Ace Attorney: Phoenix Wright – Dual Destinies

  • Plattform: Nintendo 3DS
  • Release: 25.07.13 (J), 24.10.13 (US), 24.10.13 (EU)

Zwischen dem vierten und fünften Teil der Ace-Attorney-Reihe sollten doch einige Jahre ins Land ziehen, erschien jener erst auf der nächsten Handheld-Generation, während sich Capcom erst Mal den beiden Investigations widmete und Shu Takumi Ghost Trick produzierte. Der Serienschöpfer sollte letztendlich dennoch nicht für den fünften Teil parat stehen, war er doch bei Professor Layton vs. Ace Attorney eingebunden.

Im Gerichtssaal geht eine Bombe hoch. Nein, dies ist nicht im übertragenden Sinne einer dramatischen Wende oder psychotischen Zusammenbruches eines Schuldigen gemeint, sondern eine echte Bombe geht hoch und legt den Gerichtssaal, in dem Apollo Justice gerade seinem Beruf nachging, in Schutt und Asche. Mit Apollo aus dem Fokus muss seine neue Protégée ran, die resolut-melodramatische Athena Cykes. Doch als auch die sich der Verhandlung als nicht gewachsen sieht, zückt der blaue Blitz Phoenix Wright seinen Zeigefinger, um die Objections zu rufen.

Im Verlauf des Spieles wird immer wieder zwischen diesen drei Anwälten gesprungen was den gesteuernden Hauptcharakter angeht. Denn neben dem mittlerweile aus der Reihe nicht ganz unbekannten Thema über Dunkle Zeiten der Gerichtsbarkeit und ob der Zweck wirklich die Mittel heiligt, kehrt auch das Thema der Freundschaft und Bruch mit deren immer wieder. Alles natürlich in einem finalen Fall kulminierend, in dem das Forshadowing und die Ansätze der vorigen noch mal auf den Tisch kommen, und dann doch alles ganz anders war. Oder zumindest teilweise, mittlerweile ist der Modus Operandi der Reihe bekannt und ganz so überraschend ist nicht mehr jede Wendung, was aber nicht bedeutet, dass sie nicht weiterhin unterhaltsam sind und absolut nichts einen auf dem falschen Fuß erwischen würde.

Dafür trägt das Spiel umso dicker auf, um dies wett zu machen. Schon lange nicht mehr waren die Manierismen der Charaktere so extrem, die Designs so übertrieben, das Melodrama so dick aufgetragen, der Humor so charmant eingeflochten. Tatsächlich ist Ace Attorney was Handlung und Charaktere angeht fast wieder auf voller Höhe, verfehlt die Spitze dann allerdings doch ein wenig, weil ich mir manchmal nicht sicher war, ob ich die Charaktere wirklich für erinnerungswürdiger hielt, weil sie so ein toller Charakter waren, oder nur weil ihr Aussehen so extrem war.

Dual Destinies benutzt übrigens keines der Handheld-Gimicks, auch wenn ein paar Instanzen wie das Nehmen von Fingerabdrücken oder das Zusammensetzen einer Statue noch im Vorgänger eindeutig nach Touchscreen und Mikrophon gerufen hätten. Dafür offeriert Athena als neuer Charakter auch ein neues Gimmick: Per glorifiziertem Stimmungsring weiß sie im Prinzip, wann das Gesagte eines Zeugens nicht mit dessen innerer Gefühlswelt übereinstimmt, also gelogen oder geleugnet wird. Ist grundsätzlich wieder nicht wesentlich anders als Phoenix‘ Magatama oder Apollos Armband, nur durch ein neues Minispiel ausgedrückt. Und ähnlich Apollos Fähigkeit sollte man vielleicht nicht zu lang drüber nachdenken, wie „Warum macht dich deine Aussage traurig, obwohl es ein aufregendes Erlebnis sein müsste“ als distinkter Beweis vor Gericht durchgeht, dass die Person ihre Zeugenaussage zu ändern hat, weil da ganz eindeutig was nicht stimmen kann.

Leider muss ich berichten, dass die etwas herabwürdigenden Instanzen, wenn ein Fehler offensichtlich ist, das Spiel einen aber dennoch mehrmals drauf aufmerksam macht, dass DIES doch nicht stimmen kann und DORT doch DAMALS noch was war – hint hint hint – seit Apollo Justice nicht ab- sondern zugenommen haben.

Mensch was sieht Dual Destinies so geil aus. Ich war mir zunächst nicht so sicher was das Weggehen von den bekannten 2D-Sprites hin zu 3D-Modellen angeht, aber die charismatische Extrem-Körpersprache ist immer noch da, die Bewegungsabläufe sind nun nur viel flüssiger und es sind mehr kleine Variationen möglich, sowie nette kleine Animationen in den Hintergründen. Die einzelnen Fälle werden jetzt auch nicht mehr mit einer kleinen Diashow eingeführt, sondern mit vollwertigen Anime-Sequenzen, inklusive brauchbarer Sprachausgabe. Die BGM hat auch noch nie so melodisch geklungen, als wäre es zum ersten Mal mit richtigen Instrumenten eingespielt worden, oder zumindest ihnen getreu wiedergegeben.

Fazit:
Im neuesten Teil der glücklicherweise gar nicht so realistischen Gerichtssimulation hat mich Ace Attorney fast wieder gefangen. Alles ist gut durch-choreographiert und stimmig, die Charaktere sind bunter als im Vorgänger, aber die Extrameile zu Trials & Tribulations fehlt noch.

8 von 10 Punkten

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