Persona Q: Shadow of the Labyrinth

  • Plattform: Nintendo 3DS
  • Release: 05.06.14 (J), 25.11.14 (US), 28.11.14 (EU)

Die Megami-Tensei-Reihe ist das, was Englischsprachige gerne als Clusterfuck bezeichnen. Es gibt Hauptserie, Spinoffs in der Hauptserie, komplett unabhängige Spinoffs, und dann die Spinoffs der Spinoffs. So beispielsweise im hiesigen Fall, denn Persona ist ein Spinoff der Hauptserie, mittlerweile aber wesentlich mehr Kohle als jene einspielend, und so kam es hiervon auch zu diversen Spinoffs. In Form von Fighting oder Rhythm Games beispielsweise, aber auch die Macher von Etrian Odyssey durften bei Persona Q mal die Hand an die Serie legen.

Persona Q benutzt sogar die bereits existenten Charaktere aus Persona 3 und 4, weil sich so bestehende Fans viel schneller zu einem Kauf überreden lassen können. Dies läuft natürlich immer damit etwas Gefahr, wie das in das schon existente Gerüst einzubauen ist. Persona Q wählt den pragmatischen Weg: Dies hier ist eine Parallelwelt, in der sich die beiden Gruppen während der Ereignisse ihrer Spiele wiederfinden, und am Ende vergessen sie das Geschehen wieder, weswegen es dort nie zur Sprache kam.

Jedoch ist eigentlich die Handlung in Etrian Odyssey sowieso nur in kurzen Sätzen abgehandeltes Beiwerk zum Verlieskriechen. In Persona Q allerdings nicht so, übernimmt es die Gesprächigkeit der Serie, die zur Dungeonarbeit auch Visual Novel mixt. Sowohl zwischen wie während des Begehens der Kerker wird wiederholt in der Gruppe über Gott und die Welt geredet. Nicht nur über das Problem an Hand, sondern auch einfach nur Smalltalk. Leider ist gerade jener nicht so gut geschrieben wie in den Haupt-Spinoffs, sondern bricht Charaktere gerne auf den kleinsten Nenner. Chie mag Fleisch, Akihiko Proteine, Teddy flirtet erfolglos mit Mädels, neuer Charakter Rei ist gefräßig – dies sind nette kleine Charakter-Quirks, wenn sie allerdings wiederholt im gleichen Dungeon angesprochen werden, ist es auch irgendwann mal genug. Die Social Links gibt es natürlich gar nicht mehr, dafür nun Spaziergänge in der Schule, die nicht ganz gleich ablaufen, sondern eher wie der Party Talk in Dragon Quest oder Skits in Tales, aber auch die Charaktere einem besser näher bringen, als die Traits-in-Endlosschleife der Dungeongespräche.

Dafür richten sich die Dungeons stark nach Etrian Odyssey. Die Verliese sind nun also in Egoperspektive, und vor allem vordefiniert statt randomisiert zusammengewürfelt. Die Karte muss selbst gezeichnet werden, es gibt diverse Abkürzungen, um das neue Begehen der 4-5 Stockwerke zu erleichtern. Und sichtbar sind diverse FOEs als besonders starke Gegner anzutreffen. Genau jene können gern mal nerven, da es Persona Q in späteren Kerkern doch übertreibt, wenn es darum geht sie als Bewegungsrätsel zu missbrauchen. Gerade Inaba Pride Exhibit scheint nur ein großes Logikpuzzle darüber zu sein, wie man mit oder ohne Fackel durch einen Raum voller in strickten Bewegungsrhythmen befindlichen FOEs kommt, ohne von ihnen zu Mus verarbeitet zu werden. Wer das natürlich in Etrian Odyssey IV schon als Auflockerung des repetitiven Verlieskriechens gesehen hat, kann sich glücklich schätzen. Wer die Anzahl jener Instanzen dort aber schon Überhand nehmend empfand, der muss sich bei Persona Q auf noch mehr einstellen.

Das liegt vielleicht auch daran, weil das Spiel im normalen Verlauf der Gegnerkämpfe extrem einfach ist. Zum einen muss natürlich direkt gesagt werden, dass es sowieso Schwierigkeitsgrade zur Auswahl gibt, nämlich je zwei über und unter normal, wobei einem auf Safety schon mal gar nichts geschehen sondern direkt in den verlorenen Kampf voll geheilt wieder eingestiegen werden kann, während auf Risky nicht davon gelaufen werden darf und der Tod des Hauptcharakters ein Game Over bedeutet. Ok, Etrian Odyssey hat ja Charakterklassen, die hier durch die vordefinierten Charaktere flach fallen. Doch so ein wenig in die üblichen Archetypen sind sie dennoch eingereiht, somit ein paar Charaktere viel effektiver als andere. Außerdem ist die Ausnutzung der Schwächen neu, denn eine getroffene lässt jenen Charakter in der nächsten Runde als ersten agieren und eine Fähigkeit ohne die normalen SP/HP-Kosten werfen. Neben der festgelegten Haupt-Persona kann eine Sub-Persona ausgerüstet werden, die zusätzliche Skills verleiht, deren HP/SP allerdings auch auf das Maximum des Charakters gerechnet und nach jedem Kampf geheilt wird. Verliert man also weniger, als eine Sub-Persona einem gibt, ist man immer komplett geheilt. Dann ist das Balancing der Hama/Mudo-Skills sowie Statusveränderungen echt in die Hose gegangen, weswegen Naoto mit etwas Nachhilfe alle normalen Gegnergruppen umbringen kann, noch bevor sie agieren, während eine gebuffte Aigis – aber auch viele andere physisch starke Charaktere – einem Boss unter Agility-Bind schnell die Lichter ausbläst.

Einige nette Neuerungen im Durchlaufen der Kerker sind sicherlich auch, dass jederzeit vom letzterreichten Stockwerk begonnen werden kann, sowie das 100% der Karte auszufüllen mit einem Schatz belohnt wird. Gewohnt können natürlich in der Stadt neben einzukaufen und zu speichern auch Quests angenommen und Persona zu (hoffentlich) besseren fusioniert werden.

Die Grafik von Persona Q steckt alle Charaktere in SD-Figuren, die eigentlich gar nicht mal so viel anders aussehen, als die PS2-Modelle. Nur gibt es hier halt nicht die Artworks beim Sprechen, sondern auch jene Modelle. Abgesehen von jenem niedlicheren Charakterdesign und der Egoperspektive in den Verliesen richtet sich der Stil schon stark nach Persona, sprich es ist alles sehr hip und stylisch, Farbenfroh und auch die Musik klingt ziemlich stark nach Persona 3 – in der Schule etwas stärker, als in den Dungeons an sich. Besonders geil ist vor allem der Intro-Song, der sowohl in dieser coolen Form, wie in der ruhigen Variante im Hauptmenü toll klingt.

Fazit:
Wer in seinen Dungeon Crawlern nicht viel Geschwafel leiden kann, sondern sie für ihren Fokus aufs Gameplay schätzt, ist bei Persona Q an der falschen Adresse. Wer jedoch gerne sich mal an Etrian Odyssey probieren würde, aber dabei mehr Style und einen sehr einstiegsfreundlichen Schwierigkeitsgrad wünscht, der wird hier ganz gut bedient.

7 von 10 Punkten

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