Saints Row IV

  • Plattform: PC
  • Release: 19.08.13 (US), 23.08.13 (EU)

In der heutigen Zeit gehören Dinge wie Minitransaktionen und DLC zur Gaming-Landschaft, wie Gras und Bäume zur echten. Auch Saints Row: The Third blieb davon nicht verschont. Doch eine DLC-Episode, Enter the Dominatrix, wurde letztendlich so umfangreich, dass es gleich zum vollwertigen Sequel Saints Row IV umgemodelt wurde.

Eine Gang zu sein bringt schon ein gewisses Imageproblem mit sich, vor allem wenn man im Kampf mit dem Militär die halbe Stadt zerstört. Um sich also in etwas besseres öffentliches Licht zu begeben, lassen sich die Saints dazu breitschlagen, eine Terroristenzelle im Mittleren Osten auszuschalten. Wenn die Saints involviert sind, ist allerdings nie klar, wohin das führt, da endet solch ein Einsatz schon mal mit Boss, der eine abgeschossene Rakete mit bloßen Fäusten bearbeitet, während die anderen Saints bereits dramatische Abschiede von ihm nehmen, und Aerosmiths „Don’t Want to Miss a Thing“ spielt.

Doch zu früh verabschiedet, denn Fäuste sind gegen Sprengköpfe anscheinend super effective, somit Amerika gerettet und Boss der neue Präsident! Zumindest bis Aliens angreifen und nachdem ein paar aus der Space-Invaders-Formation geschossen werden konnten, sogar gewinnen, die Saints kurzerhand in eine VR-Version von Steelport stecken, wo sie versauern sollen.

Spieler von Saints Row: The Third werden dem Vorgänger sicherlich nicht gerade Logik und Kohärenz nachsagen, doch mit seinem VR-Setting hat Saints Row IV doch tatsächlich die Carte Blanche so richtig unsinnig im Namen des Spaßes zu werden. Vorrangig bedeutet das erst Mal Superkräfte, die Vehikel in diesem Eintrag dadurch praktisch unnütz machen. Zu unseren neuen Fähigkeiten als Boss gehört beispielweise rennen können wie der Flash, aus dem Stand die Höhe eines Wolkenkratzers zu springen, und anschließend im Gleitflug die halbe Stadt durchqueren zu können. Nicht zu vergessen ein Ground Pound wie Mario; Gegner mit Feuer, Eis oder Elektrizität zu bewerfen; oder sie einfach per Telekinese aufzunehmen und ins nächste Gebäude zu schleudern. Wer natürlich etwas traditioneller auf schiere Waffengewalt steht, hat traditionell-untraditionelle Dinge im Arsenal wie die Dubstep-Gun, durch die das ausgewählte Opfer unter viel Wub Wub zu tote tanzt; direkt mit schwarzen Löchern um sich zu schießen; oder gewohnt sie mit dem Violator zu knüppeln, der diesmal nicht nur in Form eines Riesendildos sondern auch eines Purpurtentakels kommen kann.

In der Charaktererstellung ist gewohnt jedem überlassen, wie nuttig, crazy, oder legitim das Outfit auszusehen hat; wie fett, dünn, oder blau der Charakter sein soll; und welchen Akzent die Stimme beinhalten soll, oder doch vielleicht gleich die Option „Nolan North“ wählen, damit der Charakter sich anhört wie jeder Videospielcharakter aller Zeiten. Die Nebenmissionen für die Homies entlassen uns erneut in Sachen wie eine Tron-Welt; eine Spionagemission, in der wir unter Kartons durch die Gegend schleichen; Spielen eines Beat em Up Sidescrollers mit Namen Saints of Rage; oder wir lesen die Hintergrundgeschichte des affektierten Oberaliens in Form von Graphic Adventures.

Dies und noch viel mehr bietet Ihnen Saints Row IV. Sprich erneut macht das hier wenig Sinn, aber dafür ordentlich Laune. Eine Sandbox ist zum vergnüglichen Spielen da, und genau dies bietet Saints Row IV. All der Irrsinn, den man sich nur wünschen kann, wenn einem Mal nicht nach super seriösem „Spiele sind Kunst!“ ist, sondern einfach der Sinn nach durchgedrehtem Spaß besteht. Was dann hier und da vielleicht ein wenig an Feinschliff fehlt, mach das Spiel mit einem Strauß an Ideen und witzigen Interaktionen zwischen den Charakteren wett.

Jedoch hat Saints Row IV auch zwei Probleme, zumindest auf meinem PC. Nun, ersteres hat damit nichts zu tun. Es gibt einige Missionen, bei denen ein Turm zerstört werden muss, während Gegner auf einen schießen, was sehr nervig ist, da dies die Aktion auscancelt. Und da es in diesen Gebieten fast immer endlose Spawner gibt, kommt einem das manchmal etwas zu Anti-Spaß vor. Außerdem hat das Spiel wie gesagt ein paar Probleme auf PC, zumindest hab ich im Internet auch den ein oder anderen Spieler gefunden, der ebenfalls an gewissen Stellen genau diese Probleme hatte: Die Framerate. Was das Spiel automatisch für Grafiksettings einstellt, funktioniert auch für das fast komplette Spiel, jedoch gibt es ein paar besonders intensive Momente, in denen die Framerate plötzlich enorm einbricht, was Stationen sogar unlösbar machen kann, da die Spielfigur sich zu langsam bewegt, um die getimte Aufgabe zu bestehen. Ein manuelles Runterschrauben der Settings löst dieses Problem, aber das sollte nun wirklich nicht nötig sein.

Saints Row IV ist eines jener Spiele, die ihre technisch durchaus angestaubte Engine dank viel Style wieder wettmachen. Der leicht cartoonige Stil lässt zumindest schnell vergessen, dass sich nicht jede Haarsträhne einzeln bewegt, oder die Poren im Gesicht gezählt werden können. Über die tolle Sprachausgabe mit den perfekt sitzenden Sprüchen muss sich eh nicht beschwert werden, oder die perfekt – häufig ironisch – zu den Situationen ausgewählten Songs.

Fazit:
Die Saints Rows sind meine Darlings. Ich habe mit Teil 3 und 4 einfach jedes Mal so ungeheuer viel Spaß gehabt, dass ich diese Erfahrung nicht mehr missen wollen würde.

9 von 10 Punkten

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