Rune Factory 3: A Fantasy Harvest Moon

  • Plattform: Nintendo DS
  • Release: 22.10.09 (J), 09.11.10 (US), 30.09.11 (EU)

Ich wollte Rune Factory damals wirklich mehr mögen, als ich das letztendlich tat, da es einfach dem kleinen, unspektakulären RPGchen am Gameplay haperte. Einen DS- und zwei Konsolenteile überspringend habe ich mich nun am dritten und letzten Eintrag für Nintendos ersten Doppelbildschirmer versucht – bei dem Abstand muss sich doch was gebessert haben.

Bereits die Handlung im Erstling war etwas dumm und generisch, und Rune Factory 3 revidiert dies nicht, sondern macht es zu seinem Eigen. Im Groben ist es die übliche Fantasy-Rassismus-Kiste über Monster und Menschen, die sich wieder vertragen müssen. Nur das Ganze so geschrieben, und die Charaktere so überzeichnet, dass klar ist Rune Factory 3 nimmt sich gar nicht so ernst. Während die Menschen im Dorf also gegen alle Fabelwesen wettern, übersieht jeder großzügig, dass sie selbst mit Elfe, Dwarf und Meerjungfrau leben. Unser (selbstverständlich) unter Amnesie leidende Held findet heraus, dass er ein Werschaf(!) ist, und meint dazu ganz nonchalant, er verwandle sich besser nicht vor deren Augen, sonst halten sie ihn noch für merkwürdig. Im Dorf leben unter anderem eine Familie, die immer das Gegenteilige von dem sagt, was sie meint; eine Elfe mit Regenbogenobsession, die ihre Gemälde mit einem Hammer zeichnet; oder ein Surferdude, der ziemlich narzisstisch ständig seine eigenen Muskeln bewundert. Die Welt von Rune Factory 3 ist doch ganz niedlich und einem schnell sympathisch.

Wenn’s doch nicht schon wieder im Gameplay stottern würde. Die Farmarbeit ist mal wieder zum Hobby degradiert, da durch sie nicht wirklich irgendwas generiert wird, was für den Spielverlauf von Wichtigkeit wäre, sowie Geld auch ausreichend auf anderem Wege zu erwirtschaften ist. Wenn die begrenzte Zeit und Energie pro Tag dann eben noch auf so viele andere Bereiche, wie die Dungeons zu erkunden, NPCs zu befreunden, Feste zu feiern, Frauen zu heiraten, Quests zu erledigen, Synthese zu betreiben, oder Monster zu fangen geht, dann versauert so eine Farm auch mal ganz schnell am untersten Rand der Prioritätenliste. Für ein Spinoff zu Harvest Moon halt irgendwo etwas schade.

Die Hand voll Dungeons sind wie üblich weniger fordernd. Diesmal müssen übrigens nicht alle Monster-Spawner erledigt werden, um den Bossraum zu öffnen, sondern meist eine Art Puzzle bezwungen werden. Anschließend also einfach schnell raus, ausruhen, und am nächsten Tag mit voller Energie durch die paar Bildschirme an den Monstern vorbei huschen und den Boss erledigen. Es hat sich übrigens nicht viel an den Nervfaktoren seit dem ersten Teil getan, und so passiert es immer noch, dass man von Projektilattacken von Offscreen in die Zange genommen wird, und es nicht sonderlich einfach ist selbst Nahkampfattacken auszuweichen – besonders bei den Bossen – da sie einen häufiger auch mal zu treffen scheinen, wenn man eigentlich knapp aus dem Weg war. Das ist dann aber auch gar nicht nötig, da sich einfach voll in sie reingestellt und losgeschnetzelt werden kann. Sollte die Lebensleiste doch zu schnell sinken wird ein Heiltrank genuckelt, da die aus dem Unkraut auf den eigenen Beeten schnell im Dutzend gemixt sind.

Dass die Kämpfe sowohl so ungenau wie gleichzeitig Hirntot sind ist eben schon etwas schade, denn Rune Factory 3 kann hier und dort schon Spaß machen. Meist in den nicht relevanten Dingen, wie sich in der Synthese zu verlieren, mit NPCs anzufreunden, für sie kleine Aufgaben zu erledigen, oder Monster zu befreunden. Sobald es dann zurück auf die Farm geht oder ein Dungeon durchackert werden muss, ist das mehr eine lästige Obligation, die zwischen einem und dem eigentlichen Spaß zu stehen scheint.

Optisch hat sich eigentlich ebenfalls wenig getan, die Welt an sich ist also ganz schnieke, aber die Modelle sind klobig und hässlich anzusehen. Zudem haben Gegenstände die Angewohnheit zu verschwinden, sobald eine gewisse Anzahl gleichzeitig auf dem Bildschirm ist. Akustisch stechen vor allem die beiden herrlich-schrecklichen Opening-Songs sowie die krächzenden Charakterphrasen hervor, wenn man zu nahe an ihnen vorbeiläuft.

Fazit:
Ich mochte Rune Factory 3 hauptsächlich in der Interaktion mit den Charakteren und der selbstwissend-dämlichen Geschichte, weniger wenn es dann wirklich darum ging hier auch mal zu Kämpfen und Dungeons zu erledigen. Es ist nicht schrecklich, aber wer ein Backlog hat, sollte eigentlich fast garantiert ein Spiel finden, welchem höhere Priorität einzuräumen ist.

6 von 10 Punkten

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