Atelier Annie: Alchemists of Sera Island

  • Plattform: Nintendo DS
  • Release: 12.03.09 (J), 27.10.09 (US)

Den ersten Vorgeschmack auf Gusts Atelier-Serie bekamen wir im Westen mit der Iris-Trilogie. Das ist nicht nur bereits das sechste Spiel der Franchise, sondern vor allem auch ein Spinoff, welches sich vom Gameplay her wesentlich mehr gen traditionellem RPG neigt, denn die Hauptserie. Ein Teil, der dessen Spielgeschehen repräsentiert, bekam der Westen erst mit dem Release von Atelier Annie auf dem DS.

Die junge Annie ist ein faules Stück, die den ganzen Tag auf ihrem Arsch hockt, und deren Lebenstraum es ist, dass ein hübscher Prinz sie heiratet, auf das sie ewig auf der faulen Haut liegen kann. Ihre Eltern sind damit natürlich nicht einverstanden und gehen mit ihren Sorgen zum Hardliner Opa, der ihre letzte Hoffnung ist. Der lässt dann kurzerhand auch einfach Annie mitten in der Nacht, noch in ihrem Bett schlafend, entführen und nach Sera Island verfrachten, wo Annie plötzlich in einem Alchemie-Atelier neben einem vorlauten Elf aufwacht, der von ihr verlangt, dass sie ihn Meister zu nennen hat. Sera Island hat momentan einen Wettkampf laufen, in dem Alchemisten darum streiten, wer die Insel zum Tourismusdomizil machen kann, und Annie wurde kurzerhand eingeschrieben.

Somit sollte schon innerhalb der ersten zehn Minuten klar sein, dass bei Atelier Annie nicht eine komplexe Geschichte mit tiefgründiger Symbolik und enormen Charakterdrama zu erwarten ist. Atelier Annie will das gar nicht, sondern lieber kurzweilig unterhalten, mit viel Humor und Charme. Das tut es dann auch, denn die faule Annie gerät an diverse NPCs, neben freundlichen Ladenbesitzern der Stadt, auch auf Rivalen im Kampf um die Alchemiekrone, sowie auf neue Freunde, die ihr schützend bei ihren Reisen zur Seite stehen können, aber auch alle komplett einen an der Waffel haben. Die diversen Interaktion, die Annie mit den anderen Charakteren hat, die sich fast ständig beim Betreten der Etablissements der Stadt zu triggern scheinen, sind tatsächlich überraschend witzig gehalten und einer der Höhepunkte des Spieles.

Mit seinen neuen Freunden rumzublödeln ist jedoch freilich nicht das Ziel des Spieles. Stattdessen soll innerhalb von 5 Semestern das Alchemie-Atelier aufgebaut werden, in dem Annie nämlich diverse Prüfungen besteht, die ihr eine Vorgabe geben, welche Art von Gegenstand sie bis zum Semesterende zusammenzubrauen hat. Dies auf die übliche Art in dem Annie andere Gegenstände in den Topf wirf und dann köcheln lässt – sofern sie denn das Rezept dafür hat, die in der Bücherei gekauft werden können. Diese Zutaten kann Annie zum Teil in den Läden kaufen, die meisten davon müssen jedoch in den verschiedenen Gebieten auf der Insel selbst gesammelt werden. Das ist alles andere als schwer, so sind sie doch nur einen Bildschirm groß und haben bereits mehrere Harvest Spots zu bieten. Allerdings besteht auch die Gefahr währenddessen von Monstern angesprungen zu werden.

Kämpfen ist jedoch definitiv nur Nebensache zum Shopsimulator des Spieles. Wie gesagt trifft Annie auf diverse Freunde in der Stadt, von denen sie anschließend bis zu zwei ausrüsten und auf Reise mitnehmen kann, um die Monster in die Schranken zu weißen. Wo sie auf dem 6er-Grid platziert werden hat zwar auch eine gewisse Auswirkung, doch Atelier Annie verlangt eher wenig wirkliche Strategie ab, da die Auseinandersetzungen einfach zu bestehen sind. Höchstens nach dem Freischalten eines neuen Gebietes sind die Kämpfe darin zunächst etwas fordernder, nach ein oder zwei schnellen Level ups revidiert sich das jedoch bereits wieder. Bosse gibt es wenige bis gar keine, je nachdem welche Aufträge man so annimmt.

Allerdings geht Atelier Annie auch auf Zeit. Die Reise zu den Gebieten der Insel und zurück betragen mehrere Tage, während des Sammelns der Gegenstände in einem Gebiet vergeht die Zeit, und auch die Sachen anschließend im Kessel zu brauen lässt je nach Gegenstand und Anzahl mehrere Tage vergehen. Dies wird jedoch nie wirklich sonderlich knapp, sondern gilt nur als Einschränkung, damit man als Spieler Prioritäten zu setzen hat. Denn es geht halt doch eben nicht alles: Mit Freunden abhängen, Nebenaufträge der Abenteuergilde erfüllen, die aufbaubaren Tourismusdomizile zu verbessern, und noch ordentlich Reibach machen. Verlieren kann man Atelier Annie sowieso nur, in dem die Semesterprüfungen nicht bestanden werden. Diese sollten also tunlichst zuerst erfüllt werden, mit dem Rest des halben Jahres kann dann umgegangen werden, wie es beliebt.

Dies führt zu einem von bis zu sieben Enden, eben je nachdem worauf sich wirklich spezialisiert wurde, wobei der erste Durchgang wohl sowieso zum „Alle Prüfungen absolviert, aber sonst nichts“-Ende führen wird. Für den Rest gibt es die New Game +, die einigen Fortschritt übernimmt, auf dass die schwereren Voraussetzungen einfacher zu erfüllen sind.

Atelier Annie sieht durchaus ganz knuffig aus, besonders natürlich die Animestandbilder für die Charakterinteraktionen, während Stadt und Oberwelt Menüs sind, sowie Shops und Lokalitäten nach Betreten als relativ einfache Ein-Bildschirm-Standbilder präsentiert werden. Die Musik ist ganz angenehm, wenn auch nicht herausragend, und überraschend entschloss sich NISA dazu, hier komplett auf eine Neuvertonung zu verzichten, und bietet von daher nur das durchaus gute, aber selten eingesetzte japanische Voice Acting.

Fazit:
Atelier Annie ist eines jener Spiele, die ich wirklich mehr mögen wollte, als ich dies letztendlich tat. Herzallerliebt, knuffig, witzig, wenig ernst, und sich einfach selbst genug zu sein, wollten es mir absolut sympathisch machen. Leider spielt es sich häufig einfach ziemlich langweilig. Wenn ich dann eben nicht in einer Charakterinteraktion bin, und auch die Semesterprüfung schnell erledigt habe, so dass ich einfach etwas verloren und Ziellos durchs Spiel irre, hier was braue, dort was sammle, diesen Auftrag erledige, dies alles aber so unnötig erscheint und ich einfach nur darauf hoffte, dass die Tage möglichst schnell vergehen, auf das mir die nächste Hauptaufgabe gestellt wird.

6 von 10 Punkten

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