Game of Thrones

  • Plattform: PC
  • Release: 15.05.12 (US), 08.06.12 (EU)

Vor kurzem hat Telltale Games angekündigt eine ihrer Game-Seasons basierend auf einer der momentan angesagtesten US-Serienhits, Game of Thrones, zu produzieren. Bleibt zu hoffen das deren interaktive Miniserie besser wird als die bisherigen Versoftungen des Epos, denn sowohl das Strategiespiel Game of Thrones: Genesis so wie das schlicht Game of Thrones genannte klassische Rollenspiel, haben einen universell mehr als schlechten Ruf. Und tatsächlich bietet das Rollenspiel keinen Aspekt, der nicht Fehler aufweisen würde.

Als Erstes hätten wir da natürlich die Handlung. Die ist der stärkste Part des Spieles, was wenig überraschen sollte, denn wir haben es hier mit Game of Thrones zu tun, wo Story immer über Action stand. Was auch erklärt, warum der geneigte Spieler viel häufiger Text zu lesen bekommt, denn wirklich durch Westeros laufen und sich Schwertgefechte liefern wird.

Das Spiel folgt in sich abwechselnden Kapiteln jeweils Mors und Anders, beides ehemalige Kriegshelden im Kampf gegen den wahnsinnigen König, die anschließend unter die Räder im Spiel der Throne kamen, die Gunst der Lanisters verloren, und deswegen ins Exil gingen. Mors zu den Krähen an den Wall, wo er sich den Namen „Schlächter“ erarbeitete, Anders hingegen übers Meer um Priester des Lichtgottes zu werden. Doch als der aus Adelshaus kommende Anders zur Beerdigung seines Vaters zurückkehrt, muss er feststellen, dass sein jüngster Bruder des Hauses verwiesen wurde, während der von Königin Cercei begünstigte Bastard das neue Oberhaupt werden soll. Mors derweil bekommt den Auftrag eines mit dem Bastard des Königs schwangeres Mädchen zu schützen, dem die Meuchelmörder bereits auf den Spuren sind. Tatsächlich ist es so, dass sich beide Charaktere ungefähr ein Drittel durch die 16 Kapitel hindurch zusammenschließen und ihre scheinbar so unterschiedlichen Handlungsstränge vermischen werden. Es gibt viel herauszufinden über die Ambition der Königin, des Bastards, und die Vergangenheit der beiden Protagonisten, sowie keinen einfachen Weg aus der Situation, in der letztendlich sich jeder selbst der Nächste ist.

Leider ist die eigentlich interessante Geschichte voller Intrigen nicht sonderlich gut präsentiert. Dass Charaktere viel und häufig reden ist schön und gut, wenn sie aber scheinbar in jedem Gespräch jeden Punkt zehnfach in den Stein meißeln, dann lässt diese viele Redundanz einen doch schnell jede Konversation fürchten, und hoffen, sie mögen sich doch einfach mal kurz fassen können. Wenn dann noch so viele Charaktere gleich oder ähnlich aussehende, low-poly Modelle nutzen, die sich starr gegenüberstehen und durch die gleichen Standardanimationen laufen, ist die Sache auch nicht gerade cineastisch beeindruckender. Wenn die englischen Sprecher dann noch alles, egal in welcher Gefühlslage sie gerade sein sollen, im gleichen Monoton daher sagen, kommt es schon Mal zu unfreiwilligen Anflügen von Müdigkeit.

Wenn es dann doch mal für 10-15 Minuten zwischen Dia- und Monologen zu Spielgeschehen kommt, fällt schnell auf, dass Game of Thrones für ein westliches RPG überraschend geradlinig geraten ist. Die Einsatzorte sind alle klein, verschachtelt, und sehen alle gleich aus, zudem darf nur in den wenigsten Kapiteln zu mehr als dem aktuellen gegangen werden. Nebenmissionen gibt es eine pro Kapitel, die in der Regel auch in jenem absolviert werden müssen oder als nicht bestanden zählen, sowie in der aktuellen Lokalität angesiedelt sind. Die Bewohner von Westeros sehen alle gleich aus, die Gegner sowieso, und die Kamera ist so nah an den Schultern der Spielfigur, dass einen leichte Klaustrophobie überkommen kann. Ein bisschen mehr Personal Space würde vielleicht auch dazu führen, dass die HP-Leisten der Gegner nicht ständig aus dem Sichtfeld verschwinden, oder in Ecken und Winkeln dies gar mit den Gegnern an sich geschähe.

Damit sind wir wohl nun beim Kampfsystem angekommen. Das System von Game of Thrones ist dem Stop-and-Go von Spielen wie Dragon Age nicht komplett unähnlich, nur stoppt es nie ganz. Ein Klick auf den Gegner startet die Auto-Attacke, mit Leertaste kann jederzeit die Skillleiste aufgerufen werden, von denen je drei in die Queue gelegt werden können, und während sie aufgerufen ist geht das Spiel in Slow Motion über. Ist ein Partner präsent, kann natürlich jederzeit zwischen den Spielfiguren gewechselt werden. Ein wenig Strategie gibt es sogar auch, so können Skill vorbereitende Gegner unterbrochen werden, und sind die drei Waffen- und Rüstungsarten gegeneinander verschieden effektiv. Allerdings kommt dies nur in den stärkeren Auseinandersetzungen wirklich zum Tragen, weswegen immerhin nicht für jeden Kampf die Ausrüstung umgestellt werden muss. Die Kämpfe fand ich ehrlich gesagt wohl nach der Handlung am zweit-nicht-schlechtesten, wäre halt schön gewesen, wenn es mehr Variation an Gegnern und eine besser Kamera gäbe. Auch muss sich zunächst daran gewöhnt werden, dass Charaktere zwar theoretisch währenddessen frei beweglich sind, aber Wegrennen oder nur Ausweichen nicht wirklich eine Option sind.

Fazit:
Ich muss zugeben, dass ich Game of Thrones nicht mal so katastrophal fand, wie es häufig dargestellt wurde. Es gibt gar technisch besser gemachte Spiele, die mir mehr auf den Zeiger gingen. Jedoch ist das Spiel die Definition von „Meh“, da es alle seine guten Eigenschaften durch einen Fauxpas hier und dort wieder revidiert.

5 von 10 Punkten

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