Glory of Heracles: Labors of the Divine Hero

  • Plattform: Nintendo Entertainment System
  • Release: 12.06.1987 (J)

Mit Glory of Heracles bekommen wir es mit einer ganz alten RPG-Franchise Japans zu tun. Immerhin ist der erste Teil noch vor dem ersten Megami Tensei, Final Fantasy oder Phantasy Star aufgeschlagen, wenn auch nur um ein paar Monate. Das erklärt auch, warum es sich so sehr wie das erste Dragon Quest spielt.

Wobei man Glory of Heracles schon zugestehen muss, dass es eine eigene Identität mitbringt, wenn auch nur im Setting. Griechische Mythologie mag RPGs nicht unbekannt sein, doch zeichnet sich das meist nur durch den einen oder anderen beliebigen Gegner a la Medusa oder Pegasus aus, ein komplett in der griechischen Antike angesiedeltes hingegen ist so ziemlich nur in dieser Reihe auffindbar. Natürlich geht die Genauigkeit nicht sonderlich weit, weder die Landmassen erinnern an die Ägäis, noch sind die Griechen für ihre Pyramiden bekannt. Doch die Städte, NPCs und viele Gegner tragen bekannte Namen, göttliche Intervention kommt von Ares und Hera, und viele der Bosse sind angelehnt an die Heraklestaten.

Der Spielablauf an sich erinnert halt stark ans erste Dragon Quest, und ist damit schrecklich primitiv, vor allem wenn man in Betracht zieht, dass Dragon Quest II bereits auf dem Markt war. So bestreitet auch Heracles seine Taten im Alleingang, und da er noch nicht mal Magie lernt, sondern quasi wirklich nur jede Runde attackieren oder blocken kann, werden die 1 vs. 1 Kämpfe doch ziemlich schnell ziemlich dröge. Das die Dinger alle 1 bis 3 Schritte stattfinden, hilft der Geduld des Spielers natürlich nicht sonderlich. Immer schön, wenn der Eingang zu einer Stadt am Bildschirmrand auftaucht, aber für die paar wenigen Tiles dennoch fast ein Dutzend Monsterkämpfe anfallen. Das geht natürlich auch besonders schnell auf die Ressourcen, denn Heracles kann nur 10 Gegenstände gleichzeitig tragen, und die Durability seiner Ausrüstung geht mit jedem ausgeteilten und eingesteckten Schlag zur Neige. Die ersten 5000G also in den Schmied-Begleiter zu stecken, der nicht mit kämpft, aber auf der Reise jederzeit die Rüstung reparieren kann, ist tatsächlich angebracht. Natürlich nimmt er einen Platz im Inventar weg. Dann noch die Warp Wings immer dabei gehabt, die zumindest das Backtracking eliminieren, dafür nach ihrem Erhalt auch die Lokalitäten auf der Welt plötzlich wesentlich weiter auseinander liegen, um sie zum ersten Mal zu erreichen. Eine Lampe, um die dunklen Dungeon zu beleuchten. Schiff und Pegasus zum Bereisen der Welt sind zwei weitere Gegenstände. Ein 6er-Stack Medizin als einzige Heilung sollte immer im Rucksack stecken. Sind schon mal sechs von zehn Inventar-Plätzen voll, noch nicht inkludierend die Quest-Items, die eventuell für die aktuellen Etappe durchs Spiel benötigt werden.

Immerhin gibt es in Glory of Heracles keinen Point of no Return, sollte ein Gegenstand wegen Platzmangel weggeworfen werden, sich für später aber als noch essentielle benötigt herausstellen. Das Spiel lässt sich nur über Passwörter speichern, statt per Batterie auf dem Modul, dafür merkt es sich aber auch nur die Statuswerte von Heracles und sein aktuelles Inventar, die Welt wird zurückgesetzt. Bosse können erneut besiegt und Gegenstände erneut an ihrem Standardplatz eingesackt werden.

Wenn man sich denn dran erinnert, wo sie liegen. Denn weite Strecken von Glory of Heracles sind wildes Umherirren, ob in irgendeiner der Himmelsrichtungen etwas Neues zu finden ist. Oder zumindest irgendwo ein NPC per [Talk] einen vagen Tipp gibt, an welcher beliebigen Stelle im Spiel, auf einem ganz unwichtig aussehendem Boden-Tile, mit [Search] das nächste benötigte Item aufzufinden ist. Denn davon bietet Glory of Heracles gleich mehrere. Mit Gegnerkämpfen fast jeden Schritt und nur 6 Heilgegenstände im Gepäck, sind jene Trial & Error Reisen quer durchs Land natürlich nicht sonderlich beruhigend.

Was sicherlich interessant ist beim Spiel ist allerdings die Größte der Welt. Nicht mal der ganzen an sich, sondern mehr das die Städte nicht einfach Icons auf ihr sind, sondern in Lebensgröße auf den Kontinenten liegen. Und sowas wie Athen ist auch wirklich groß und mit NPCs bevölkert, was schon ganz cool ist, wenn sie auch eine Neigung dazu haben, sich auf den engen Straßen direkt in den Weg des Spieler zu bewegen. Ebenfalls ein nettes Detail ist sicherlich, dass die Bossgegner teilweise verschiedene Sprites haben, je nachdem ob sie angreifen oder blocken werden, unentschieden rumstehen oder kurz vorm Tod sind. Dafür geben die normalen Kämpfe nicht sonderlich viel her, da die Gegner klein geraten sind und nie in Gruppe auftauchen, somit der Großteil des Bildschirms einfach von Schwärze eingenommen wird. Musik würde ich übrigens ausstellen, schon alleine wegen dem grausigen Battle Theme, das einem hier entgegen plärrt… alle 2 Schritte.

Fazit:
Lasst uns doch mal Klartext reden: Die meisten, besonders frühen, 8bit RPGs sind Müll. Nostalgic Gaming ist super trendy, aber es gibt einen Grund, warum im Genre der rundenbasierten RPGs jene sich mehr an 16bit-Zeiten richten. Die Einschränkungen eines RPGs auf dem NES in 1987 macht Glory of Heracles heutzutage fast unspielbar. Spätestens durch die hoffnungslos überzogene Rate an Zufallsbegegnungen sollte selbst der härteste Spieler früher oder später gebrochen werden.

2 von 10 Punkten

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