Glory of Heracles: The Snap Story

  • Plattform: GameBoy
  • Release: 27.12.1992 (J)

1992 machte Data Easts Glory-of-Heracles-Reihe ihren Sprung weg vom NES auf andere Plattformen. Zum einen in Form des offiziellen dritten Teiles auf dem Nachfolger SNES, aber auch der monochrome Handheld Nintendos bekam mit einem Spinoff sein Fett weg.

Oder besser gesagt mit Glory of Heracles 1.5, denn The Snap Story befindet sich chronologisch zwischen den beiden NES-Teilen. Heracles hat gerade Hades besiegt, da eröffnet ihm Zeus, dass seine Arbeit damit doch noch gar nicht getan ist, sondern die Titanen Kronos wiederbeleben wollen, und Heracles soll sie doch bitte mal daran hindern, in dem er ihnen ein Schwert durch die Rippen zieht. Damit ist The Snap Story übrigens neben dem Erstling der einzige Teil, in dem der Spieler wirklich den Titelgeber Heracles steuert.

Und das ziemlich alleine. Ähnlich wie im ersten Teil wird sich um Heracles keine ganze Truppe beständiger Mitstreiter scharen, die ihm aushelfen, denn so ein glorreicher Held macht das alleine. Zugegeben bekommt er allerdings göttlichen Beistand, denn wann immer er in den Olymp aufsteigen kann, delegiert Zeus auf Wunsch einen Gott an Heracles Seite. Jedoch immer nur einen, und sie funktionieren etwas speziell. Zum einen werden sie nur auch dann von Monstern angegriffen, wenn sie selbst etwas in der Runde tun sollen, statt nur dekorativ rum zu stehen. Außerdem können sie nicht auf traditionelle Arten geheilt werden, wenn sie sterben steht Heracles bis zum nächsten Olymp-Besuch also wieder alleine in der Prärie. Ins letzte Dungeon des Spieles darf dann gleich gar keine Hilfe mit hineingenommen werden. Da Heracles selbst erneut keine Magien beherrscht, sondern nur physisch draufhauen kann, macht das Strecken des Spieles wieder etwas bieder, wobei immerhin diesmal nicht auf Equip-Durability geachtet werden muss, lediglich wenn ein Monster mit einem Spezialangriff etwas zum Rosten bringt, müssen Schmiede aufgesucht werden.

Die Gegner unterliegen diesmal allerdings nicht mehr dem Fair Play des ersten Teiles, und kommen in Gruppe statt sich auf einen männlichen Solo-Kampf mit Heracles einzulassen. Und hier kommt das größte Problem für mich in das ansonsten recht generische Spiel hinein: Das wirkt tatsächlich unfair. Viele der Gegnergruppen machten auf mich tatsächlich den Eindruck, als wären sie für den Kampf gegen eine Heldengruppe designt, und können Heracles ziemlich schnell das Licht auspusten. Schnell lernt man, vor welchen Gruppen am besten direkt weggerannt wird, was allerdings leider keine so hohe Erfolgschance wie im Erstling mehr hat. Ja eigentlich ist jede Gruppe von 3 oder mehr Gegnern es kaum wert bekämpft zu werden, es sei denn ein Gott mit AoE-Zauber steht einem bei, da sie zu wenig Erfahrung bringen, um die Ressourcen zum anschließenden hoch heilen zu rechtfertigen. Denn Heracles Inventar ist auch wieder begrenzt, auf 12 Gegenstände (Quest-relevantes zählt immerhin nicht) und jeder Heilgegenstand nimmt einen vollen Platz weg. Später gibt es einen Beutel für ein paar Dutzend weitere Gegenstände, aber das ist eben erst später, und auch nicht im Kampf einsetzbar.

Oben drauf kommt noch eine sehr D&D-esque Herangehensweise was die Nummern im Spiel angeht, a la „Ich werfe X Würfel mit je Y Seiten“. Ausgeteilter und eingesteckter Schaden ist sicherlich auch in JRPGs mit jedem Schlag etwas unterschiedlich, aber hier bekommen wir so Wizardry Zeug wie das den gleichen Gegner auf gleichem Level mit gleicher Waffe anzugreifen mal 2 und mal 50 Schaden austeilt, nach einem Rüstungs-Upgrade häufig der fast gleiche Schaden einzustecken ist. Zusammen mit den vielen EXP zum – bei den überstarken Gegnern mehr als nötigen – Aufleveln mit den wenigen, die nach einem Kampf errungen werden, und schon bricht sich The Snap Story über seine Gegnerkämpfe das Genick. Denn genau das ist das Problem, der Rest des Spieles ist etwas unspektakulär, aber kompetent gemacht. The Snap Story ist keines jener Spiele, bei denen man permanent über die Inkompetenz und Fehler im Produkt flucht, sondern welches einen einfach jeglichen Willen am Weiterspielen durch sein oppressives Gefühl, den Spieler brechen zu wollen, kaputt macht.

Optisch erinnert The Snap Story dann übrigens mehr an Glory of Heracles II denn den Erstling, welches durchaus besser aussah, aber auch ein wenig die eigene Identität einbüßen lässt, da es hiermit noch mehr wie ein Dragon-Quest-Klon anmuten lässt.

Fazit:
Glory of Heracles: The Snap Story ist ein in Grundzügen unspektakuläres GameBoy-RPG, welches von wenigen Designentscheidungen komplett zerstört wird.

2 von 10 Punkten

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