richtige Ausrüstungskombination mit ihnen kurzen Prozess macht und automatisch Blut besiegter Gegner saugt. Auch ansonsten ist Blood Omen kein sonderlich schweres Spiel, denn es gibt einem wesentlich mehr Hilfe, als man je benötigen wird. Neben den verschiedenen Formen gibt es nämlich auch noch zahlreiche Gegenstände, von denen jeweils 99 Stück getragen werden können, und die durchaus nicht selten sind. Ein Heart of Darkness beispielsweise belebt Kain nach dem Tode wieder, weitere Gegenstände können als Nebenwaffe genutzt werden, oder geben Kain schon mal für kurze Zeit unlimitierte Magienutzung. Ja, Magien gibt es auch noch, die einem das Leben erleichtern.

Neben den zahlreichen Gegenständen zur Heilung und Schädigung von Gegnern, den späteren überstarken Rüstungsgegenständen, den diversen Magien, und den Verwandlungen hat Kain einfach ein Arsenal zur Hand, das ihn zu einer Ein-Mann-Armee macht. Und wenn das noch nicht reicht, so hilft zusätzlich, dass die Hitboxes im Spiel etwas seltsam fallen. Es ist überraschend einfach die Nahkampfgegner dazu zu bringen, in einen endlosen Angriffs-Loop zu verfallen, obwohl sie noch ein paar Pixel zu weit weg sind, um Kain wirklich zu treffen – während Kains Waffe etwas länger ist und somit den Gegner erwischt. Dann wiederum rennt man auch gerne mal in die eine oder andere Falle, obwohl man dachte noch sicher zu stehen.

Allgemein ist das Dungeondesign leider unglaublich uninspiriert, bestehen sie doch alle aus ähnlich aussehenden Gängen und Räumen, nur das Dekor ändert sich etwas, aber auch jenes ist reich an den gleichen Fallen, ähnlichen Gegnern, und blutigen Überresten. Zudem sind die Rätsel absolut Hirntot und fast alle Türen öffnen, in dem alle Gegner des Raumes besiegt werden, oder ein Schalter in einer Gasse abseits des Hauptganges umgelegt wird. Hier und dort muss auch mal eine Magie eingesetzt werden… um den Schalter abseits des Hauptweges zu erreichen.

Optisch bin ich bei Blood Omen: Legacy of Kain etwas zwiegespalten. Die isometrische Diablo-esque Welt war damals definitiv Standard und ist auch technisch gesehen nicht übel, aber die Welt von Nosgoth kann durchaus mit der Zeit etwas eintönig anzuschauen sein, da die dunklen Wälder, verfallenen Dörfer, und Dungeons sehr ähnlich sind, herausragende Architektur gibt es nur selten und das auch eigentlich nur kurz von außen zu sehen. Und die FMVs sind natürlich sowieso miserabel gealtert mit ihren seltsamen Bewegungsabläufen, netterweise aber selten. Selbst die Musik ist vergessenswert, wenn auch atmosphärisch. Herausragend hingegen ist die (englische) Vertonung des Spieles, Kain verkauft einem die Welt einfach.

Fazit:
Es gibt Spiele, die spielt man eher wegen des Gameplays, und welche, die spielt man eher wegen der Handlung. Schön wäre natürlich, wenn beides stimmt, aber dem ist eben einfach nicht immer so. Blood Omen: Legacy of Kain wird einen tatsächlich hauptsächlich durch die gut geschriebene und vertonte Handlung dazu bringen, bei Stange zu bleiben. Vom spielerischen Standpunkt her ist es durchaus nicht schrecklich, aber etwas durchschnittlich und mit dem einen oder anderen Designschnitzer versehen – an die richtig guten Action Adventures reicht es hier einfach nicht heran. Dafür hat es wie erwähnt eine wesentlich besser Handlung, als man in ihnen normalerweise findet.

7 von 10 Punkten

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