Etrian Odyssey IV: Legends of the Titan

  • Plattform: Nintendo 3DS
  • Release: 05.07.12 (J), 26.02.13 (US), 30.08.13 (EU)

Etrian Odyssey ist das erfolgreiche Aushängeschild, wenn es um das Nischengenre der oldschool Dungeon Crawler geht, welches besonders in Japan wieder so richtig lebendig ist. Dass die Serie eben dann doch längst nicht so fies wie ein wirkliches oldschool Wizardry ist, mag daran nicht ganz unschuldig sein. Beim Sprung auf den 3DS mit dem vierten Teil hat Atlus zudem die Möglichkeit beim Schopf gepackt noch etwas mehr Streamlining zu betreiben.

Natürlich hält auch hier eine Alibihandlung her, um der selbst zu erstellenden Gruppe eine Motivation zu geben, überhaupt in den Kampf durch (gar nicht so) dunkle Kerker zu ziehen. Zunächst ist das noch eine etwas schwache Ausrede. Viele Mysterien ranken sich um den weit entfernen, aber immer am Horizont sichtbaren, Baum Yggdrasil, und der Stadtobere finanziert Heldentruppen jenen erreichen und Licht ins Dunkle bringen zu sollen. Erst durch die üblichen Gespräche, die in der Regel zwischen zwei Dungeons stattfinden, wird eine Legende um Yggdrasil, einen Titanen, einen Krieg, und je nachdem wer sie erzählt, heroisches oder feiges Verhalten der Menschheit in jenem, aufgedeckt.

So wirklich für eine epische Geschichte sind wir aber natürlich nicht gekommen, sondern um Verliese zu durchkriechen. Im grundlegenden Gameplay ist dabei alles beim Alten. Zu Spielbeginn wird eine Fünf-Mann-Gruppe aus den verschiedenen Jobklassen erstellt, mit Level ups die diversen Skills erhöht, um es etwas leichter beim Gehen durch die Stockwerke der Kerker mit ihren diversen random Encountern zu haben. Am Ende eines jeden thematischen Bereichs ein fieser Boss, zur Spielmitte hin die Option eine Subclass zuzuteilen. Gewohntes Dungeon Crawling auch in Etrian Odyssey IV.

Doch wirkt dieser Teil freundlicher und aufgeräumter, denn wie gesagt wurde doch einiges an Streamlining betrieben. Beispielsweise sind an den Wänden Hinweise für Shortcuts zu finden, wer aufpasst kann also aufhören überall manuell zu suchen, sondern sieht im Vorhinein wo es sich lohnt. Auch fallen die Harvest Skills flach, es kann also jede Gruppe an jenen Punkten die Gegenstände einsammeln, statt eine Holzfäller-Truppe parat zu halten. Selbst die Skillbäume sind nun übersichtlicher. Statt alle in einer Liste untereinander zu haben, sind sie eben nun in Reihen angeordnet, die genau aufzeigen, welche Fähigkeit auf welches Level gebracht werden muss, um den Folgeskill lernen zu können. Zudem sind sie in drei Gruppen unterteilt, die hinter Levelhürden stecken, durch den die Auswahl zunächst eingeschränkt wird, um nicht zu überfordern.

Auch ist die Struktur des Spielgeschehen nun wesentlich offener. Es gibt immer noch nur eine Stadt, allerdings nicht mehr nur ein langes Dungeon von 20-25 Stockwerken, die in thematische 5er-Blocks unterteilt sind. Stattdessen hat Etrian Odyssey IV eine Oberwelt, die in vier thematische Länder abgesteckt ist, die nacheinander mit dem Flugschiff bereist werden. Und eben wirklich frei betretbar sind, statt die eingeschränkte Schifffahrt für Nebenaufgaben der Seekarte in Etrian Odyssey III. Jedes jener Länder hat ein Hauptdungeon von überschaubaren 3 Stockwerken zu bieten, welche besonders nach dem Öffnen der Abkürzungen eben zügig durchschritten werden können, plus zwei oder drei Nebenverliese von je nur einem Stockwerk, deren Begehung häufig optional ist. Jene kürzeren Kerker und die Oberwelt bringen doch viel frischen Wind ins muffig-starre Verlieskriechertum.

Wer dennoch etwas überfordert ist, kann übrigens jederzeit den Schwierigkeitsgrad senken, was eine weitere Neuheit in der Serie darstellt. Sowie NPCs, die sich in einigen Dungeons für das finale Stockwerk und den Bosskampf der Gruppe anschließen, und anschließend sogar permanent mitgenommen werden können – falls einem ein vorgefertigter Charakter lieber ist, als ein selbst erstellter.

Auch visuell sehr frisch gestalten sich die Kämpfe des Spieles. Sie sind gewohnt in First Person, sicherlich, doch statt starrer Artworks präsentieren sich die Monster nun als 3D-Modelle, die durchweg gut animiert sind. Dadurch sind die ehemals starren Gefechte nun viel dynamischer. Die beiden genial-rockigen Battle Themes helfen da natürlich ebenfalls.

Fazit:
Mit Dungeon Crawling an sich muss man selbstverständlich immer noch was anfangen können, um mit Etrian Odyssey IV glücklich zu werden, doch ist dies hier definitiv der modernsten und benutzerfreundlichste Teil der Reihe, perfekt für den Einstieg in die Serie geeignet.

8 von 10 Punkten

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