Assassin’s Creed III

  • Plattform: PC
  • Release: 20.11.12 (US), 23.11.12 (EU), 21.12.12 (J)

Nach drei Spielen um Fan-Favoriten Ezio sah also auch Ubisoft ein, dass der sich bereits vor zwei Spielen totgelaufen hatte, und brachte als fünftes Spiel endlich Assassin’s Cree III raus. Durchnummeriert, weil sich um den dritten Vorfahren Desmonds drehend, so Ubisofts Marketing-Logik.

Die größtes Überraschung vorweg: Desmonds Gegenwarts-Handlung findet hier tatsächlich ein Ende, statt wie in den vorigen Spielen rasant auf der Stelle zu treten. Gut ist sie immer noch nicht, versteht sich, denn die interessante Prämisse von Assassinen vs. Templer, bei der sich beide Seiten im Recht sehen, ist schon lang für ein super generisches „Rette die Welt vor der Apokalypse“ über Bord geworfen worden. Aber ja, in den folgenden Spielen müssen wir Langweiler Desmond nicht mehr ertragen, und dies ist Assassin’s Creed III zu verdanken. Prösterchen darauf.

Im Gegenzug ertränkt uns Assassin’s Creed III allerdings in doppelter Langeweile, denn hier wird dem geneigten Spieler doch tatsächlich der einschläfernste Vorfahre bisher geboten. Das Szenario ist Nordamerika zur Kolonialzeit, was schlichtweg ein verdammt uninteressantes Setting ist, nachdem bisher über die Renaissance-Dächer von Florenz, Rom und Istanbul parkourt werden konnte. New York und Boston in AC3 sind im Direktvergleich hier kaum mehr als graue Drecknester. Als Vorfahren spielen wir Connor, einen Ureinwohner, was überraschend wenig interessante Handlung mit sich bringt, wenn man mal bedenkt, dass er für jene kämpft, die sein Volk letztendlich in Reservate einpferchen werden. Nicht mal coole Indianerkasinos gibt es bereits.

Das Schlimmste hieran ist allerdings, dass es im dritten Assassinenkredo sehr wohl einen interessanten Charakter gab: Connors Vater Haytham, in dessen Schuhe für das überlange Tutorial geschlüpft wird. Ein fröhlich vor sich hin mordender, reservierter Brite, über den zudem heraus kommt, dass er ein Templer ist? Das ist das Spiel, welches ich wirklich spielen will, statt seinen sterbenslangweiligen Halbblut-Bastard, der die Stimme nie erhebt, ertragen zu müssen. Abgesehen davon das Haytham daran erinnert, was das bessere Spiel gewesen wäre, wirft er die komplette Struktur von AC3 in Ungleichgewicht. Ihn spielen wir für 4 Sequenzen, zwei weitere dauert es, bis Connor endlich die Robe der Meuchelmörder überstreift – die Hälfte des Spieles verbringt man also damit, darauf zu warten, dass es endlich richtig los geht. Von den ganzen Plotholes fangen wir am besten gar nicht erst an.

Oh, und was ist es weiterhin so langweilig zu spielen, selbst wenn es so richtig in Fahrt kommt. Die Städte sind nicht nur langweilig anzusehen, kaum etwas in ihnen zu machen, sondern an jeder Ecke steht auch eine Traube Wachen, deren Musketen nur zu gerne Bekanntschaft mit Connors Rektum machen wollen. Man kann nichts in diesen Städten tun, ohne sofort ein Dutzend Wachen am Arsch zu haben, zu denen alle paar Schritte weitere stoßen. Ich hab echt aufgegeben irgendwas machen zu wollen, was nicht Hauptmission war, weil mir die konstanten Auseinandersetzungen tierisch auf den Keks gingen.

Apropos auf den Keks gehen: Man sollte meinen Ubisoft habe eine Umfrage gestartet, was die nervigsten Missionsarten in der Reihe sind. Um dann ein Spiel draus zu machen. Informanten durch die halbe Stadt jagen, während die Wachen alle nur auf Connor anspringen? Check. Langsam durch die halbe Stadt über die Dächer kriechen, um einem Gespräche zu lauschen? Check. Sich an so stark wie noch nie bewachte Ziele anschleichen müssen, ohne auch nur entdeckt zu werden, egal ob man den Späher rechtzeitig ausgeschaltet hätte? Check. Ich glaube ernsthaft in AC3 so gut wie keine Mission gehabt zu haben, die wirklich Spaß machte.

Es wird etwas besser wenn Assassin’s Creed III von den Städten weg geht, so viel muss eingestanden werden. Beispielsweise mit dem eigenen Schiff in See zu stechen und andere Frachter zu meutern ist ganz nett, was das Spiel dann natürlich prompt fast ausschließlich für Nebenmissionen verwendet. Auch kann es recht spaßig sein in der Wildnis auf die Jagd nach Tieren zu gehen. Vorausgesetzt Connor läuft nicht ins dutzendste Rudel Wölfe, die ausschließlich per QTE erledigt werden können. Oder versucht ein Nutztier auf einer Farm umzulegen, denn das ist genau so schlimm wie Zivilisten zu morden. Gut zu wissen, dass Desmonds indianischer Vorfahre nur Hasen und Biber erlegt hat, seine Finger jedoch von Ziegen und Hühnern lies, die Pussy.

Immerhin toll aussehen tut Assassin’s Creed III. Das taten sie schon immer, aber hier gibt es nun eine neue Engine. Hauptsächlich interessant fand ich dabei die eher subtilen Sachen. Wettereffekte und die Existenz von Tieren, durch welche die Welt wesentlich belebter und dynamischer wirkt. Und was ist es eine Freude, den Assassinen zuzusehen. Die feinst durchanimierte Kletterei, Sprünge, Sprints – die Animation der Hauptcharaktere ändert sich sogar je nachdem, auf was für einem Untergrund dies stattfindet. Akkustich hingegen hat AC3 zum ersten Mal in der Franchise einen echten Durchhänger: Connor. Der Kerl hat den langweiligsten, monotonsten Sprecher, der mich je in Tiefschlaf lullte. Gecastet wurde er seiner Abstammung wegen, nicht aufgrund von Talent.

Fazit:
Lasst mich mal ein großes Non-Geheimnis lüften: Reviews sind subjektiv. Wer absolute Objektivität erwartet, ist ein wenig naiv. Jedes Review kommt aus der Sicht einer Person, mit gewissen Vorlieben, einem gewissen Erfahrungsschatz, und in einem gewissen Stadium ihres Lebens oder schlichtweg momentaner Laune. Denn komplett objektiv gesehen ist Assassin’s Creed III ein kompetent geschustertes Spiel, wenn auch ein von Handlung und Schauplatz her sehr langweiliges. Dennoch ist es eines der demotivierendsten Spielerlebnisse, die ich seit langem hatte, nach dem ich sogar kurz am Überlegen war, ob ich das Hobby Gaming an sich nicht aufgeben sollte. Und das ist ein schlimmes Zeichen, vor allem da ich sowieso mit niedrigen Erwartungen an die Teile gehe.

2 von 10 Punkten

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