Final Fantasy VI

  • Plattform: GameBoy Advance
  • Release: 30.11.06 (J), 05.02.07 (US), 06.07.07 (EU)

Final Fantasy VI wird, zusammen mit Chrono Trigger und Final Fantasy VII, wohl so ziemlich am Häufigsten genannt, wenn es um das beste RPG aller Zeiten geht. Während zu SNES-Zeiten Europäer noch die US-Version importieren mussten, die einem trotz Adapter die Endsequenz vorenthielt, ist es mittlerweile wie die meisten frühen Final Fantasies auf allem aufgeschlagen, was es abzuspielen bereit ist, so dass sich auch jeder Nachzügler davon überzeugen kann, ob es jenem Hype gerecht wird.

Das Spiel startet in einer Welt, die bereits vor tausend Jahren im Krieg der Magi fast zugrunde ging, und sich gerade wieder aufgebaut hat, nun in einem Stadium früher industrieller Revolution ist, mit ordentlich Steampunk-Optik im Fantasy-Setting. Doch Imperator Getahl hat sich vorgenommen die Welt unter sich zu vereinen, selbst wenn er dazu die wiederentdeckte Magie nutzen muss, die bereits ein Mal fast zu Apokalypse führte. Die Rebellen-Truppe der Returner derweil stellt sich dem Vormarsch der imperialen Truppen entgegen und sammelt dabei neue Verbündete. Wie Terra, die unter Gehirnwäsche gestandene Zerstörungsmaschine des Imperiums, die überraschend von sich aus Magie einsetzen kann; oder Edgar, den König des in der Wüste versenkbaren Schlosses; Celes, ein General des Imperiums, die ihre Aufträge zu hinterfragen beginnt; sowie ein gutes Dutzend mehr.

Die Grundlagen der Handlung in Final Fantasy VI scheinen sicherlich altbekannt. Ein Imperium macht sich an die Welteroberung, und eine Rebellen-Truppe kämpft dagegen an. Später darf sogar noch ein verrückter Gott bekämpft werden. Was das Spiel besonders macht ist dann auch weniger das Was und mehr das Wie. Schon alleine das Setting des Spieles an sich, mit der immer etwas düster und dreckig wirkenden Steampunk-Optik. Final Fantasy VI geht weg von den bunten Fantasy-Welten und bietet hier bereits etwas eingeschränktere Farbpaletten und Atmosphäre, um eine Welt zu verkaufen, die darum kämpft, wieder relevant zu werden, und das mit Maschinengewalt, da die Magie verloren ist. Nicht zu vergessen die desolate zweite Hälfte, nachdem unsere Helden doch tatsächlich in ihrer Mission gescheitert sind, und die Welt an Kefkas Wahnsinn zerbrach. Final Fantasy VI dreht sich weniger um den heroischen Willen gegen das Übel zu kämpfen, obwohl es übermächtig erscheint, und mehr darum, selbst noch der Niederlage sich erneut aufzurichten und weitermachen zu lernen.

Nicht zu vergessen, dass hier die Charaktere tatsächlich auch viel ausmachen, durch ihre kleinen Substories an sich. Alleine Antagonist Kefka ist herrlich, als überdrehter Clown am Kopf einer der imperialen Truppen, den man im ersten Antreffen kaum ernst nehmen kann. Nur um dann mit jeder Szene diabolischer und fieser zu werden, bis er es tatsächlich schafft sich ikonisch lachend zum Gott zu erheben. Aber eben auch unser Dutzend an spielbaren Charakteren bekommen alle mal ihren Moment im Rampenlicht, wenn natürlich auch manche etwas mehr als andere. Die Geschichte der Zwillings-Prinzen Edgar und Sabin, von denen nur einer den Thron besteigen konnte. Celes Zwiespalt zwischen ihrer Ehre als Soldatin und das richtige tun zu wollen. Lockes verlorene Liebe. Wenn Cyan seine vergiftete Familie in deren Todesminute findet. Terras Suche nach ihrer Identität, nur um vor dem Zweifel zu landen, ob sie als Halbblut überhaupt irgendwo einen Ort für sich hat. Und das alles erzählt in für 16bit überraschend atmosphärischen Szenen wie das Phantom Forrest Segment, oder der Münzwurf der Brüder, und natürlich auch die allseits bekannte Oper. Es ist erstaunlich, wie viel besser Final Fantasy VI bereits Emotionen ausdrücken kann, in dem es den Sprites viele kleine Animationen verschafft, wie ein Augenzwinkern, beschämtes Wegschauen, oder einen koketten Wink mit dem Finger.

Spielerisch bekommen wir in den Grundlagen auch erst Mal die übliche Kost geboten. Oberwelt, Städte zum Einkaufen, dazwischen ein Dungeon oder zwei. Gekämpft wird via ATB quasi rundenbasiert, aber dann doch etwas auf die Geschwindigkeit von Charakteren und Gegner ankommend, gegen randomisiert auftauchende Kämpfe mit einer Rate, die für die Zeit ok ist, bei der man aber doch froh ist, wenn ein Relic gefunden wird, welches sie verringert. Besonders an Final Fantasy VI ist das Esper-System. So nennen sich hier die Summons, die durchaus mehr tun, als nur beschworen werden zu können. Denn sie sind es, die den Charakteren die diversen Zauber beibringen, in dem sie lange genug ausgerüstet sind, bis die Erlernung komplett ist. Das macht die Charaktere natürlich, von ihren Specials und kleinen Status-Unterschieden abgesehen, etwas austauschbar. Um sie dennoch alle mal punktuell wichtig werden zu lassen, gibt es im Spiel dafür nun Momente, wenn sich die kleine Armee in mehrere Kämpfertruppen aufteilt, um simultan verschiedene Wege gehen zu können, was sicherlich eine nette Idee ist, statt das scheinbar drei Viertel der rekrutierten Charaktere immer nur im Camp Däumchen drehen.

Was ich an Final Fantasy VI dabei besonders schätze ist, wie wenig Leerlauf es doch hat. Dies vergisst man schnell, da in der folgenden 32bit-Generation das aufgeblasene 80h-RPG zum Standard wurde, welches ewig braucht, um die immer gleichen Plotpunkte zu wiederholen, Spielzeit mit schlecht ausgearbeiteten Minispielen, überkomplexen Kampfsystemen, und immer mehr Dungeons mit den immer gleich ablaufenden Kämpfen streckten. Zu 16bit-Zeiten ging das noch so schön viel geschwinder ab. Man vergleiche nur mal Chrono Trigger mit Chrono Cross. Aber eben auch Final Fantasy VI überstrapaziert die Spielergeduld nicht. In knackigen Szenen wird die Story vorangetrieben, das Spielgeschehen bietet immer mal wieder etwas leichte Abwechslung, eben mit solchen Sachen wie den Team-Splits, getimten Segmenten, oder ein Magie-verbietendes Dungeon, sowie die Linearität der ersten Welt gegen fast komplette Nonlinearität in der zweiten auszutauschen. Und das alles wird in kompakten 20-30 Stunden Spielzeit über die Bühne gebracht, statt auslaugend auf die doppelte Spielzeit gedehnt zu sein.

Final Fantasys VI ist definitiv eines der bestaussehenden SNES-RPGs, die der Westen damals bekommen hat. Wie bereits erwähnt ist es so viel involvierender, wenn Charaktere nicht alle Emotionen durch manisches Springen im Raum mehr ausdrücken müssen, sondern mehrere subtile Animationen bekommen haben. Dazu noch die nett detaillierten Gegnersprites und atmosphärischen Hintergründe. Passend obendrauf einen von Uematsus besten Soundtracks, mit Show Stoppern wie den beiden Oberwelt-Themen, welche für die einzelnen Charakter-Backstories, und natürlich das fantastische Dancing Mad. In der GBA-Fassung wird beides natürlich etwas zurückgehalten, durch die blechernen Lautsprecher, den kleineren und aufgehellten Bildschirm, aber gut aussehen und anhören tuts immer noch.

Fazit:
Final Fantasy VI ist ein Stück Videospielgeschichte, und hat sich jenen Platz auch redlich verdient. Hier ist eben nicht ein Großteil Nostalgie-Hype aus einfacheren Tagen, als die Welt noch in Ordnung war, weil man als junger Spieler noch keine Ahnung hatte, sondern Final Fantasy VI ist und bleibt eines der besten RPGs seiner Zeit, und das in einer Blütezeit des Genres. Mit „episch“ will ich es nicht beschreiben, denn das ist ein hoffnungslos ausgeleiertes Wort, sondern Final Fantasy VI lieber „majestätisch“ nennen. Das bringt mehr Klasse rüber.

10 von 10 Punkten

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