Harvest Moon: Save the Homeland

  • Plattform: PlayStation 2
  • Release: 05.07.01 (J), 22.11.01 (US)

Harvest Moon ist sicherlich keine Serie, die sich besonders schnell in neue Gefilde wagt, dann wiederum ist eine Farmsimulation eben eine Farmsimulation. In 2001, nachdem GameBoy, PlayStation und N64 jeweils spielerisch ziemlich identisch zum SNES-Original gehaltene Einträge in die Serie bekamen, wurde sich beim PS2-Teil Save the Homeland getraut, ordentlich am Status Quo zu rütteln – mit ähnlich ernüchternden Ergebnissen wie etwas später in A Wonderful Life.

Hierbei muss sich in Erinnerung gerufen werden, dass bisher die Harvest Moons keinerlei Handlung hatten, sondern den Spieler zu Beginn auf eine heruntergekommene Farm warfen, auf das jene in den nächsten 2 bis 3 Jahren aufzubauen war. Mit den NPCs interagieren gab es nur zum Selbstzweck und um sich eventuell eine hübsche Lady an der Seite zu angeln. Save the Homeland geht nun allerdings genau in die andere Richtung, zügelt die Farmarbeit ordentlich und legt den Augenmerk stattdessen auf Story und Charakterinteraktion.

Denn auch hier hat mal wieder ein Jüngling eine Farm geerbt, die angesichts des Fehlens von Ackerland, Tierbestand, und der dringenden Not zur Renovierung scheinbar eine Weile leer gestanden hat. Doch die Dorfbewohner sind schnell darin ihm zu sagen, dass jeder Versuch dies zu Verändern nur vergeudete Liebesmüh ist, denn die idyllische Insel soll bereits in einem Jahr eingestampft werden, da hier ein Vergnügungspark errichtet werden soll.

Statt sich auf die Farmarbeit zu stürzen wird also besser ein Weg gefunden, wie dies verhindert gehört. Davon gibt es tatsächlich 9 verschiedene, die häufig durch das Gewinnen eines Wettbewerbs die Dorfkultur der Öffentlichkeit nahe bringt, oder die Insel mit dem Auffinden einer seltenen Spezies einfach zum Naturschutzgebiet erklären. Anschließend kann dank New Game + jederzeit ein weiteres Ende angegangen werden, wobei das Spiel selbstverständlich Handlung/Charaktere auf Null zurücksetzt, allerdings den Farmfortschritt intakt behält.

Zunächst ist dies auch erstaunlich erfrischend, ein Harvest Moon ohne viel Farmarbeit, stattdessen darauf fokussiert sich mit NPCs zu befreunden und so die Rettung der Insel herauszufinden. Zudem die kürzesten Tage seit dem SNES. Allerdings stellt sich mit der Zeit schnell heraus, wie viel tatsächlich hier entschlackt wurde. So gibt es nur 4 Sorten Saatgut, die Jahreszeitenunabhängig sind; keine weiteren Stallausbauten; keine Feste; und die niedlichen Mädels können auch nicht geheiratet werden. Und da die meisten Enden tatsächlich nur daran gekoppelt zu sein scheinen, wie stark sich mit den richtigen Dorfbewohnern befreundet wird, haben Farmarbeit und Geld letztendlich keinerlei nutzen in Save the Homeland. Das macht die Tage zwischen zwei getriggerten Cutscenes dann doch schnell extrem öde, da es sehr schnell nichts von Wichtigkeit zu tun oder Neues zu sehen zu geben scheint. Genau genommen fühlte ich mich sehr bald sogar wie ein Testspieler einer Betaversion eines Spieles, welches durchaus bereits komplett spielbar ist, bei dem allerdings jede Menge Inhalt noch nicht eingefügt wurde. Ja, Save the Homeland wirkt schlichtweg unfertig. Sachen, wie der Rucksack, der viel mehr fasst, als im Spiel überhaupt vorkommt; oder die eigenartige Distribution welcher Laden was kauft (das Lebensmittelgeschäft verkauft Eier, kauft sie aber nicht; der Werkzeugladen hingegen kauft Milch) verstärken dieses Gefühl nur noch zusätzlich.

Immerhin ist das Spiel wirklich niedlich anzusehen. Die Umgebung mag insgesamt etwas detailarm sein, doch die per Cel-Shading gemachten Charaktere und besonders die kleinen Animationen des Bauern sind sehr knuffig. Der Soundtrack ist für Serienverhältnisse auch nicht übel, erinnerte mich in vielen Melodien an Dragon-Quest-Komponist Sugiyama – melodiös aber etwas unspektakulär.

Fazit:
Den Fokus von Harvest Moon so stark zu ändern um eine neue Erfahrung zu bieten, mag durchaus Anerkennung verdienen, wenn das Resultat allerdings schlichtweg wie die unfertige Beta-Version eines Spieles wirkt, ist das Experiment jedoch definitiv missglückt.

4 von 10 Punkten

Werbeanzeigen