Innocent Life – A Futuristic Harvest Moon ~Special Edition~

  • Plattform: PlayStation 2
  • Release: 29.03.07 (J), 12.02.08 (US)

Harvest Moon ist der Brötchenverdiener für Marvelous, da überrascht es wenig, dass zu einem gewissen Zeitpunkt nicht nur immer zwei oder drei gleichzeitig in Entwicklung schienen, sondern zusätzlich noch Spinoffs gestartet wurden. Beispielsweise ein „Fantasy Harvest Moon“, welches rudimentäre Farmarbeit mit rudimentärem RPG verbindet und eine eigene, erfolgreiche Subserie startete. Hingegen nach einem Sprössling schon wieder eingegangen ist das „Futuristic Harvest Moon“ Innocent Life, dem immerhin noch ein Port auf der PS2 abfiel.

Wir schreiben das Jahr 2020 und die Landwirtschaft läuft komplett maschinell ab, was dem Vulkangott gar nicht gefällt, weswegen er innerhalb der nächsten zwei Jahre die Insel komplett versenken will. Zusätzlich plant auch noch eine Firma das Dorf für ihren eigenen Bebauungsplan zu ebnen. Also entwickelt Dr. Light seinen Astro Boy und schickt ihn auf die Farm in der nahen Ruine, damit er dort beweist, dass ganz back to nature die Farmarbeit per Hand noch nicht tot ist.

Okay. Brauchen wir bei einem drohenden Vulkanausbruch wirklich auch noch eine fiese Firma, besonders wo es wenig Sinn macht, dass jene eine zum Untergang geweihte Insel kaufen möchte? Und wie bitteschön beweist es, dass Ackerbau mit menschlicher Handarbeit noch existiert, wenn es von einem Androiden verrichtet wird, der per Definition nicht Mensch sondern Maschine ist? Scheint eher so, als bräuchte jemand eine Ausrede, warum dies futuristisch ist, aber gleichzeitig auch, warum dennoch keine Großlandwirtschaft mit Traktoren etc. existiert.

Egal, was genau macht Innocent Life denn nun, um dies hier von der Hauptserie abzugrenzen? Nicht viel. Während Rune Factory zurückgeschraubt-halbgare Farmarbeit mit unausgegoren-halbgarem RPG gekreuzt hat, gibt es in Innocent Life keinerlei Genre-Mix, sondern weiterhin nur die Landwirtschaft. Jene aber stark zurückgeschraubt, damit mehr Zeit ist, sich auf die stärker ausgearbeitete Handlung zu konzentrieren. Was in die gleichen Probleme läuft wie damals Save the Homeland: Handlungen in Harvest Moon sind weder super interessant, noch komplex, und halten eben nicht über Wasser, so dass die schon fast obsolet gemachte Farmarbeit in den langweilige Lücken auffällt.

Das ist etwas schade, denn die Pinocchio-Prämisse und Inselbewohner sind schon sympathisch, sowie die einzelnen Lokalitäten der Insel ziemlich unterschiedlich und interessant zu besuchen. Doch eben an Handlung passiert einfach nicht viel. Es dauert teilweise Wochen oder sogar eine ganze Jahreszeit, bis die nächste Cutscene getriggert werden kann, um endlich etwas neues zu sehen. Gerade der erste Frühling ist schrecklich, da vor der ersten Ernte nicht mal die Farmruine verlassen werden kann, und auch eben danach fast nichts geschieht. Im Sommer kann die Handlung dann endlich richtig fortgesetzt werden und auch einige neue Farmoptionen wie die Tierhaltung gehen damit einher… nur nach einem schön ausgefüllten Sommer kommt dann wieder ein Herbst, in dem der Spieler wahrscheinlich nur leere Luft tritt, bis die Handlung im Winter dann endlich beendet werden kann. Sofern ein obskurer Schalter rechtzeitig gelegt wurde, ansonsten muss auf den Winter des zweiten Jahres gewartet, also ein ganzes Jahr Vakuum im Spiel überstanden werden.

Und die Farmarbeit füllt dies eben nicht auf. Die Tierhaltung geht komplett automatisch ab, lediglich streicheln muss man sie täglich, doch füttern und die Produkte abarbeiten macht das Fließband (wie war das noch mal mit der Handarbeit?). Aussähen und Ernten der Felder liegt immerhin in der Spielerhand, zumindest bis die Einschienenbahn freigeschaltet wird, die auch diese Arbeit automatisiert. Was bleibt noch zum Zeitvertreib? Das schlimmste Angeln der ganzen Serie? Das Kochen für welches nicht mal die Zutaten gekauft oder angepflanzt werden müssen? Das Sammeln von wilden Früchten, die kaum Geld einbringen? Und wozu überhaupt, es gibt weder Ausbauten, noch muss sonstig groß Geld investiert werden, um durch das Spiel zu kommen. So wenig die Farmarbeit eh schon bietet, so unnütz ist sie auch, von ein oder zwei kurzen Instanzen ausgenommen, um Innocent Life voranzubringen.

Innocent Life ist von Arte Piazza, die vor allem durch die Remakes von Dragon Quest IV-VI bekannt sein dürften. Anscheinend haben sie jene Engine gleich übernommen, denn Innocent Life sieht verdächtig nach der PS2-Version von Dragon Quest V aus. Pixelige Vegetation und schiefe Hauswände und alles. Der kleinere PSP-Bildschirm wird dies noch halbwegs kaschiert haben, doch auf der großen Bruderkonsole fällt dies doch ziemlich auf. An Musik gibt es das übliche Harvest-Moon-Gehudel, welches endlos repetitiv dahin dudelt.

Fazit:
Ich hätte Innocent Life gern gemocht, denn das Setting ist frisch und teilweise amüsant schräg, und als es im ersten Sommer viel zu tun gab, war das wirklich unterhaltsam. Dummerweise hat das Spiel weder davor noch danach mehr irgendetwas zu bieten und verkommt zum absoluten Langweiler.

4 von 10 Punkten

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