Ace Attorney: Phoenix Wright

  • Plattform: Nintendo DS
  • Release: 15.09.05 (J), 12.10.05 (US), 26.03.06 (EU)

Mit Ace Attorney ist Capcom schon irgendwie ein Überraschungshit gelungen. Sowohl in Japan, wo der erste Teil Anfang des neuen Jahrtausends auf dem GameBoy Advance aufschlug, sowie im Westen, der auf die DS-Remakes warten musste, konnte sich die Reihe zu einem unerwarteten Erfolg aufmachen. Gerade die Phoenix-Trilogie hat es neben jenen Inkarnationen auf GBA und DS mittlerweile auch auf PCs, Wii, Smartphones und den 3DS geschafft.

Begonnen hat die Sage um den trotteligen Phoenix Wright, bei dem nie ganz so sicher ist, ob darunter ein Genie steckt, oder er einfach unglaublich viele Glückstreffer landet (es ist wohl ein wenig von beidem), ganz klein mit dessen ersten Fall unter seinem Mentor, der toughen Mia Fey. Doch noch bevor sich deren Charakterdynamik richtig eingespielt hat ist sie auch schon umgebracht und Phoenix sieht sich als ihr Nachfolger ihre Schwester Maya, die zum Sidekick der Trilogie werden wird, gegen die Mordanschuldigung verteidigend. Glücklicherweise kann Mia ihm auch aus dem Grabe beistehen, in dem sie einfach den Körper des Mediums Maya in Besitz nimmt.

Wenn ein was ziemlich schnell auffallen sollte, dann das sich Ace Attorney nicht super ernst nimmt. Ein ernstes Spiel über reale Anwaltsarbeit wäre sicherlich auch nicht sonderlich spannend. Stattdessen richtet sich die Reihe stark an wendungsreiche Crime-Serien des Fernsehens, und setzt dort dann noch eines oben drauf. Da schlagen die Handlungsverläufe schon mal einen irrsinnigen Haken nach dem anderen, legen schräg aussehend Charaktere noch schrägere Manierismen an den Tag, pfeffern sich Anklage und Verteidigung die mit dramatischer Gestik unterlegten „Hold it“s und „Objection“s nur so um die Ohren. Gerichtsverhandlungen müssen in drei Tagen abgeschlossen sein, das Motto „schuldig bis die Unschuld bewiesen ist“ herrscht vor, Zeugen können zehn mal ihre Aussage ändern, der Richter lässt sich links und rechts beeinflussen, der arme Phoenix muss hingegen bis zum kleinsten Detail alles durcherklären, damit ihm geglaubt wird.

Alles sehr over the top und dramatisch und eben alles sehr… Spiel. Nicht viele Akten wälzen, sondern direkt selbst an die Schauplätze gehen, um Zeugen zu befragen und Beweismittel einzusammeln, die man bis zum richtigen Überraschungsmoment in der Verhandlung zurückhalten darf. Beim Kreuzverhör während der Gerichtssession so lange jede Kleinigkeit dem Zeugen ankreiden, bis der Psychokrieg gewonnen ist und sich eine Öffnung zur Diskreditierung bietet, inklusive dramatischem Zusammenklappen des Aussagenden. Und leider alles auch ein wenig zu linear gestaltet. Es ist manchmal leider ein wenig zu einfach auf dem richtigen Weg zu sein, vom Spiel aber dennoch abgemahnt zu werden, da es die Beweismittel in einer gewissen Reihenfolge sehen will, oder weil es vorher noch zwei Kleinigkeiten widerlegt haben möchte, bevor es zum eigentlich schon offensichtlichen Hauptproblem kommen kann. Und manchmal soll Phoenix auch schlichtweg scheinbar verlieren, damit ein dritter Charakter überraschend zur Rettung kommen kann.

Dies sind aber nur kleine Makel in einem ansonsten mehr als unterhaltsamen und charmanten Spiel, bei dem der viele Text der Hauptgrund es überhaupt zu spielen ist, denn die sympathischen und unterhaltsam-verqueren oder gar einfach herrlich-fiesen Charaktere, ihre enorm übertriebene Körpersprache und Quirks, die gute Mischung aus ernsten Lagen und humorigen Einwürfen, all dies ist es, was Ace Attorney: Phoenix Wright zu seinem so spannenden und witzigen Ritt durch den nicht wirklich alltäglichen Gerichtsalltag macht.

Die Optik ist dabei wie von Visual Novels gewöhnt natürlich grundsätzlich eher nüchtern, mit etwas pixeligen Hintergründen und rudimentär animierten Charakter-Cutouts davor gestellt. Doch gerade diese abgehackten Animationen machen den Charme der Reihe mit aus, wenn sie nämlich dann für die übertriebenen Anwandlungen der Charaktere benutzt werden, mit dramatischen Fingerzeigs, einer überraschten Gegenseite, nervösen Zeugen und dem Highlight der total ausrasteten Überführten. Dazu kommt dann noch die wirklich gute Musik, die entsprechend dramatisch anschwillt, wenn Phoenix damit beginnt Leute auseinander zu nehmen oder wichtige Beweise zu finden, und et voila, die audiovisuelle Gestaltung unterstreicht perfekt das irrsinnige Crime-Drama des Spieles.

Fazit:
Mit Ace Attorney hat Capcom wirklich ein Schmuckstück von einer Serie geboren. Und das zeigt bereits der erste Teil, der vielleicht noch nicht ganz so abgedreht wie spätere Inkarnationen ist, aber doch schon viel Überraschendes bietet und jede Menge Charme versprüht.

8 von 10 Punkten

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