Lufia: The Legend Returns

  • Plattform: GameBoy Color
  • Release: 07.09.01 (J), 20.09.01 (US), 23.10.01 (EU)

Taitos Lufia-Reihe hat mit den ersten zwei Einträgen auf dem SNES, von denen wir Europäer mit dem zweiten Teil wenigstens den wirklich guten abbekamen, eine anständige Fangemeinde gewinnen können, doch anschließend wurde es deutlich ruhiger. Zunächst war ein Sprung auf die PlayStation angedacht, allerdings wurde dieses Projekt eingestampft und später zum kleinen Handheld-Eintrag Lufia: The Legend Returns umgemodelt.

Der Rothaarige Wain ist ein ganz normaler Monsterjäger seines Dorfes, trifft eines Tages auf die mysteriöse blauhaarige Seena, die ihm einen Blitzzauber um die Ohren fegt, um seine Fähigkeiten zu testen, und ein abgefackeltes Haus durch einen Sinistral-Angriff später schließt Wain sich Seenas Feldzug gegen jene Obermotze bereitwillig an. Was folgt ist eine Reise über die vier Kontinente, das Einfangen von einem Dutzend Helfern, bis alle Sinistrals das Zeitliche segnen. Oder zumindest für die nächsten hundert Jahre, was ihren Zeitplan zumindest wesentlich effizienter macht, als der der Dark Force.

The Legend Returns ist vom Ablauf her ein recht gewöhnliches RPG. Eine Gruppe an Gutmenschen finden sich zusammen, um die Bedrohung der vier Sinistrals mit Hilfe von ordentlich Stahl und Feuer zu beenden. Dazu gibt es zwar noch eine überraschende Wendung gegen Ende, wie das bei Lufia eigentlich üblich ist, aber auch die ist wohl eher nur überraschend, weil man vorher in falsche Sicherheit gewiegt wurde, dass The Legend Returns keine großen Sprünge machen würde. Die Besonderheit, die das dritte Lufia dann aber doch recht sympathisch macht, ist das die Truppe und ihre Reise häufig eine sehr amüsante ist. Einige Charaktere bringen schräge Attitüden mit, und das Spiel ist sich nie zu schade, über die durchaus verwendeten Stereotypen sich lustig zu machen. Wain ist eigentlich der typische RPG-Hauptcharakter der 8/16 Bit Zeiten: Heroisch, entschlossen, aber auch gutmütig und blauäugig zum Rande der Dummheit. Im Gegensatz zu fast allen anderen RPGs wird er allerdings auch als solches bezeichnet, es zum Running Gag, dass ihn jemand im Stundentakt als dumm bezeichnet – und auch wenn der Rest der Truppe sich für ihn einsetzt, sie die Tatsache dabei nicht wirklich abstreiten. Überraschend Geistesgegenwärtig hingegen ist Wains resignierende Observation, dass wohl alle reichen Exzentriker mehrstöckige Dungeons voller Monster unter ihren Villen errichten müssen. Und die Sinistrals dürfen sich schon mal von den Helden anhören, dass sie voll blöde und dunkle Machenschaften was für Loser sind, jawollja!

Während es also doch ziemlich launig ist der Truppe auf ihrer Reise durch die Welt zu folgen, ist das beim Kriechen durch die Kerker wieder ein ganz anderer Fall. The Legend Returns streicht leider die ausgeklügelten Puzzle-Dungeons von Lufia II komplett, und bietet stattdessen randomisierte Kerker an. Somit ist im Prinzip alles eine verkürzte Version der Ahnenhöhle, nur ohne den Verlust von Leveln. Das macht die Verliesarbeit mit der Zeit unglaublich monoton und ermüdend. Vor allem wenn sie anfangen notorisch 10 und mehr Stockwerke zu offerieren. Denn alles sieht gleich aus, trotz verschiedenem thematischen Dekor, weil wie üblich natürlich alles aus dem gleichen beschränkten Baukasten ähnlicher Räume und Gänge zusammengewürfelt wird. Zudem sind auch noch 90% der darin befindlichen Gegenstände gleich, sobald also die neuen IP-Skills gefunden wurden, kann sich nicht mal mehr über neues Loot gefreut werden, da sowieso vom ersten bis zum finalen Dungeon die gleichen Kräuter und Tränke aufgefunden werden. Immerhin sind die Gegner weiterhin sichtbar und bewegen sich nur, wenn die Truppe das auch tut, weswegen zumindest randomisierte Nervkämpfe umgangen werden.

Eine ziemliche Besonderheit ist übrigens auch die Anzahl der spielbaren Charaktere, da die Gruppe am Ende tatsächlich volle 12 Mannen zählt. Und statt nur ein paar wenige davon zu benötigen, besteht die Kämpfergruppe doch tatsächlich aus 9 davon gleichzeitig, wohl ein Rekord von non-Strategie RPGs. Die Angelegenheit hat sogar einen recht taktischen Einschlag was die Aufstellung angeht. Die Gruppe an 3×3 Kämpfern kann nämlich nicht zu neunt jede Runde agieren, sondern aus jeder Säule nur einer, sprich es gibt weiterhin nur 3 agierende Charaktere aus den 9 auf dem Kampffeld. Gleichzeitig können besagte mächtige IP-Skills aber nur gelernt und ausgeführt werden, wenn das nötige verschiedenfarbige Mana vorliegt, von denen jeder Charakter einen eigenen Pool hat, die aber auch in alle anderen Charakteren in der Horizontalen wie Vertikalen überfließen. Wer wohin gestellt wird, ist also letztendlich doch recht wichtig.

Lufia: The Legend Returns entsagt sich jeglichem Support für den ursprünglichen GameBoy, womit es wohl zusammen mit Dragon Quest III zu einem der bestaussehenden RPGs auf dem GameBoy Color wird. Die Charaktersprites mögen wie üblich nicht so viel hergeben, doch die Welt ist überraschend detailliert, und auch die Gegnersprites in den Kämpfen sehen nicht so übel aus. Von der Musik hingegen, na ja, wenn auch nicht schlecht, so ist eben der GBC nicht gerade für eine besonders gute Soundausgabe bekannt.

Fazit:
Sicherlich positiv anzumerken ist, dass Lufia: The Legend Returns nicht eine hilflos abgespeckte Version der beiden Konsolen-Vorfahren ist. Besonders reizen tut natürlich die für die Plattform hübsche Optik, sowie die humorige Truppe. Leider runter gezogen wird das Spiel durch die Fehlentscheidung der monoton-langweiligen Zufallsdungeons. Und in jene fließt leider ein heftiges Stück der Spielzeit.

6 von 10 Punkten

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