Ace Attorney: Phoenix Wright – Justice for All

  • Plattform: Nintendo DS
  • Release: 26.10.06 (J), 16.01.07 (US), 16.03.07 (EU)

Mit Justice for All kommen wir zum Mittelteil in der originalen Trilogie um Phoenix Wright auf dem GameBoy Advance. Und wie viele zweite Teile einer Trilogie hat er nicht ganz zu Unrecht den Ruf der schwächste zu sein.

Das fängt bei den Charakteren, dem Herzstück der Serie, schon an. Der erste Teil hat uns Leute wie den schusseligen Gumshoe, die toughe Mia, die quirlige Maya, den eigentlich überraschend netten Perfektionisten Edgeworth, den trotteligen Richter, und natürlich das Naturtalent mit Glückssträhne Phoenix Wright geboten. In kleineren Rollen den sympathischen Versager Larry Butz, die ikonisch-nervige Wendy Oldbag, die vorlaute Lotta Hart, oder den fiesen Von Karma. Die kommen fast alle auch hier wieder vor, so ist das nicht, aber welcher der neuen Charaktere ist denn wirklich Erinnerungswürdig? Die niedliche aber überraschend resolute Pearls, und natürlich die lieber mit Peitsche knallende denn Einspruch rufende Franziska von Karma. Andere Charaktere sind gewohnt überdreht, gewohnt schräg im Charakterdesign, gewohnt auffällig in den Manierismen, aber ganz kleben bleibt keiner davon.

Auch die Fälle sind interessant, aber häufig nicht so ganz auf der Höhe. Der erste Fall ist sowieso das gewohnte Tutorial, bei dem nicht viel rum kommt. Doch so unterhaltsam und Wendungsreich die nächsten beiden gestaltet sind, wie man dies auch erwarten würde, so halten sie mit denen aus dem Vorgänger nicht ganz mit, da sie dafür auch einfach etwas zu unbefriedigend aufgelöst werden. Gibt auch weniger Bindung zwischen den Fällen gegenüber dem ersten Teil, bei dem sie einfach besser ineinander griffen. Ich mein, selbst der fünfte, fürs Remake nachgereichte Fall in Phoenix Wright war dafür überraschend gut ausgearbeitet, und warf Fragen darüber auf, ob das Resultat nicht eventuell doch die Mittel rechtfertigt.

Dafür geht allerdings der letzte Fall von Justice for All ganz in die Vollen. Nicht nur ist die Anzahl an beliebt-bekannten Partizipierenden aus dem Vorgänger so hoch wie sonst nirgends, sondern es ist auch mit Abstand die beste und nervenaufreibendste Handlung, wenn nämlich nicht einfach so wie sonst gegen alle Beweismittel und innerhalb von 3 Tagen die Unschuld jemandes bewiesen werden muss, der zunächst so gar nicht unschuldig aussieht, sondern wenn zudem Maya entführt und als Druckmittel eingesetzt wird. Letztendlich muss sich der Spieler durch Phoenix sogar wirklich entscheiden ob er Mayas Leben des reinen Gewissens wegen riskiert, oder ihre Rettung durch einen ungerechten Gerichtsspruch garantiert. Führt sogar zu zwei verschiedenen Enden, je nach eingeschlagenem Weg.

Spielerisch kommt nicht viel hinzu. Die Tage sind weiterhin in Investigation und Gericht geteilt. Beim Investigieren munter durch die Schauplätze klicken und wie ein Detektiv Beweise sammeln und Zeugen befragen, im Gericht dann im Kreuzverhör die Zeugenaussagen mit Widersprüchen und Gegenbeweisen widerlegen. Alles sehr textlastig, aber doch ein paar Gegenstandsbewegungen vom reinen Visual Novel entfernt. Neu sind allerdings die Psych-Locks, durch die Phoenix nun sieht wenn ihn jemand anlügt oder etwas verheimlicht, und somit durch etwas oder auch ganz viel Druck noch mehr aus dem Gespräch herauszuholen ist. Zu dumm das dies im Gericht nicht zu funktionieren scheint, sondern nur an der frischen Luft. Wäre ja auch zu einfach, wenn man sofort wüsste, wann und bei welchem Punkt eine Zeugenaussage Blödsinn ist.

Schwer ist Justice for All leider manchmal auch etwas zu sehr. Einfach weil die kleinen Makel des Vorgängers hier zahlreicher sind. Ein wenig zu häufig nimmt das Spiel nur einen gewissen Beweis an, obwohl mehrere eine Aussage widerlegen könnten – besonders wo jetzt auch Charakterprofile als Beweise benutzt werden. Ein wenig zu häufig hält es sich mit Kleinigkeiten auf, obwohl man schon seit zehn Minuten und einer dreifach revidierten Zeugenaussage darauf wartet, den Hauptpunkt der Lüge ansprechen zu können. Ein wenig zu häufig – was er auch selbst mehrmals zugibt – muss Phoenix wild im Blauen herumstochern, bis sich dann doch endlich ein echter Ansatz offenbart. Dazu nimmt einem Justice for All auch noch häufiger einen großen Teil der Lebensleiste bei Fehlern weg, ja immer mal wieder sogar gleich die halbe oder volle. Da werden diese kleinen Ecken und Kanten schon gleich etwas nerviger.

Visuell hat sich wenig geändert, ist auch gut und zweckmäßig so von einer technischen Seite, und wie die Faust aufs Auge von einer charmanten Seite, wenn es um die übertriebenen Charakteranimationen geht. Leider hat selbst die Musik eine kleine Talfahrt hingelegt, die Remixe tönen einfach nicht ganz so gut wie ihre Vorgänger-Varianten.

Fazit:
Justice for All ist kein schlechtes Spiel, dafür ist die Serie einfach auch zu unterhaltsam. Nein, es ist nicht mal ein mittelmäßiges. Es ist allerdings in allen Punkten so einen Tacken weniger als der Vorgänger auf den Tisch brachte. Somit immer noch sehr spielenswert solange nicht zu viel erwartet wird.

7 von 10 Punkten

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