Ace Attorney: Apollo Justice

  • Plattform: Nintendo DS
  • Release: 12.04.07 (J), 19.02.08 (US), 09.05.08 (EU)

Nachdem die Phoenix-Trilogie auf andere Systeme portiert wurde, und vor allem auf dem DS mit den einhergehenden West-Releases Erfolge feiern konnte, kam mit Apollo Justice auch endlich der vierte Teil zustande, diesmal zunächst exklusiv für den damals aktuellen Handheld Nintendos.

Wie der Name schon sagt wird hier nicht mehr in die Rolle von Phoenix Wright geschlüpft, sondern in die vom Neuling im Gericht Apollo. Der lernt unter einem Freund Phoenix‘ das Handwerk des Fingerzeigs einhergehend mit dem Objection-Gerufe seiner Stimmbänder aus Stahl, und wird auch noch direkt in ziemlich kaltes Wasser geworfen, darf er doch den unter Mordanklage stehenden Phoenix Wright, seit 7 Jahren kein Anwalt mehr, verteidigen. Glücklicherweise hilft ihm dessen Tochter Trucy etwas aus.

Weitestgehend neue Charakterriege gibt es also im vierten Ace Attorney zu verzeichnen, und selbst Phoenix hat sich eine ganze Ecke verändert mit den Jahren, ist zynischer und gewitzter geworden. Genau genommen stiehlt er an Unterhaltungswert allen anderen Charakteren schon gehörig die Show, dagegen wirken Apollo und Trucy zwar sympathisch, aber ein wenig zu sehr wie Schattenhafte Echos auf die alte Phoenix-Maya-Dynamik. Und auch Ankläger Klavier Gavin ist zwar eine coole Sau, aber eben nicht ganz so sehr wie beispielsweise ein Godot.

Das hört sich ein wenig an wie der Text, den ich zu Justice for All geschrieben habe – alles gewohnt da, aber eben ein wenig blasser als in den anderen Teilen. Dem kann man von der Handlung her auch nur zustimmen. Apollo Justice ist definitiv der vom Verlauf her gelackteste und best ineinandergreifende Teil, bei dem alle Fälle langsam auf das große Finale aufbauen, in denen wie üblich alle Geheimnisse zu einer großen Aufklärung auflaufen. Doch auch wenn das alles unterhält, so wirken erneut die ersten drei Fälle etwas zu sehr, als würden sie sich eben genau deswegen etwas zurückhalten, damit auf sie stützend am Ende noch eine Überraschung folgen kann.

Fast neu im Spielgeschehen ist nun übrigens die Einbindung der DS-Funktionen, die ansonsten nur im Bonusfall des ersten Spieles vorkamen. Es muss sich also nicht mehr nur durch Lokalitäten und Zeugenaussagen geklickt, und Gegenstände zum Auffliegen lassen späterer Unstimmigkeiten aufgenommen werden, sondern es kann auf dem Touchscreen rumgetatscht und ins Mikro geblasen werden, um Fingerabdrücke zu nehmen, kaputte Gegenstände zusammenzusetzen etc. Alles nicht super spannend, aber doch immer mal wieder das Spielgeschehen auflockernd. Statt Psyche-Locks gibt es nun übrigens das Auslesen der Körpersprache: Fängt Apollos Armband an während einer Zeugenaussage zu vibrieren, hält jener etwas zurück und muss auf seine nervösen Zuckungen aufmerksam gemacht werden. Wie auch immer Apollo damit durchkommt, dies als eindeutiges Anzeichen für eine Lüge vorzubringen.

Während ich bei Justice for All darüber meckerte, dass die genaue Herangehensweise zur Wiederlegung einer Aussage teilweise etwas zu unersichtlich war, meckere ich bei Apollo Justice lieber mal genau gegenteilig. Mir ging es an ein paar Stellen ehrlich gesagt etwas auf den Keks, wie penetrant ein NPC Apollo auf die nächste Offensichtlichkeit noch dreimalig hingewiesen hat.

Interessant ist übrigens, dass sich Ace Attorney langsam auch bewusst geworden ist, dass die ganze Mentalität in den Gerichtssessions etwas seltsam ist. Genau genommen war das ja immer bekannt und einfach als Teil des schrägen Charmes verwendet, doch in Apollo Justice wird es tatsächlich zum Teil der Handlung, dass dieses „schuldig bis die Unschuld bewiesen ist“ irgendwo falsch herum läuft und selbst wenn die Unschuld mehr als wahrscheinlich ist, ohne konkrete Beweise Leute hinter Gittern landen können. Im nur hier verwendeten MASON-System wird der Spieler ganz meta selbst zum Mitglied der neuen Jury, die im Finale per Virtual Reality von Phoenix alles möglich Relevante für die Verhandlung im Jetzt wie vor 7 Jahren vorgeführt bekommen, um selbst über das Urteil anschließend abstimmen zu können. Es ist sicherlich nett mal wieder Phoenix zu steuern, vor allem auch mit nostalgischer Grafik und Sound, doch ist mir der MASON-Teil dann selbst für die schrägen Ace Attorneys mit ihren Spirit Mediums und Psyche-Locks und Magatamas zu abgehoben gewesen. Ganz so weit lässt sich mein Glaube dann doch nicht dehnen.

Dass Apollo Justice das erste Ace Attorney ist, welches direkt für den DS entwickelt wurde, sieht und hört man ihm auch an. Es gibt immer noch abgehackt-übertrieben-charmant animierte Charakter-Cutouts vor starren Hintergründen, doch sind jene jetzt wesentlich feingeschliffener, weniger verpixelt, und selbst die Musik klingt wesentlich klarer.

Fazit:
Bei Apollo Justice geht es mir doch stark so wie bereits bei Justice for All: Es ist gut, es ist mehr Ace Attorney, es unterhält, aber es ist ein wenig hinter dem ersten und vor allem dritten Teil anstehend. Die Charaktere und Handlung sind im Direktvergleich einfach blasser.

7 von 10 Punkten

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