Grandia: Parallel Trippers

  • Plattform: GameBoy Color
  • Release: 22.12.2000 (J)

Sobald eine Franchise eine gewisse Stufe an Beliebtheit erreicht, sind kleiner Abzweigungen vom Hauptbaum eigentlich unumgänglich. Grandia war zeitlich begrenzt mal ganz beliebt, und dies führte dann tatsächlich auch zu einem Spinoff auf dem GameBoy Color abseits der Hauptteile auf großer Konsolenbruderschaft: Parallel Trippers.

Yuuhi und seine zwei Schulfreunde fallen beim Begehen des leeren Spukgebäudes zwischen die Welten, machen dort die Bekanntschaft von Justin, Feena, Sue und zwei Dutzend anderer bekannter Gesichter aus dem ersten Grandia. Und oh Schreck, oh Graus, ein versiegelter Bösewicht droht auch noch, bevor das Tor zurück in die eigene Welt gefunden werden kann. Also ab durch den feurigen Vulkan, bewaldeten Dschungel, wässrige Tropeninseln, luftige Höhen, eisige Schneelandschaften, und antike Städte. Fehlt eigentlich eine Wüste, aber ansonsten kann man Grandia: Parallel Trippers weder vom Weltendesign noch von der Alibi-Handlung großes Neuland bezeugen. Also lieber ab zum Gameplay anstatt zur zweckmäßigen Ausrede, warum neue Charaktere zusammen mit alten Gesichtern gegen einen Bösewicht antreten müssen.

Besonders an Parallel Trippers ist, dass es sich um ein Karten-RPG handelt. Alle einsetzbaren Fähigkeiten sind also Sammelkarten, die gekauft werden können, aber auch von Gegnern hinterlassen werden, neue Charaktere eh ein paar mit in den Kampf bringen, Schatztruhen in sich verbergen, und vor allem durch Synthese neue Formen oder schlicht im Rang verbesserte hergestellt werden. Doch wer nun schon aufgestöhnt hat, weil er diesen Kartenspielchen genauso wenig abgewinnen kann, wie dies bei mir der Fall ist: Keine Sorge, der erste Eindruck ist etwas irreführend. Denn in Parallel Trippers stellt man sich nicht wie üblich ein Deck aus X Karten zusammen, aus denen dann jede Runde zufallsbedingt die möglichen Aktionen ausgewürfelt werden. Nein, jedem Charakter werden Karten ausgerüstet, die dann dessen Fähigkeitenset ausmachen, und alle jede Runde zur Verfügung stehen. Karten in Parallel Trippers funktionieren also tatsächlich mehr wie Skills, von denen der Spieler selbst aussuchen darf, wer welche wann zugeteilt hat. Nichts mit „warum zieht das Spiel nie einen Heilzauber, wenn ich einen brauche?“ oder „jetzt kommt natürlich wieder nichts fürs Aufheben des Debuffs“ oder „Angriff XYZ wäre jetzt genau richtig, und ich hab ihn ja zugeteilt, aber in der aktiven Hand natürlich nicht liegen“.

Die Hauptreihe hat sich besonders durch das dynamische Kampfsystem ausgezeichnet, und auch Parallel Trippers benutzt den Aktionsbalken, auf dem immer ersichtlich ist, wann ein Charakter oder Gegner seine Attacke ausführen wird. Dies kann gewohnt strategisch genutzt werden. Erreicht ein Charakter nämlich den Command-Punkt, so wird nun ausgewählt, was er oder sie tun soll, dies aber nicht sofort ausgeführt, sondern erst sobald der Act-Punkt auf der Leiste erreicht wurde. Je weiter weg von jenem der Charakter gesetzt wird, umso länger dauert jenes Erreichen, umso wahrscheinlicher setzt sich ein Gegner davor und darf vorher agieren, aber auch umso stärker wird die ausgeführte Aktion inklusive deren erhaltenen Zusatzeffekts. Kommen die richtigen Charaktere mit den richtigen Fähigkeiten auch noch direkt hintereinander dran, führt dies zu starken Kombinationen.

Dieses Kampfsystem, zusammen mit der Kartensynthese, bringen also doch ein etwas tieferes System in ein ansonsten sehr simples Spiel. Denn die einzelnen auf der Weltkarte anklickbaren Welten sind ziemlich kurz, zwar mit einigen Sprungpassagen und Schalterrätseln aufgelockert, die jedoch immer sehr einfach zu lösen sind, und die Gegner sind nie allzu schwer. Höchstens der eine oder andere Boss kann mal überraschen, wenn nicht gut aufgerüstet wurde. Trotz Post-Game kann Grandia: Parallel Trippers in 10-12 Stunden abgeschlossen sein, es überdauert also nie seine Halbwertszeit.

Schön aussehen tut Parallel Trippers grundsätzlich mal nicht, überrascht jedoch an einigen Punkten mit ganz netten Hintergründen, die doch deutlich aus den restlichen Assets hervorstechen. Die Musik ist eigentlich auch ganz brauchbar, manchmal sogar richtig gut, wenn man über die metallische Ausgabe des Gerätes hinweg kommt.

Fazit:
Grandia: Parallel Trippers ist kein besonderes oder geniales Spiel, aber doch gut und launig. Simpel und kurzlebig, und somit macht es eigentlich nichts für ein irrelevantes Spinoff falsch.

7 von 10 Punkten

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