Etrian Odyssey III: The Drowned City

  • Plattform: Nintendo DS
  • Release: 01.04.10 (J), 21.09.10 (US)

Für die Werbekampagne des dritten Eintrags in ihrer profitable Dungeon-Crawler-Reihe, hat sich Atlus gedacht darauf zu pochen alles sei hier neu. Das ist etwas seltsam, denn wer sich zu solchen oldschooligen Dungeon Crawlern hingezogen fühlt, erwartet sicher nicht Innovation zu entdecken. Außerdem ist es schlichtweg gelogen, Atlus hat keine neuen Blumen gepflanzt, sondern nur die Rosen umbenannt.

Erneut wird also in einer zentralen Stadt eine Gilde erstellt und fünf Abenteurer hineingestopft, deren Berufe zwar alle neue Namen bekommen haben, welche aber natürlich dennoch die üblichen Archetypen a la Heiler, Tank, Angreifer, Magier und alle Schattierungen dazwischen erfüllen. Und wer hätte es gedacht, die Stadt ist so ein Abenteurer-Domizil, weil sie direkt neben einem vielstöckigen, mysteriösen Dungeon erbaut ist, in die der Magistrat die leichtsinnigen Gruppen schickt, auf das sie dessen Geheimnisse herausfinden.

Tatsächlich neu hingegen ist in Etrian Odyssey III das um die Menüstadt herum eine Oberwelt existiert. Ein Ozean, der bereist werden kann, und auf dem mehrere kleine Inseln auf ihre Entdeckung warten. Ins Hauptspiel integriert ist dies leider nicht, im Gegensatz zu meiner Erwartung werden beispielsweise nun nicht kleinere Einzeldungeons auf den verschiedenen Inseln besucht, sondern können so nur ein paar weitere Nebenmissionen freigeschaltet werden – das Hauptspiel findet weiterhin im ursprünglichen Dungeon an der Starterstadt statt.

Jenes besteht aus den üblichen 5 Strata, die wiederum aus mehreren Stockwerken sich zusammensetzen, plus das übliche Bonus-Stratum nach Spielende. Rundenbasiert wird sich durchgekämpft, eine Karte auf dem Touchscreen selbst gezeichnet, Abkürzungen eröffnet, und am Ende ein Boss bekämpft, um ins nächste Stratum zu kommen, zu dem nun jederzeit von der Stadt aus gewarpt werden kann. Die Übliche Vorgehensweise also. Sicherlich eine kleine, aber überraschend gute Neuerung ist die Möglichkeit zum Legen von Auto-Wegen, die von der Gruppe automatisch abgegangen werden, ohne das der Spieler selbst den Input geben muss – praktisch für ewig gleiche Wege und Levelrunden. Größer und wesentlich aufregender jedoch ist das Einfügen von Subklassen, denn sobald ein gewisser Spielfortschritt erreicht ist, kann jeder Charakter neben seinem Hauptberuf auch noch einen zweiten annehmen, um Zugriff zu dessen Fähigkeiten zu gewinnen. Immer nützlich, um beispielsweise einen Angreifer mit hohem Schaden aber niedriger Treffergenauigkeit die Passivtalente zum Erhöhung jener eines anderen Berufs zu geben, oder einem Heilerberuf einen Secondary Healer hinzuzugeben, um deren Können zu Maximieren.

Also ist alles beim Alten nur noch besser in Etrian Odyssey III? Nein, leider nicht ganz, da mir doch ein oder zwei benutzerfreundliche Dinge fehlten, die Etrian Odyssey II aufwies, aus dem nächsten Teil allerdings verbannt wurden. Beispielsweise fühlt man sich hier erneut jederzeit wie eine arme Kirchenmaus, die sich nicht mal die Hälfte der freigeschalteten Ausrüstung leisten kann, die für die knackigen Kämpfe bitter nötig erscheint. Was im Vorgänger durch Bossdrops revidiert wurde, muss sich hier wieder nervig mit einer Erntegruppe nebenbei zusammengeklaubt werden. Viel schlimmer noch war das Verschwinden der Warpportale auf den Boss-Stockwerken. Etrian Odyssey III mag die Strata um ein Stockwerk verkürzen und Campingplätze zum Heilen einbauen, jedoch ist es wenig aufregend die vier Stockwerke, von denen man bereits bewiesen hat, dass man sie meistern kann, jede Mal erneut zum Boss zu laufen, nur weil der einen umgebracht hat. Denn erneut können Bosse ziemliche Fortschrittsmauern sein, sind selbst bei guter Zusammenstellung und Strategie manche ein wenig vom Glück abhängig, ganz zu schweigen von den Gimmick-Bossen, die die Gruppe schonungslos töten werden, bis der Spieler jenes herausgefunden und auzucanceln gelernt hat.

Optisch ist es dafür definitiv der hübscheste Eintrag in die DS-Trilogie, mit einigen überraschend spektakulären ersten Blicken in die Strata, und schönem Monster-Artwork, das leider gewohnt starr in der Luft hängt. Die rockige Musik bringt einen sowieso gewohnt zum unbewussten Mitwippen.

Fazit:
Manchmal habe ich eine echt harte Zeit, festlegen zu können, warum mich manche Dungeon Crawler motivieren, andere hingegen langweilen. Nach einem durchwachsenen Erlebnis mit dem ersten Teil, dafür aber jede Menge Spaß mit dem Nachfolger, ging mir das dritte Etrian Odyssey zwischen den Motivationsschüben hingegen wieder häufiger mal auf den Nerv.

6 von 10 Punkten

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