Ys V: Lost Kefin, Kingdom of Sand

  • Plattform: Super Nintendo
  • Release: 29.12.95 (J)

Bevor sie die PSP für sich entdeckten, waren Falcom relativ PC-exklusiv unterwegs was ihre Spiele anging. Konsolenports gab es sicherlich immer, jene dann aber unter Flagge anderer Firmen. So gesehen stellt Ys V eine überraschende Anomalie dar, ist es nicht nur eine der wenigen Falcom-Spiele der Zeit, welches nur auf Konsole erschien, sondern auch noch von ihnen selbst kommend.

Die Handlung ist generisch wie immer: Adol kommt in einem neuen Land an, dort gibt es Probleme und die Heldensage um einen Rothaarigen, und schon ist der gute Herr Christin verwickelt im Mysterium eines unter Amnesie leidenden Mädchens, die Rettung von Kristallen, und das Ausschalten einer fiesen, verschwundenen Zivilisation, die wieder auftaucht. All das in üblich kompakten 8 Stunden ohne große Schnörkel über die Bühne gebracht.

Jedoch wird noch niemand ein Ys wirklich vorrangig wegen der Handlung gespielt haben, sondern eher wegen dem launig-schnellen Gameplays des über den Bildschirm flitzenden roten Blitzes, der in schnellen Schwertkombinationen respektive als Todesramme die Gegner unschädlich macht. Leider ist es genau hier, wo Ys V ins Straucheln gerät, da eben jene flotte Spielweise nicht mehr wirklich ganz gegeben ist. Im Gegensatz zu den anderen Ys aus Vogelperspektive, die bisher erschienen waren, und bei denen die Gegner eben mit vollem Körpereinsatz zu tote gerammt wurden, lehnt sich Ys V mehr an die Gepflogenheiten der Genrekonkurrenz auf dem SNES, und gibt Adol sowohl die Möglichkeit zu springen, sowie ein per Tastendruck manuelles Schwingen seines Schwertes.

Dies ist grundsätzlich nicht schlimm, 8 Jahre später sollte Ys VI dies zum Standard der Serie erheben, und in den späteren Teilen funktioniert das auch sehr gut, nur in Ys V eben noch nicht. Weil es eben an Geschwindigkeit und Wendigkeit von Adol fehlt. Sich schnell genug zu bewegen mag er auf erste Sicht schon, doch die Ernüchterung kommt, sobald er währenddessen auch etwas tun soll. Beispielsweise erscheinen die Schwerthiebe langsam; ihre Hit Detection lässt Gegner auch nicht immer Schaden nehmen, obwohl ihre Sprites sichtlich getroffen wurden, und Adol von ihnen hat einstecken müssen; und Komboattacken sind eh nicht drin, sondern nur einzeln voneinander getrennte Streiche. Schlimmer noch ist das 8bit-esque Springen, denn sobald Adol den Boden unter den Füßen verliert, verliert der Spieler jegliche Kontrolle über den Sprung – er geht immer in genau gleicher Höhe und Weite, ohne nachjustieren oder gegensteuern zu können. Und wenn nicht vor Betätigung des Sprunges in die gewünschte Richtung gedrückt wurde, springt er auch in keine, sondern nur im Stand. Da hat Adol wohl das Springen bei den frühen Belmonts gelernt. Magie gibt es übrigens auch, da eine Schultertaste mehrere Sekunden gedrückt gehalten werden muss ist sie allerdings weitestgehend unnütz, da erneut nicht sonderlich manövrierfähig.

Die Angelegenheit, sobald sich dran gewöhnt wurde, wird zumindest selten wirklich nervig, da Ys V ein ziemlich einfaches Spiel ist. Dennoch ist das Spielgeschehen definitiv nicht so spaßig wie in den anderen Teilen, wenn bewegliche Bosse Adol scheinbar permanent ausmanövrieren können, während stationäre Bosse lachhaft einfach sind. Und da die Kollision mit einigen der Gegnern nur dann Schaden verursacht, wenn jene auch in ihrer Attackanimation waren, macht Ys V einfach den Eindruck, als wäre es zunächst für das übliche Kamikaze-Kampfgeschehen gemacht und dann nachträglich geändert worden.

Technisch war Ys V wohl für viele japanische Fans damals ein Schock, da das bunte 80er-Jahre Anime-Design und der rockige Soundtrack, die damals einfach zur Reihe gehörten, verschwunden sind, für einen mehr SNES-typsichen Look. So gibt es fast keine Standbilder mehr um die Handlung voranzutreiben, das Farbschema ist gedeckter, die Sprites sind realistischer proportioniert, und die Musik kommt wesentlich orchestraler daher. Das bedeutet alles allerdings definitiv nicht, dass Ys V ein hässliches Spiel ist – 1995 noch nichts aus dem SNES rausholen zu können wäre auch etwas arm – sondern es ist durchaus gut animiert und weist genug Details auf, und auch die BGM ist nicht übel.

Fazit:
Ys V ist wohl definitiv der Fehltritt der Serie gewesen, der vor allem unter dem unausgegorenen Gameplay zu leiden hat, sowie einem gewissen Identitätsverlust, der die Serie bisher herausstechen lassen hat.

4 von 10 Punkten

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