Harvest Moon DS Cute

  • Plattform: Nintendo DS
  • Release: 08.12.05 (J), 25.03.08 (US)

Wenn es um Harvest Moon geht, so ist man es als Kenner der Reihe wohl gewohnt, dass die Spiele immer leicht glitchy sind. Doch was mit dem ersten Eintrag für den DS abgeliefert wurde, war dann doch unter aller Sau. Netterweise wurde etwas Arbeit in das obligatorische for Girls Release gesteckt, so dass Harvest Moon DS Cute dann wieder eine spielbare Variante wurde.

Die Erntegöttin und ihre 101 Wichtel sind so super nervig, dass der verschrobene Erntekönig sie schlichtweg versteinert hat, während die Wichtel in alle Himmelsrichtungen verstreut wurden. Das fand er dann selbst als leichte Überreaktion, statt aber selbst was dagegen zu machen, befehligt er eine junge Farmerin damit, die Erntewichtel wieder auftauchen zu lassen. Oder zumindest 60 davon, um die Göttin wiedererwecken zu können, die restlichen 40 können versauern.

Dies ist also diesmal das wie üblich mehr als einfach zu erfüllende Spielziel. Und eines, auf das sich eigentlich wenig konzentriert werden muss, denn die Wichtel sind genau genommen Trophies/Achievments. Alles, was in Harvest Moon gemacht werden kann, hat seine eigene Wichtelkategorie. Um sie nun wieder auftauchen zu lassen, müssen Voraussetzungen erfüllt werden a la „Gieße X Felder“, „Ernte X Früchte“, „Habe X Tiere“, „Ernte noch mehr Früchte“, „Angle X Fische“, „Gieße noch mehr Felder“, „Befreunde einen Dorfbewohner“, „Ernte noch viel mehr Früchte“ etc. pp. Eine relativ organische Spielweise führt also bereits dazu, dass viele Wichtel so ganz nebenbei auftauchen werden, für die paar restlichen schaut man sich halt schnell eine Liste an. Etwas schade ist allerdings, dass anschließend die Göttin einfach schnell „Danke“ sagt und wieder verschwindet, es gibt nicht mal eine kleine Cutscene oder Ähnliches, um einem ein Gefühl von Finalität zu geben.

Speziell ist diesmal übrigens, dass wirklich bei Null angefangen wird. Auf der Farm steht nur die Anfangskaschemme, in der man lebt, sowie ein Verschlag für das spätere Pferd. Sonst nichts. Das liegt daran, dass in Harvest Moon DS nun die Farm nach Belieben selbst gebaut werden kann. Denn das Feld ist diesmal sehr groß und es dem Spieler selbst überlassen, wie viel er davon für einen Obsthain, Weidefläche, Ackerland oder den Bau mehrerer Ställe verwendet. Zudem können Bauten aus diversen Materialen hergestellt werden – Gras und Holz kostet wenig, stürzt aber wesentlich einfacher ein als etwas aus Stein. Somit ist nicht nur der eigenen Kreativität (und eventuellem Symmetrie-OCD) freien Lauf gelassen, sondern existiert tatsächlich ausnahmsweise mal ein guter Money Sink. Denn das Baumaterial ist nicht einfach zu beschaffen, weswegen Baumeister Gotz auch die Option bietet jenes zu stellen, was die Baukosten enorm erhöht. Statt wie sonst in einem Harvest Moon also bereits im Herbst des ersten Jahres alles ausgebaut, voller Tiere und Pflanzen, und dennoch bereits eine halbe Mille Überschuss zu haben, dauert es in Harvest Moon DS schon mal gut zwei Spieljahre, bis wirklich alles gemacht ist. Es ist schlichtweg motivierender etwas zu haben, auf das zugearbeitet wird, statt Geld nur um des weiteren Hortens willens zu verdienen.

Auch sehr schön ist, dass mittlerweile der Rucksack enorm viel Platz bietet, da Gegenstände nun bis zu 99 auf dem gleichen Slot liegen, so dass die größte Erweiterung eigentlich gar nicht mehr nötig ist. Auch gibt es nette Zusätze, die das Leben erleichtern, wie beispielsweise das Freundschaftslevel oder die Stamina genau angezeigt zu bekommen.

Ansonsten ist natürlich alles beim Alten: Repetitiv-Gaming vom Feinsten, sobald man erst mal den persönlich gängigsten Tagesablauf von Ackerbau, Tierzucht und Nachbarschaftsgesprächen gefunden hat, immer mal wieder unterbrochen von einem Festtag oder sonstig speziellem Ereignis. Spielen in Trance und zur Entspannung, was definitiv nicht jedem liegen wird, aber mit wem es klickt weckt es eine gewisse Sucht.

Dunkle Wolken am Horizont gibt es dennoch ein oder zwei. So gibt es immer noch nicht die Möglichkeit einzustellen, dass automatisch gerannt statt langsam gegangen wird – denn wann will man in Harvest Moon schon mal nicht rennen? Auch ist es nett, dass dank des Touchscreens das Menü nun immer eingeblendet und Unterkategorien nur einen Stubser entfernt sind, doch muss ich wirklich ständig das Speichermenü eingeblendet bekommen? Wäre da der Rucksack nicht besser, statt nach jenem immer blättern zu müssen? Und wer sich auch immer ausgedacht hat, dass Heirat diesmal erst nach Erfüllen des Spielzieles möglich sein soll, gehört sowieso erschossen. Apropos, ist niemand auf die Idee genommen, dass die Girls-Version ein paar attraktive männliche Bewohner im Dorf gebrauchen könnte, die zu heiraten eine Belohnung statt Strafe ist?

Technisch hat man sich nicht unbedingt sonderlich angestrengt was das Spiel angeht, so benutzt Harvest Moon DS Cute doch einfach exakt die gleiche Optik des GBA-Teiles Friends of Mineral Town. Was nicht bedeutet, dass die 2D-Sprites nicht niedlich und farbenfroh sind, doch zumindest eine höhere Auflösung hätte schon drin sein können. So hat man etwas das Gefühl einen lieblosen Spritehack zu spielen. Dafür ist die Musik diesmal überraschend melodisch und eingängig, bei 30 Tagen pro Monat wird auch dies sicherlich ein wenig repetitiv, doch gerade die Herbst- und Winter-BGM sind wesentlich besser, als ich dies von einem Harvest Moon erwartet hätte.

Fazit:
Harvest Moon DS Cute hat mir wirklich sehr gut gefallen. Es ist das üblich süchtig machende Konzept, allerdings diesmal mit mehr Langzeitmotivation, da es mehr gibt, auf das hingearbeitet werden kann, statt in kürzester Zeit schon alles gesehen zu haben.

8 von 10 Punkten

Werbeanzeigen